18. Juni 2015

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Zwischenkokelgebiet setzt kulturelle Akzente beim Heimattag 2015

Das Zwischenkokelgebiet, eine weniger bekannte und bereiste Region in Siebenbürgen, hat beim 65. Heimattag der Siebenbürger Sachsen kulturelle Akzente gesetzt und viele neue Besucher nach Dinkelsbühl gelockt. Dadurch konnten Besucherrekorde gebrochen und auch viele neue Trachtenträger dazugewonnen werden. Gelebte Identität und sächsischer Gemeinschaftssinn haben neun Heimatortsgemeinschaften zu einem Team geformt, um die kulturellen und organisatorischen Aufgaben des Mitausrichters in Zusammenarbeit mit dem Verband der Siebenbürger Sachsen zum größtmöglichen Erfolg im Sinne aller Siebenbürger Sachsen zu führen. Es wurde ein großes und sehr schönes Fest der Begegnung. Im Rückblick berichten wir über die von den neun Heimatortsgemeinschaften Baaßen, Bulkesch, Maldorf-Hohndorf, Nadesch, Rode, Schönau, Seiden, Zendersch und Zuckmantel gestalteten bzw. mitgestalteten Veranstaltungen.

Brauchtumsveranstaltung „Hochzeitsbräuche im Zwischenkokelgebiet“

Als Mitausrichter des Heimattages haben wir unsere Aufgabe gern als Chance genutzt, uns geschlossen als „Kokeltaler“ zu präsentieren und im Rahmen der Brauchtumsveranstaltung Hochzeitsbräuche aus unserer Herkunftsregion, dem Zwischenkokelgebiet, vorzustellen. Dieses Gemeinschaftsprojekt wurde von Hans und Gerdi Gärtner aus der Taufe gehoben und hat sowohl in der konstruktiven Zusammenarbeit und Vorbereitung als auch in der gelungenen Durchführung alle unsere Erwartungen übertroffen. Die Vorstellung am Samstag im großen Schrannensaal war überwältigend gut besucht und hatte eine überaus positive Resonanz. Ein Besucher, der evangelische Gemeindepfarrer Thomas Kohl aus dem unterfränkischen Giebelstadt (Landkreis Würzburg), fasste seine Eindrücke wie folgt zusammen: „Beeindruckend fand ich die vielen Menschen, die dafür Interesse gezeigt haben. Sie standen in den Gängen und es war für die Brautpaare fast kein Durchkommen mehr möglich. Das ist etwas, was ich bei ähnlichen Veranstaltungen bei uns im fränkischen Bereich so noch nicht erlebt habe. Ich spürte das Gemeinschaftsgefühl unter den Sachsen, das trotz Auswanderung und Diaspora in Deutschland einfach noch da ist.“



In unserer alten Heimat, im Zwischenkokelgebiet, haben sich viele alte Sitten und Bräuche und eine große Trachtenvielfalt bis in unsere Zeit erhalten. So wurde die Idee geboren, die wohl schönsten Trachten und Bräuche, nämlich unsere Hochzeitsbräuche, zu zeigen. Obwohl die Hochzeiten in den Gemeinden des Zwischenkokelgebietes nach ähnlichen Mustern verliefen, haben wir viele ortsspezifische Besonderheiten festgestellt, denen wir uns widmen wollten. Die beteiligten Heimatortsgemeinschaften Baaßen, Bulkesch, Maldorf-Hohndorf, Nadesch, Rode, Schönau, Zendersch und Zuckmantel waren jeweils mit einem Brautpaar vertreten und stellten eine Szene der Hochzeitsfeier vor, so wie sich diese im Herkunftsort abgespielt hat. Alle Brautpaare trugen die traditionelle Festtracht ihrer Herkunftsgemeinde – ebenso wie die übrigen Darsteller, z.B. Elternpaare, Brautfrauen, Wortmänner, Bidderkinder usw. Der Zenderscher Chor unter der Leitung von Reinhard Konyen umrahmte die Vorstellung mit vielen altbekannten traditionellen Hochzeitsliedern, die kein Gemüt unberührt ließen.Brautpaare und Hochzeitsgäste aus dem ...Brautpaare und Hochzeitsgäste aus dem Zwischenkokelgebiet. Foto: Hans Gärtner Wie bei einer richtigen Hochzeit waren bei dieser Veranstaltung erfreulicherweise alle Generationen auf der Bühne vereint. Besonders stolz sind wir auf die vielen jungen Leute, die sich bereitwillig als Brautpaare zur Verfügung stellten und voller Anmut ihre Trachten präsentierten. Alle Wortbeiträge wurden in siebenbürgisch-sächsischer Mundart, und zwar im jeweiligen Dialekt, gesprochen, z.B. der Einlader aus Zuckmantel, der Freimann aus Zendersch, der Wortmann aus Maldorf-Hohndorf, die Köchin aus Rode, „Bidder“ und Nachgänger aus Bulkesch, die Braut aus Schönau. Vor allem die „Bidderkinder“ versetzten uns alle in Erstaunen, da sie mit solcher Selbstverständlichkeit in siebenbürgisch-sächsischer Mundart ihre Bidderverse vortrugen.



Der Höhepunkt der Veranstaltung war der Auftritt der Schönauer Braut, die mit glasklarer Stimme das Hochzeitslied „Lebt wohl, geliebte Eltern“ für uns sang. Da war jedem die Rührung ins Gesicht geschrieben und eine andächtige Stille im Saal. Insgesamt bot die Veranstaltung viele berührende Momente, doch ebenso auch Heiteres, z.B. den Langschläfer aus Bulkesch, der mit dem Schubkarren hereingefahren wurde. Hedi Fleischer (Seiden) und Adelheid Roth (Rode) führten durch das Programm und verbanden die einzelnen Beiträge mit interessanten Informationen und Ausführungen.

Der Giebelstädter Pfarrer Thomas Kohl fasste zusammen: „Toll fand ich die jüngeren Leute und Kinder, die den für mich noch recht schwer verständlichen Dialekt gesprochen haben. Interessant fand ich die Vielfalt der Trachten bei den Brautpaaren sowohl bei Frau wie Mann … Interessant ist das deshalb, weil diese Dörfer doch recht eng beieinander liegen und dennoch diese Unterschiede … Eine besondere Meisterleistung war sicherlich, die vielen Mitwirkenden aus allen Teilen Deutschlands bei der Vorbereitung der Veranstaltung unter einen Hut zu bringen … Jedenfalls hat es mir sehr gefallen.“

Zahlreiche positive Rückmeldungen wie diese haben uns als Veranstalter sehr gefreut und wir sind unserem Verband sehr dankbar für die Chance, unser Brauchtum in dieser Form präsentieren zu können. Dankbar sind wir vor allem den zahlreichen Mitwirkenden, ganz besonders unseren Brautpaaren und den vielen anderen Darstellern, darunter auch mehrere Kinder. Großes Lob und Dank gebührt dem Zenderscher Chor und seinem Leiter Reinhard Konyen – die dargebotenen Lieder durften bei keiner Hochzeit fehlen. So wie früher alle gemeinsam zum guten Gelingen einer Hochzeit beigetragen haben, so war es auch hier ein Gemeinschaftswerk von zehn Gemeinden, die ihre Trachten und Traditionen gemeinsam vorgestellt haben.



„Identität lohnt sich“ – das Motto des Heimattages haben wir nicht zuletzt auch mit unserer Brauchtumsveranstaltung in die Tat umgesetzt. Zudem haben dieses Gemeinschaftsprojekt und die überaus positive bereichernde Zusammenarbeit neue Freundschaften und Verbindungen hervorgebracht und unser Bewusstsein enorm gestärkt mit dem gemeinsamen Ziel, das kulturelle Erbe unseres Zwischenkokelgebietes auch weiterhin zu erhalten und zu pflegen. Was kann ein solcher Heimattag mehr bewirken?

Adelheid Roth (Rode), Hedi Fleischer (Seiden)

Ausstellung „Einblicke ins Zwischenkokelgebiet“

Für mich – und ohne mir anmaßen zu wollen, im Namen aller zu sprechen – war der diesjährige Heimattag in Dinkelsbühl und sicher auch für sehr viele Besucher ein ganz besonderes Ereignis. Als Gäste haben wir – ich, geborene Bulkescherin, und mein Mann aus Heltau stammend – schon oft schöne Pfingstfeste in Dinkelsbühl erlebt und diese in vollen Zügen genossen. Die Besuche waren geprägt von tollem Ambiente, dem Treffen von Freunden und Bekannten, gutem Essen und feiern. Hier jedoch gestalterisch mitzuwirken war für uns eine Erfahrung, der wir anfangs zugegebenermaßen etwas skeptisch gegenüberstanden, sie aber im Nachhinein nicht mehr missen möchten.

Durch eine gute Freundin, die im Organisationsteam mitwirkte, und durch deren Tatendrang motiviert, waren wir diesmal aktiv dabei und das war eine neue, sehr schöne Erfahrung. Schon am Freitag reisten wir in Dinkelsbühl an und lieferten unsere Objekte zum Weinbau in Bulkesch für die Ausstellung im Spitalhof ab. Hier trafen wir auf eine Gruppe engagierter Landsleute aller Altersgruppen aus Baaßen, Bulkesch, Maldorf-Hohndorf, Nadesch, Rode, Seiden, Schönau, Zendersch und Zuckmantel, die um Sunnhild Walzer die Ausstellung vorbereiteten: Texte zu den Exponaten schrieben, Trachtenpuppen zurechtmachten, die Hausrat und Kleidung, Handarbeiten oder alte Fotos ihrer Gemeinden mitgebracht hatten. Wir lernten beeindruckende Menschen kennen, die stolz auf ihre Tradition und Geschichte waren und mit Begeisterung Ausstellung und Schautafeln vorbereiteten. Wegen einer Abendveranstaltung der Stadt konnten die Exponate erst am frühen Samstagmorgen aufgebaut werden. So entstand die Ausstellung „Einblicke ins Zwischenkokelgebiet“ im Spitalhof.Gebrauchsgegenstände und Modelle der ...Gebrauchsgegenstände und Modelle der landwirtschaftlichen Geräte des Weinbaus. Foto: Sunnhild Walzer Diese zeigte teilweise das dingliche Kulturgut der Region, Gebrauchsgegenstände des Alltags, Trachten und vor allem Exponate des Weinbaus, Modelle der landwirtschaftlichen Geräte des Weinbaus, aber auch das Modell der Kirchenburg Baaßen sowie alte Aufnahmen, die den Jahresablauf der Arbeiten im Weinberg dokumentierten. Besonders beeindruckend war die Arbeitskleidung eines Winzers, auf dessen Schuhwerk noch Spuren des Schwefels von der Kellerarbeit zu erkennen waren. Ausgestellt wurden außerdem kleine Gerätschaften des Rebbaus und bemalte Weinflaschen, ein kleiner Kelter, Traubenrebbler oder ein Kessel zum Schnapsbrennen. Eigens für diesen Anlass waren Weinflaschen mit Etiketten mit den spezifischen Motiven der jeweiligen Gemeinde kreiert und ausgestellt worden. Tafeltrauben und eine Probe von Speck und Schmalz vom Baaßner Schwein konnten verkostet werden.

Schon bei der Eröffnung am Samstag war großes Interesse an der Ausstellung zu erkennen. Vor einem vollbesetzten Vortragsraum begrüßte Hans Gärtner, Vorsitzender des HOG-Verbandes, die Gäste. Der Autor der Ausstellung, Martin Rill, stellte die 21 Schautafeln des Siedlungsgebietes und der 20 Gemeinden mit ihren Denkmälern vor. Vielfältige Zeugnisse von Baukunst, Kultur und Geschichte sowie überlieferte Traditionen von der Ansiedlung bis in die Gegenwart anhand von Einzelbeispielen in Fotografien und Texten waren dargestellt. Der Redner präsentierte das Zwischenkokelgebiet als eine Kulturlandschaft von besonderer Art. Geprägt vom jahrhundertelangen Zusammenleben der rumänischen, ungarischen und deutschen Bevölkerung und deren wechselseitigen Beziehungen, bewahrt es ein vielfältiges kulturelles Erbe, das in Siebenbürgen wenig bekannt ist.

In drei Abteilungen dokumentiert die Ausstellung Kultur und Geschichte des Landes und seiner Bewohner. Zur ersten Abteilung gehören fünf Orte des westlichen Siedlungsgebietes: Donnersmarkt, Langenthal, Schönau, Bulkesch und Seiden. Die anschließende Abteilung beschäftigt sich mit dem mittleren Zwischenkokelgebiet. Wir sehen hier Bonnesdorf, Baaßen, Großprobstdorf, Bogeschdorf und Kirtsch. Der letzte Abschnitt der „Einblicke …“ mit zehn Tafeln bot einen Überblick über die wichtigsten Dörfer des östlichen Gebietes. Die Auswahl berücksichtigt jene Orte, die Grundherrschaften – außer Großalisch – des siebenbürgischen Adels waren. Sie sind exemplarisch durch Kleinalisch, Rode, Hohndorf, Maldorf, Felldorf, Zendersch, Maniersch, Zuckmantel und Nadesch vertreten.

Neue Einblicke gewährte Hofrat Dipl.-Ing. Walter Schuller vielen Interessenten bei seinem Vortrag „Dreizehn Dörfer – 100 Jahre Rechts- und Adelswillkür“ am Sonntag. Seine Erläuterungen über die „Untertanendörfer“ des Komitatsbodens im Zwischenkokelgebiet beschrieben einen weiteren, weniger bekannten historischen Aspekt dieser Region. Der Vortrag von Helmut Gaber über den Wiederaufbau des Weinbergs in Bogeschdorf mit anschließender Weinverkostung war der Abschluss der zwei Ausstellungstage. Viele Liebhaber und Kenner fanden sich danach zu anregenden Gesprächen ein.

Die große Anzahl der Besucher und deren Begeisterung lassen erkennen, dass die Ausstellung gut angekommen ist. So mancher fühlte sich in eine andere Zeit zurückversetzt und fand ein Stück Heimat wieder. Was ich an diesen zwei Tagen kennenlernen durfte, war unvergleichlich. Ich war stolz auf meine Herkunft und auf das Kulturerbe, das diese Gemeinschaft aus der kleinen Region geschaffen hat. Ich danke allen für ihr Engagement für diese Veranstaltung, den neun Heimatortsgemeinschaften, die daran mitgewirkt haben, insbesondere den Organisatoren – Hans Gärtner, Sunnhild Walzer, Martin Rill und der Kulturreferentin von Südosteuropa, Swantje Volkmann, für die Bereitstellung der Mittel. Damit haben sie sicherlich einen wichtigen Beitrag zum diesjährigen Heimattag geleistet.

Gudrun Göbbel (Bulkesch)

Festgottesdienst in der St.-Pauls-Kirche

Eine besondere Ehre wurde der HOG Nadesch am diesjährigen Heimattag zuteil: die Mitwirkung am Festgottesdienst am Pfingstsonntag. Unmittelbar nachdem die Wahl zur Mitgestaltung auf unsere Gemeinschaft gefallen war, erklärten alle Nadescher Kulturgruppen ihre Beteiligung mit großer Begeisterung. Es wurden entsprechende Liedvorschläge Dekan Hermann Schuller unterbreitet und von diesem für gut befunden. Am Festgottesdienst in der gut gefüllten St.-Pauls-Kirche, darunter viele Honoratioren aus Politik (die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm, der kanadische Staatssekretär Peter Böhm, der deutsche Botschafter in Bukarest, Werner Hans Lauk, der Vorsitzende des DFDR, Paul Jürgen Porr, u.a.) und siebenbürgischen Verbänden, wirkten mit: die Nadescher Adjuvanten unter der Leitung von Hans Barth mit dem instrumentalen Eingangslied „Wie lieblich ist der Maien“; der gemischte Chor der HOG Nadesch „Siebenbürger Vocalis“ unter der Leitung von Angelika Meltzer mit den Liedern „Herr, deine Güte reicht so weit“ (Satz: Eduard Grell) und „Das ist meine Freude“ (Satz: Dieter Golombek). Der Nadescher Männerchor erfreute mit dem Lied „Heil’ger Geist, du göttlich Licht“ (Text und Satz: Samuel Longfellow und Andrew Reed). Zuständig für Lesung und Fürbitten waren Heidrun Kloos und Heinrich Schorscher sowie die Zwillinge Lisa und Marc Kloos, alle in Nadescher Festtracht.Festgottesdienst, von links: Marc und Lisa Kloos, ...Festgottesdienst, von links: Marc und Lisa Kloos, Pfarrer Hans-Gerhard Gross, Heidrun Kloos, Heinrich Schorscher. Foto: Hans Georg Baier Nach dem Gottesdienst wurden alle mit viel Lob bedacht, insbesondere für ihre klare und ausdrucksstarke Betonung. Den tiefsinnigen Gottesdienst zelebrierte Dekan Hans-Gerhard Gross aus Rothenburg ob der Tauber, an der Orgel spielte Margarete Csibi aus Altdorf bei Landshut. Die Kollekte am Ausgang ist für die Unterstützung der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien bestimmt.

Hans Georg Baier (Nadesch)

Trachtenumzug am Heimattag

Die Gemeinden des Zwischenkokelgebietes durften als Mitausrichter gleich am Anfang des Trachtenumzuges laufen. Bereits die Vorbereitungen vor 10.00 Uhr waren aufregend und hektisch. Was hatte man nicht alles im Auto mitgebracht und sorgfältig aufgehängt, damit die Kleider nicht verknitterten. Der Parkplatz wurde zur großen Umkleidekabine, wobei es sehr kollegial zuging. Jeder durfte mithelfen, sei es beim Haareflechten, Kleider rutschfest mit Sicherheitsnadeln befestigen, Bänder auf Rocklänge anpassen, Krawatten richten oder die schwierigen Bockeltücher anbringen. Doch dann war man soweit und konnte Gruppenfotos mit Familie, Freunden und Ortsangehörigen machen.



Letzte Anweisungen, wie man im Zug laufen solle und wo man sich nachher treffen könne, wurden erteilt. Die Brautpaare der neun angemeldeten HOGs durften jeweils vor ihrer Gruppe gehen, die Hochzeitsgesellschaft schloss sich an. Die Trachtenvielfalt aller Orte stand im Vordergrund und man konnte die ortsspezifischen Merkmale der Trachten gleich erkennen.Brautpaare aus dem Zwischenkokelgebiet während ...Brautpaare aus dem Zwischenkokelgebiet während der Kundgebung vor der Schranne. Foto: Annette Folkendt Die Schönauer Trachtengruppe hatte den geschmückten Rinnenwagen dabei, in dem die singfreudigen Burschen ihr musikalisches Können zum Besten gaben. Zum ersten Mal war die Bogeschdorfer HOG im Umzug dabei. Auch hier gab es ein Brautpaar zu bewundern. Anschließend folgte die Zuckmanteler Gruppe, die nach zehnjähriger Pause wieder dabei war. Die 1997 gegründete HOG Maldorf-Hohndorf konnte ein echtes Brautpaar (Andrea und Christian Weiss) zeigen. Die Nadescher HOG zeigte sowohl die Fest- als auch die Jungsächsische Tracht, die in ihrem Dorf getragen wurde. Auch ein echtes Brautpaar stellten die Baaßener vor, wobei das weiße Kleid der Braut als Besonderheit gilt. Ein ähnliches weißes Kleid trug auch die Braut aus Bulkesch, wobei in der Verlobungszeit wiederum die blaue Tracht und der Kranzborten getragen wurde. Der Bräutigam durfte erst am Hochzeitstag den „Wedjen Rok“ zum ersten Mal tragen. Als kleine Gruppe hatten sich die Seidener mit eingereiht, darauf folgte die größte Gruppe mit über 70 Teilnehmern. Die Mitglieder der HOG Rode zeigten ihre alterhaltene Trachtenlandschaft in all ihrer Besonderheit mit Brautkranz, Bräutigamstrauß, Mardermütze, Pelzmänteln, Bänderhüten, Bockelung sowie Kirchen- und Festtagstrachten der Kinder, Konfirmanden, Jugendlichen, Männer und Frauen.

Annette Folkendt (Rode)

Schönauer Rinnenfest

Ein tolles Erlebnis war der diesjährige Heimattag der Siebenbürger zu Pfingsten in Dinkelsbühl. Die Schönauer feierten wieder einmal gemeinsam das traditionelle Rinnenfest. Dieses einzigartige Fest besteht aus zwei Hauptteilen: Vorbereitung des Rinnenwagens mit Teilnahme am Trachtenumzug und gemeinsames Beisammensein von Jung und Alt.



Damit dieses Fest gelingen konnte, kamen bereits am Freitag über 50 fleißige Helfer in den Schrebergarten von Matthias Werder (der aus Schönau stammt) nach Dinkelsbühl. Fünf Zelte, 35 Bierzeltgarnituren und ein Grillplatz wurden aufgebaut. Die Zeit verging wie im Flug. Um 14.00 Uhr machten wir jungen Burschen uns mit Traktor und Anhänger auf den Weg in den Wald, um Eichenlaub zu holen. Der Förster zeigte uns, welche Bäume abgeholzt werden durften. Alle hatten sichtlich Spaß daran, die Bäume zu fällen, sie aus dem Wald zu tragen und auf den Anhänger zu laden. Nach ungefähr 120 Bäumen war der Anhänger voll und wir waren uns einig, dass diese Anzahl für den Rinnenwagen reichen sollte. Nach getaner Arbeit sangen wir einige Rinnenlieder und fuhren zurück in den Garten, wo wir von den anwesenden Schönauern herzlich mit Wein und Gebäck empfangen wurden.Vorbereitung des Rinnenwagens, im Vordergrund ...Vorbereitung des Rinnenwagens, im Vordergrund Samuel Roth, der die Oberaufsicht hatte. Foto: Carmen Gärtner Am Samstagmorgen starteten wir mit dem Aufbau des Rinnenwagens. Für uns junge Burschen eine riesige Herausforderung, die wir nur mit Hilfe unseres Rinnenbaumeisters Samuel Roth und den vielen engagierten Helfern bewältigen konnten. Fragen tauchten auf: Wie hoch soll der Rinnenwagen werden? Wie hoch sind die Tore in der Innenstadt? Die Arbeit ging zügig voran und ich war erstaunt darüber, wie viele Schönauer nach und nach dazukamen, um mitzuhelfen. Währenddessen banden die Mädels und jungen Frauen den Blumenkranz mit den Initialen „TR“ (Tobias Reckerth) für den Rinnenwagen. Rote und weiße Nelken schmückten liebevoll den äußeren Bogen des Kranzes. Die Initialen aus Chrysanthemen rundeten das Bild ab. Nach dem Mittagessen befestigten wir den Blumenkranz am schon fast fertigen Wagen, vollendeten den Feinschliff und deckten die letzten kahlen Stellen mit Laub ab. Dann war es vollbracht, der Wagen konnte in voller Pracht bestaunt werden.Schönauer Mädchen und Frauen beim Kranzbinden. ...Schönauer Mädchen und Frauen beim Kranzbinden. Foto: Carmen Gärtner Viel Zeit für Fotos und Emotionen blieb aber nicht; um ca. 17.00 Uhr trafen bereits die Pferde ein und die erste Fahrt konnte starten. Für jeden der 25 jungen Burschen war es ein sehr spannendes Erlebnis, singend im Wagen durch die Innenstadt zu fahren. Die meisten waren das erste Mal dabei und sangen mit viel Freude und Elan die geübten Lieder. Auf dem Platz vor der Schranne wurden wir mit Hanklich und Wein empfangen und gaben nochmals die drei schönsten Rinnenlieder vor versammeltem Publikum zum Besten. Bei der anschließenden Feier im Schrebergarten konnten sich alle Teilnehmer mit leckeren Grillspezialitäten und Getränken erfrischen.

Am Pfingstsonntag trafen weitere Schönauer ein, um den Rinnenwagen beim Trachtenumzug zu begleiten. Nachdem jeder seinen Platz im Wagen gefunden hatte, ging es mit dem Pferdegespann um 9.00 Uhr in die Innenstadt. Unser bunt geschmückter Wagen mit dem prachtvollen Pferdegespann und den singenden Burschen war eine Attraktion und eine Bereicherung für den Trachtenumzug. Für mich persönlich war es ein überwältigendes Gefühl, durch eine filmende und fotografierende Menschenmasse zu fahren und die Begeisterung des Publikums wahrzunehmen. Aus alter Tradition erhielten wir symbolisch vor der Schranne zum Dank für die Instandsetzung der Quellen auf den Feldern einen Krug Wein. Bedauerlicherweise musste der Wagen bereits nach kurzer Strecke umgeleitet werden. Gerne hätten wir den Umzug weiter begleitet, dies war jedoch aufgrund der Steigung der Straße für den schweren Wagen nicht möglich.Daniel Theil schenkt den Burschen im Wagen einen ...Daniel Theil schenkt den Burschen im Wagen einen Krug Wein. Foto: Günther Müller Im Schrebergarten wurden währenddessen sämtliche Vorbereitungen abgeschlossen. Nun konnte das eigentliche Treffen beginnen. Insgesamt waren 350 Schönauer an diesem Heimattag in Dinkelsbühl. Es gab reichlich zu essen und zu trinken, es wurde gesungen und gelacht, es war ein tolles und gelungenes Fest, bei dem alle sehr viel Spaß hatten.

Am Montag trafen sich viele Helfer, um die Zelte abzubauen, den Garten aufzuräumen und den Rinnenwagen zu zerlegen. Für mich war dieses Fest ein wunderbares Gemeinschaftserlebnis und eine tolle Erfahrung, die mir auf ewig in Erinnerung bleiben wird. Besonders beeindruckt hat mich die große Verbundenheit aller Schönauer, die zum Gelingen dieses Festes beigetragen haben. Ihnen allen ein herzliches Dankeschön.

Tobias Reckerth (Schönau)

Pfarrer-Musikband „Trio Saxones“

Als Mitausrichter hat man das Vorschlagsprivileg für verschiedene Aufgaben, u. a. für die Musikbands in der Schranne am Sonntagabend. So kam es, dass das Zwischenkokelgebiet die Band „Trio Saxones“, bestehend aus den drei Pfarrern Dietrich Galter, Alfred Dahinten und Andreas Hartig, wohl überlegt vorgeschlagen hatte. Einer der Musiker ist im Hauptberuf Pfarrer im Zwischenkokelgebiet und sie haben bereits bei dem einen oder anderen HOG-Treffen in Siebenbürgen aufgespielt.



Für uns ist es sehr wichtig, mit unseren Pfarrern aus Siebenbürgen auch außerhalb der offiziellen Kommunikation einen normalen Umgang zu pflegen. Das war am Heimattag möglich und wurde auch reichlich genutzt. Ihre Musik in der Schranne hat alle begeistert und somit war es ein gelungenes Gemeinschaftsprojekt für alle Beteiligten. Herzlichen Dank an unsere musizierenden Pfarrer.

Fazit

Nur wenn man als Mitausrichter einen Heimattag mitgestaltet hat, kann man ermessen, wie viel Arbeit letztendlich in der Durchführung steckt. Die lange Vorbereitungszeit hat sich gelohnt. Es haben leider nicht alle Heimatortsgemeinschaften des Zwischenkokelgebietes mitgemacht, aber die, die mitgemacht haben, waren mit großem Eifer dabei. Im Nachhinein kann man feststellen, dass sich für jede Aufgabe Landsleute gefunden haben, die Verantwortung übernahmen und die Aufgaben bis zum Schluss hervorragend umsetzten. Viele von ihnen wurden in diesem Artikel bereits erwähnt. Trotzdem möchte ich stellvertretend Sunnhild Walzer und Martin Rill (verantwortlich für die Ausstellung), Adelheid Roth und Hedi Fleischer (verantwortlich für die Brauchtumsveranstaltung), Klaus Gärtner und Rolf Reckerth (verantwortlich für das Rinnenfest) hervorheben, die viele Tage und Nächte investiert haben, um diesen Heimattag vorzubereiten. Das waren aber wahrlich nicht die Einzigen.

Alle Verantwortlichen der HOGs, die Brautpaare, die Hochzeitsdarsteller, der Zenderscher Chor, die Tontechniker, und alle Mitverantwortlichen aus den HOGs bei der Ausstellung und deren Helfer, die Abzeichenverkäufer, die Trachtenträger, die Fotografen und Kameramänner, die Blaskapelle Augsburg und die vielen anderen Helfer – ihnen allen gebührt unser herzlicher und aufrichtiger Dank. Sie haben alle wesentlich zum Gelingen dieses Heimattages beigetragen – eine tolle Gemeinschaftsleistung.



Was ist aber ein Heimattag ohne seine Besucher? Sie sind es letztendlich, die über das Gelingen eines Heimattages entscheiden. Und es waren viele da, so viele wie noch nie. Es war ein Fest der Begegnung mit viel positiver Resonanz. Das Gemeinschaftsgefühl und die gute Stimmung, die überall herrschte, waren förmlich zu spüren. Ich wage es zu behaupten, dass das Zwischenkokelgebiet in Zusammenarbeit mit den vielen anderen HOGs wesentlich zur zusätzlichen Mobilisierung unserer Landsleute beigetragen hat. Dieses Plus an Besuchern hat nebenbei auch einen positiven Effekt auf die Finanzen, denn dadurch konnten die Kosten gedeckt und es kann dieses Jahr wieder ein großer Anteil an unsere Kultureinrichtungen abgegeben werden. Als Fazit ist festzuhalten, dass eine gute Zusammenarbeit zwischen HOG-Verband und Verband der Siebenbürger Sachsen einen sehr guten Einfluss auf unsere sächsische Gemeinschaft hat.

Zum Schluss möchte ich meiner Frau Gerdi herzlich danken, die mich bei allen organisatorischen Tätigkeiten unterstützt, die Koordination vieler Aufgaben übernommen und entscheidend dazu beigetragen hat, immer den Überblick zu behalten.

Hans Gärtner

Schlagwörter: Heimattag 2015, Zwischenkokelgebiet, Rückblick

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