23. Februar 2021

HOG Felmern: Nachruf auf Georg Welther

Die HOG Felmern trauert mit Familie und Freunden um Georg Welther, ihren ehemaligen Vorsitzenden, der am 28. Januar 2021 im Kreise seiner Familie in Olching verstorben ist.
Am 1. Januar 1931 als fünftes von sechs Kindern des Ehepaares Anna und Johann Welther in Felmern geboren, wurde er schon sehr früh durch harte Schicksalsschläge geprägt. Er war erst zwei Jahre alt, als der Vater verstarb, der krank aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt war. Wegen der prekären wirtschaftlichen Verhältnisse in Siebenbürgen ging die Mutter 1938 nach Deutschland, um Geld zu verdienen, kehrte aber nach kurzer Zeit unverrichteter Dinge zurück, denn der Zweite Weltkrieg war ausgebrochen.
Georg Welther (1931-2021) ...
Georg Welther (1931-2021)
Georgs zweitältester Bruder wurde zum Militär eingezogen und zog in den Krieg; die Schwester wurde 1945 wie viele Siebenbürger zur Zwangsarbeit nach Russland verschleppt. Die daheim gebliebenen Kinder unterstützten die Mutter soweit wie möglich. Aufgrund der Bodenreform verloren aber alle Bauern ihren Grund und waren somit mittellos. Viele junge Menschen aus dem Dorf zogen in die nahegelegene Stadt Fogarasch, um sich weiter ausbilden zu lassen und dort in der Industrie zu arbeiten.

Georg hatte während seines Militärdienstes den Beruf des Maurers erlernt. Nach seiner Rückkehr bekam er eine Anstellung im städtischen Bauunternehmen, wo auch viele Felmerer und andere Sachsen mitarbeiteten. Durch Fleiß, Pflichtbewusstsein, große Fachkenntnisse und Geschick erlangte er hohes Ansehen bei seinen Kollegen. Wenn es notwendig war, wurden auch deutliche Worte gesprochen, etwa wenn es um Ungerechtigkeiten ging, was ihm großen Respekt seitens der Mannschaft einbrachte. Er heiratete 1956 die ebenfalls aus Felmern stammende Maria Schiller. Das Ehepaar bekam zwei Töchter, Ilse und Helmine.

Georgs Mutter entschloss sich zu Beginn der 60er Jahre, zu ihren beiden nach Kriegsende in Deutschland gebliebenen Kindern auszuwandern. Georg mit seiner Familie sollte folgen, allerdings war dies erst 1980, nach 16-jähriger Wartezeit, möglich und so durfte die Familie sich endlich wieder in Deutschland vereinen.

Maria und Georg fanden über bekannte Landsleute gute Anstellungen. In Tutzing, am schönen Starnberger See, arbeiteten sie in einer Arzneimittelfirma, hatten hier viel Freude an der Arbeit und bekamen auch die entsprechende Anerkennung. Auch hier wurde Georg sehr geschätzt, seine Tätigkeit übte er mit hohem Engagement aus, sein liebenswürdiges Auftreten fand sowohl bei Vorgesetzten als auch bei den Kollegen große Anerkennung.

Nach und nach wanderten immer mehr Siebenbürger Sachsen nach Deutschland aus. Georg Welther gründete 1982 zusammen mit anderen ehemaligen Dorfnachbarn aus Felmern eine Heimatortsgemeinschaft, deren Vorsitzender er wurde. Dieses Amt hatte er stolze 24 Jahre lang inne. Die Grundideen der dörflichen Nachbarschaft und des diakonischen Einsatzes für Mitbürger und Landsleute setzte er mit viel Geschick in seiner HOG-Tätigkeit um. Kontaktpflege, Kommunikation, Treffen, Beisammensein, Hilfspaketsendungen nach Siebenbürgen, Teilnahme an den HOG-Tagungen, veranlasst und in aller Bescheidenheit sowie mit viel Einfühlungsvermögen gelenkt vom Vorsitzenden Georg Welther, waren den Mitgliedern seiner HOG ein starkes Bedürfnis, brachten große Zufriedenheit und noch mehr Freude. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde Fogarasch und dank der Spenden der HOG Felmern wurde das Kirchendach des Heimatortes neu gedeckt. Repliken von kirchlichen Fahnen wurden angefertigt und bei allen Felmerer Treffen aufgehängt. Georg Welther war Impulsgeber und Mitwirkender bei der „Chronik der Felmerer“, beim Erfassen vieler Dokumentationen, unter anderem der Liste der in den zwei Weltkriegen gefallenen Soldaten und der nach Russland Deportierten und dort Verstorbenen. Womit die Summe seiner Beiträge angedeutet, aber gewiss nicht vollständig ist. Seinem Vorbild nacheifernd, übernahm 2006 Tochter Ilse dieses Amt und übt es aktuell noch aus.

Mit besonderer Hilfsbereitschaft verhalf der Menschenfreund Georg einigen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ausgewanderten Landsleuten, in Deutschland Fuß zu fassen und in das gleiche Unternehmen einzutreten.

Zum Rentenbeginn zog das Ehepaar Welther ins Eigenheim nach Olching um. Tochter Helmine und Familie wohnen im selben Haus. Georg, der inzwischen stolzer Opa geworden war, widmete sich mit Leib und Seele seinen Enkelkindern. Das erste Enkelkind Florian nannte er liebevoll „Spatzl“ und weil Florian das selbst noch nicht aussprechen konnte, erwiderte er mit „Patzi“. Die nächsten Enkelkinder, Karoline und Alexander, übernahmen diesen Namen liebevoll für den Opa, ja sogar alle ihre Freunde nannten nun Georg auch „Patzi“.

Neben der HOG Felmern zeigte er auch viel Einsatz für seine Kirchengemeinde in Olching, organisatorisch und zupackend, nach Bedarf und Fähigkeiten. Seine Großzügigkeit, unendliche Geduld, seine liebenswerte und ruhige Art hat die große Familie vollkommen gemacht. Ein liebevoller Ehemann, Vater, Opa und Uropa wird immer einen Platz in den Herzen der hinterbliebenen Familie haben, in deren Erinnerungen er als leuchtendes Vorbild weiterlebt. Ebenso und aus ähnlichen Gründen wird er seinen Landsleuten aus dem Geburtsort Felmern sowie den Wohnorten Fogarasch, Tutzing, Olching und der jeweiligen Umgebung in Erinnerung bleiben. Er ruhe in Frieden. In Liebe und Dankbarkeit

Ilse Welther, Vorsitzende der HOG Felmern

Schlagwörter: Felmern, HOG, Nachruf, Welther

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