25. Januar 2001

Hilfsaktion für das Burzenland

"Einen regelrechten Staatsempfang, wie ihn sonst nur hohe politische Würdenträger erleben, bereitete die Gemeinde Petersberg dem Immendinger Martin Brenndörfer und ernannte ihn jetzt kurzerhand zum Ehrenbürger", berichtet der Südkurier. Brenndörfer hatte mit drei anderen Burzenländern ein ausgedientes Mercedes-Feuerwehrauto als Spende der Gemeinde Immendingen nach Petersberg bei Kronstadt gebracht. Als Nächstes strebt Brenndörfer eine Städtepartnerschaft zwischen Immendingen und Petersberg bei Kronstadt an.
Das 29 Jahre alte Löschfahrzeug war eigentlich noch recht gut in Schuss, entsprach aber nicht mehr den Anforderungen des deutschen TÜV (Technischer Überwachungsverein). Deshalb musste sich die Gemeinde Immendingen ein neues Feuerwehrauto anschaffen und beabsichtigte, das alte zu verschrotten. Hier sah jedoch Martin Brenndörfer, 46-jähriger Kraftfahrer beim Bauhof der Gemeinde Immendingen, die Chance für Petersberg. Er setzte sich beim Gemeinderat und Bürgermeister Helmut Mahler ein, damit das Fahrzeug als Spende nach Siebenbürgen kommt. Petersberg, wo der in Kronstadt-Bartholomae geborene Brenndörfer etwa zwölf Jahre gelebt hatte, habe mit seinen 4 000 Einwohnern (davon 170 Deutsche) etwa die Größe von Immendingen, argumentierte der Siebenbürger. Aufgrund fehlender Finanzmittel sei es der Burzenländer Gemeinde nicht möglich, ihre Freiwillige Feuerwehr auf den letzten Stand zu bringen. Bei den in Rumänien geltenden Standards könne das Fahrzeug noch gut eingesetzt werden. Der Gemeinderat von Immendingen beschloss daraufhin, dass das Feuerwehrauto als Spende, "auch als Beitrag zur Völkerverständigung" nach Petersberg bei Kronstadt gehe. Einen beachtlichen Beitrag zur Deckung der Überfahrtskosten spendeten die Siebenbürger Sachsen beim Silvesterball der Kreisgruppe Tuttlingen, deren Vorsitzender Brenndörfer ist.
Am 2. Januar startete der seit zehn Jahren in Immendingen lebende Brenndörfer mit dem Mercedes-Löschwagen. Als Beifahrer stiegen in Stuttgart Detlef Dieners und in Nürnberg Horst Lurtz und Hans Deptner, allesamt Burzenländer, zu. Rund 42 Stunden dauerte die Fahrt und 1 760 Kilometer legten sie dabei zurück. An der Gemeindegrenze von Petersberg wurde das deutsche Feuerwehrauto von einer rumänischen Polizeieskorte erwartet und mit Blaulicht und Sirene ins Dorf geleitet.
Am Dreikönigstag, dem 6. Januar, erfolgte die offizielle Übergabe unter Begrüßung der Petersberger Blasmusik, Vertretern von drei Fernsehanstalten (die deutsche Sendung von TVR sowie RTT und ProTV), Journalisten von deutschen und rumänischen Zeitungen, der Burzenländer Volkstanzgruppe und der griechisch-orthodoxen Geistlichkeit, von der das Fahrzeug geweiht wurde. Die Übergabe gestaltete sich als großes Volksfest, das über zwei Tage dauerte. Bürgermeister Ion Rusu übergab einen Brief an Bürgermeister Mahler, in dem er sich für die großzügige Spende und den Beitrag zur Völkerverständigung und Nächstenliebe bedankte.
Herausragende Resonanz erfuhr die Hilfsaktion auch in bundesdeutschen und rumänischen Medien. So titelte der Südkurier "Staatsempfang für die alte Feuerwehr" und die Kronstädter Tageszeitung Transilvania Expres "Sasii din Sanpetru care au emigrat nu si-au uitat originile" (Die aus Petersberg ausgewanderten Sachsen haben ihre Herkunft nicht vergessen).
Eine beachtliche Spende in Höhe von 1 836 DM überreichte Brenndörfer am 8. Januar in festlichem Rahmen der Burzenländer Volkstanzgrupppe im Forumsgebäude von Kronstadt. Die ganze Tanzgruppe unter der Leitung von Albrecht Klein jun. war in sächsischer Tracht erschienen. Mit dem Geld soll der VW-Kleinbus der Gruppe instandgesetzt werden. Die Spendenaktion sei erfolgreich gewesen, weil sie für eine aktive Tanzgruppe bestimmt sei, die siebenbürgisch-sächsische Traditionen in der alten Heimat am Leben erhalte. Die Spenden gingen seitens der HOG-Regionalgruppe Burzenland (500 DM), der Kreisgruppe Tuttlingen (636 DM), den Heimatortsgemeinschaften Petersberg, Zeiden und Bartholomae (je 200 DM) und der Tanzgruppe Tuttlingen (100 DM) ein. Die Tanzgruppe Tuttlingen wolle die Burzenländer Volkstanzgruppe auch künftig partnerschaftlich unterstützen, erklärte Brenndörfer gegenüber der Siebenbürgischen Zeitung. Neben der Spende überbrachte er den Jugendlichen in Kronstadt auch Noten, CDs und sonstige Materialien.
Als Nächstes strebt Martin Brenndörfer eine Städtepartnerschaft zwischen Immendingen und Petersberg an. Vom 11. bis 21. August 2001 organisiert die Kreisgruppe Immendingen eine Busfahrt nach Siebenbürgen mit Aufenthalt in Petersberg. "Dann haben die Immendinger, die gerne bei der Überführung des Feiuerwehrautos dabei gewesen wären, und auch andere Interessierte die Möglichkeit, die neue Heimat des alten Feuerwehrautos zu besichtigen", erklärte Brenndörfer gegenüber dem Schwarzwälder Boten. Anmeldungen für die Reise nimmt Brenndörfer unter der Rufnummer (0 74 62) 66 50, entgegen.

Siegbert Bruss

Schlagwörter: Siebenbürgenhilfe, Burzenland

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