11. August 2018

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Dekan i. R. Hermann Schuller wird 80

Lieber Hermann, am 11. August dieses Jahres erfüllst Du Dein 80. Lebensjahr. Im Namen der Gemeinschaft evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD – Hilfskomitee wie auch persönlich möchte ich Dir dazu unsere herzlichen Segenswünsche aussprechen.
Du kannst gemeinsam mit Deiner lieben Ehegefährtin Traute sowie mit Euren vier Kindern und sieben Enkelkindern auf ein langes, erfahrungsreiches und erfülltes Leben und ein gesegnetes Wirken in unserer Heimatkirche, in der EKD und auch in unserer ›Gemeinschaft‹ als Pfarrer und Dekan und als langjähriger Vorstandsvorsitzender zurückblicken. Das ist Anlass zu großer Dankbarkeit und Freude.

Deine Kindheit stand unter dem Schatten des Kreuzes. Sie fiel in die für unser Volk und unsere Heimatkirche so verhängnisvollen Kriegs- und die leidvollen, entbehrungsreichen Nachkriegsjahre der Enteignungen, Benachteiligungen und Verfolgungen.

Dein Vater war zum rumänischen Militärdienst, Deine beiden älteren Brüder 1943 zur Waffen-SS eingezogen worden. Der älteste fiel schon wenige Monate später, der jüngere wurde schwer verletzt, aber er überlebte und konnte erst nach vielen Jahren zu Besuch kommen. Obwohl Du noch ein Kind warst, wurdest Du die Stütze Deiner leidgeprüften Mutter, zumal Deine Schwester zum Wiederaufbau in die Sowjetunion verschleppt wurde.

Du erinnerst Dich an das große und langanhaltende Heimweh, das Du hattest, als Du in Mediasch die deutsche Oberstufe ab der 5. Klasse besuchtest und bei Deiner Tante wohntest, die ihre zwei Söhne auch im Krieg verloren hatte. So hast Du in Deiner Kindheit, wie viele andere auch, Entbehrung und Trauer und den Schmerz der Nachkriegszeit geradezu täglich mit erfahren.

Wer aber das Kreuz annimmt, für den wird es zur Quelle der Kraft und des Segens, wie Du es in Deinem Leben immer wieder erfahren solltest. Du hast das Kreuz nicht nur angenommen, sondern bist selbst Verkündiger des „Wortes vom Kreuz“ (I. Korinther 1,18) geworden.

Der Kindergottesdienst in Mediasch, der Konfirmandenunterricht und die Konfirmation in Deiner Heimatgemeinde Arbegen durch Prof. Ludwig Binder wie auch der entsprechende Wunsch Deiner Mutter bestimmten Dich, nach dem Ablegen der Matura (Abitur) mit nur 17 Jahren das Theologiestudium zu beginnen und Pfarrer zu werden. Damit im Zusammenhang steht der für Dich wichtig gewordene Spruch Psalm 26,8: Herr, ich habe lieb die Stätte Deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnet. Mit nur 21 Jahren hast Du das Examen bestanden und wurdest 1960 ordiniert.Dekan i. R. Hermann Schuller ...Dekan i. R. Hermann Schuller Prägend für Dich und Dein Verständnis von Kirche wurde Dein Dienst in unserer Heimatkirche. Dein Vikariat machtest Du in Meschen und dann in Kleinalisch. Hier lerntest Du auch Deine spätere Ehefrau Traute, geborene Schell, kennen. Als Pfarrer in Martinsdorf, mit langjährigen Vertretungen in Mardisch/Rosch und später Frauendorf durftest Du die besten Jahre des wieder erstandenen und erstarkten sächsischen kirchlichen Lebens samt vieler Traditionen erleben und mitgestalten – trotz der allgegenwärtigen Einschränkungen, Überwachungen, Einschüchterungen, Bedrohungen und Verhaftungen durch das nationalkommunistische Regime und besonders seiner „Securitate“. Das war noch bevor dann die Ausreisewelle mit ihren verheerenden Auswirkungen einsetzte ...

Es war Eure nach schwerem Ringen gemeinsam getroffene Entscheidung, dass Deine Frau nach der ärztlichen Behandlung Eurer ältesten Tochter mit ihr in Deutschland blieb. Die zwei Jahre bis zu Deiner Ausreise waren eine Zeit großer seelischer Belastung mit drei Kindern und Deinem hilfsbedürftigen Vater, für die Du neben Deinem Dienst in der Gemeinde da sein musstest.

Vor ganz neue Herausforderungen sahst Du Dich nach Deiner Ausreise nach Deutschland 1980 gestellt. Obwohl Dir Bischof Albert Klein sein Einverständnis für die Übernahme in den geistlichen Dienst der EKD verweigert hatte, wurdest Du zunächst Pfarrer i. A. in Singen-Hohentwiel und zwei Jahre später Pfarrer an der Philippuskirche in Mannheim. Weitere neue Aufgaben warteten auf Dich als Prodekan im Kirchenbezirk Mannheim und als Lehrpfarrer der Badischen Landeskirche. 1995 erfolgte Deine Wahl zum Dekan im Kirchenbezirk Oberheidelberg. 2003 wurdest Du schließlich in den Ruhestand verabschiedet, bist aber noch weiterhin in Vertretungsdiensten aktiv geblieben.

Es war Dein Herzensanliegen, neben allen diesen beruflichen Verpflichtungen Deine Zeit und Kräfte auch für unsere hier in Deutschland lebenden Landsleute tatkräftig einzusetzen. Ab 1983 warst Du Mitglied im Vorstand der Kreisgruppe Mannheim und zugleich auch Vorstandsmitglied des ›Hilfskomitees‹, wie die Gemeinschaft evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD bis 2011 hieß. 10 Jahre lang warst Du Vorsitzender der Siebenbürgischen ›Pfarrgemeinschaft‹ und hast dafür gekämpft, dass aus Siebenbürgen ausgewanderte Pfarrer in den geistlichen Dienst der EKD übernommen werden. Du hast Dich um sie gekümmert, sie begleitet und auch seelsorgerlich betreut.

Von 2005 bis 2015 hast Du als Vorsitzender, gemeinsam mit dem Vorstand der ›Gemeinschaft‹, alles getan, was möglich war, unseren aus der Heimatkirche ausgewanderten Gemeindegliedern bei ihrer Eingliederung in die hiesige Kirche und Gesellschaft durch sozialen, geistlichen und seelsorgerlichen Beistand behilflich zu sein. Dazu gehörten auch alle Bemühungen, das mitgebrachte und kulturelle Erbe auf vielfache Weise zu pflegen und unter den neuen Gegebenheiten weiterzuentwickeln und an die folgenden Generationen weiterzugeben.

Du hast Dich beharrlich dafür eingesetzt, dass die ›Gemeinschaft‹ sowohl vom Verband und den anderen siebenbürgischen Institutionen als auch von der weiteren Öffentlichkeit mit ihren Anliegen und Zielen wahrgenommen wird. Dazu zählt neben vielen Kontakten, Gesprächen und öffentlichen Auftritten im Besonderen die Redaktion der eigenen Beilage Kirche und Heimat in der Siebenbürgischen Zeitung, von 2007 bis 2016 die Herausgabe des Haus- und Jahrbuches sowie das Ausrichten des im zweijährigen Turnus stattfindenden Siebenbürgischen Kirchentages.

Ein besonderes Anliegen war und ist dir die Verbundenheit mit unserer Heimatkirche, der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, und solidarisch Anteil zu nehmen an ihrem Ergehen, sie auf vielfältige Weise zu unterstützen und die ehemals belasteten Beziehungen auszubauen.

Zu Deiner reichhaltigen Tätigkeit zählt auch Dein langjähriges ökumenisches Mitwirken in der Evangelischen Konferenz für Mittel und Osteuropa (EKMOE) sowie im Ostkirchenkonvent in Hannover.

Leitend war Dir in Deinem ganzen Wirken Dein Verständnis von Kirche als communio, als lebendiger und tragender Gemeinschaft, wie wir es in unserem Theologiestudium und in unserer Heimatkirche erlebt haben. In Anerkennung und Würdigung all dessen, was Du für unsere Gemeinschaft geleistet hast, hat sie Dich zu ihrem Ehrenvorsitzenden gewählt.

Für Dein ganzes bisheriges langjähriges, großes, von Herzen kommendes Engagement für unsere ganze Gemeinschaft danke ich im Namen des Vorstandes Dir und Deiner lieben Ehegattin, die Dich darin selbstlos unterstützt hat, ganz herzlich. Zugleich freuen wir uns und danken Dir, dass Du auch weiterhin bereit bist, Deine Zeit und Kräfte für die Belange unserer Gemeinschaft und Kirche segensreich einzusetzen.

Möge unser Herrgott Dein reiches Wirken segnen und Dir und Deinen Lieben auch weiterhin seinen Segen, Kraft und Freude, Gesundheit und ein langes Leben schenken.

Gott erhault Dich.

Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Berthold Köber, Pfr. i. R.

Schlagwörter: Kirche und Heimat, Porträt, Geburtstag, Pfarrer, Schuller

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