15. März 2019

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Vorbildlicher Einsatz für die Gemeinschaft: Langjähriger Vorsitzender Ernst Georg Schmidts starb in Heilbronn

Am 18. Februar 2019 ist der langjährige Vorsitzende der Kreisgruppe Heilbronn, Ernst Georg Schmidts, im Alter von 88 Jahren in seinem Haus in Heilbronn-Frankenbach für immer von uns gegangen. „Wenn ihr an mich denkt, seid nicht traurig,/ sondern habt den Mut, von mir zu erzählen./ Lasst mir einen Platz zwischen euch,/ so wie ich ihn im Leben hatte.“
Ernst Schmidts hatte einen Platz im Leben, er hatte einen Platz in seiner lieben privaten Familie aber auch einen besonderen Platz in unserer großen siebenbürgisch-sächsischen Familie, einer Gemeinschaft, mit der er sich schon immer sehr verbunden gefühlt hat.

Am 2. Dezember 1930 in Weidenbach in Siebenbürgen geboren, wanderte er 1970 nach Deutschland aus und ließ sich in Heilbronn nieder. Im selben Jahr wurden Ilse und Ernst Schmidts Mitglied in der Landsmannschaft und Ernst fand sich schon bald im Vorstand unserer Kreisgruppe ein. Ein besonders langer, aktiver Weg sollte hier vor ihm liegen, denn 1975 übernahm er von seinem Vorgänger und Freund Erwin Etter den Vorsitz der Kreisgruppe Heilbronn, den er 26 Jahre lang innehatte, also knapp die Hälfte ihrer bisherigen Geschichte. Dabei erfüllte er sein Amt und seine Aufgaben stets mit viel Freude, persönlicher Hingabe und mustergültigem Verantwortungsbewusstsein. Ernst Schmidts mit seiner Enkeltochter Julia ...Ernst Schmidts mit seiner Enkeltochter Julia Pfahl vor dem Honterusdenkmal in Kronstadt, 2011. Eines seiner Steckenpferde war der Chor der Siebenbürger Sachsen. Gemeinsam mit Luise Markus und Helmut Müller mobilisierte er eine Gruppe sangesfreudiger Landsleute mit dem Ziel, siebenbürgisch-sächsisches Liedgut in der neuen Heimat weiter zu pflegen, vor allem aber auch den Landsleuten in der schwierigen Anfangssituation nach der Umsiedlung Geborgenheit in der Gemeinschaft zu ermöglichen. Dieser Entschluss war die Geburtsstunde des bald 41-jährigen Liederkranzes der Siebenbürger Sachsen Heilbronn, welchem Ernst Schmidts bis zum Ende treu geblieben ist. Im Januar noch wohnte er, trotz hohen Kraftaufwands, den Chorproben und auch der Neujahrsfeier des Kreisgruppenvorstands bei.

So wie wir alle hatten auch seine Sangesfreunde über die Jahre hinweg wiederholt die Gelegenheit, seine menschliche, freundliche Art, seine Energie, Hilfsbereitschaft und vor allem seine ruhige, immer ausgleichende und tolerante Haltung kennen und schätzen zu lernen.

Nach den Höhepunkten seiner landsmannschaftlichen Tätigkeit befragt, stellte Ernst Schmidts in einem Interview anlässlich seines 80. Geburtstags ohne zu zögern fest: „Die Bauernhochzeit in Siebenbürgen“, das von Hannover bis Rosenheim 25 Mal aufgeführte Singspiel, mit dem die Kreisgruppe Heilbronn seinerzeit siebenbürgisch-sächsische Kulturgeschichte schrieb.

Möglich war diese besondere Leistung nur durch Vereinsmitglieder mit ausgeprägter Liebe zu Heimat, Gemeinschaft und Tradition sowie fast grenzenloser und selbstloser Energie. Ilse und Ernst Schmidts gehörten dabei in die allererste Reihe. Ohne ihre Initiative und ihren gemeinsamen Einsatz wäre dieses Projekt nicht denkbar gewesen. Sie waren immer dabei, waren der Motor dieses Unternehmens und scheuten keine Mühe. Ilse Schmidts erstellte in unermüdlicher liebevoller Arbeit die beeindruckende Bühnenausstattung, aufwändige detailgetreue Requisiten und Kulissen und fertigte zahlreiche Trachtenteile. Ernst ging mit gutem Beispiel, auch physisch zupackend, voran, zog im Hintergrund die organisatorischen Fäden und hielt das komplizierte Gefüge der älteren und jüngeren Kulturgruppen mit diplomatischer Wertschätzung und erfahrenem Gespür zusammen.

Er war seit jeher überzeugt davon, dass die jungen Siebenbürger Sachsen, als Deutsche siebenbürgischer Abstammung, den Wunsch hegten, bei voller beruflicher und gesellschaftlicher Integration in ihrer Freizeit ihren Wurzeln nachzuspüren, um zu wissen, woher sie bzw. ihre Vorfahren kommen, und dabei deren Traditionen am Leben erhalten, sie lieben und pflegen würden. In Heilbronn hat er selbst den Grundstein für diese Entwicklung gelegt. Die Verleihung mehrerer Urkunden sowie des Goldenen Ehrenwappens und nicht zuletzt die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden der Kreisgruppe Heilbronn zeugen von der Anerkennung und Würdigung seiner außergewöhnlichen Leistungen für unseren Verband.

Die Kreisgruppe und der Liederkranz der Siebenbürger Sachsen Heilbronn trauern mit seiner Familie um Ernst Schmidts, ein treues Mitglied unserer Gemeinschaft, einen Mann beispielhaften Verhaltens, einen hochgeschätzten Mentor und Kollegen. Wir werden ihm seinen Platz in unserer Mitte in würdevoller und dankbarer Erinnerung bewahren. Die Kreisgruppe Heilbronn verneigt sich vor ihrem Ehrenvorsitzenden Ernst Schmidts.

Ines Wenzel

Trauerrede der Enkeltochter: "In jeglicher Hinsicht ein ganz großes Vorbild"

Die Beerdigung von Ernst Schmidts fand am 22. Februar 2019 in Heilbronn-Frankenbach statt. Rund 150 Trauergäste nahmen daran teil. Seine Enkeltochter Julia Pfahl hielt eine beeindruckende Trauerrede, die im Folgenden im Wortlaut wiedergegeben wird.

Liebe Oma, liebe Familie und Freunde! Es berührt mich sehr zu sehen, wie viele Menschen sich heute auf den Weg gemacht haben, um meinem Großvater die letzte Ehre zu erweisen. Vor acht Jahren hatte ich das große Glück ihn auf eine Reise nach Siebenbürgen begleiten zu dürfen. Gerne möchte ich heute mit euch eine meiner Erinnerungen aus meinem Tagebuch teilen (Kronstadt, den 15. September 2011):

„Heute war ein unglaublicher Tag. Opa ist mit mir zum 21. Sachsentreffen nach Kronstadt gefahren. Wir haben ein tolles Paar hergemacht. Das Fest hat vor der Schwarzen Kirche mit einem Orchester begonnen, die meisten Anwesenden trugen ihre Tracht. Opa erzählte mir, dass viele davon noch aus der Stickerei meiner Großmutter und Urgroßmutter stammen- er erkenne sie sofort an ihren ganz speziellen Mustern. Nach dem Gottesdienst sind wir mit seiner Schwester Liese und Brenzi nach Weidenbach gefahren. Die vergangenen Jahre habe ich mir so viele Geschichten von diesem Ort angehört - ich kann es kaum erwarten, ihn endlich zu sehen.

Doch mein Opa hat mich schon vorgewarnt, dass die Jahre ihre Spuren hinterlassen haben, und wie Recht er behält: Das Haus ist alt und heruntergekommen, über den Hof erreichen wir einen riesigen verwilderten Garten. Opa gibt sein Bestes mit seinen Erzählungen diesem nun recht trostlosen Ort wieder Farbe zu verleihen. Während wir inmitten dieses verlassenen Paradieses stehen, erklärt er mir, wie der Alltag in diesem riesigen Bauernhof ausgesehen hat, wo seine geliebten Traktoren standen, wo er als kleiner Junge gespielt hat. Ich schließe die Augen und lausche seinen Worten. Opa tut sich schwer, immer wieder kämpft er mit den Tränen. ‚Julchen‘, sagt er zu mir, ‚du kannst dir nicht ausmalen, wie schön wir es damals hatten. Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt - unbeschreiblich.‘“

Ich bin meinem Opa von Herzen dankbar, dass er mich auf diese Reise mitgenommen hat. Eine Reise in seine Vergangenheit, eine Reise in seine alte Heimat. Er zeigte in diesen Tagen wirklich vollen Einsatz: Da ließ er es sich auch nicht nehmen, mit seinem Charme und ein paar Lei den Nachtwächter in Tartlau zu bestechen, damit er mir die einzigartige Kirchenburg von innen zeigen kann. In Schäßburg stieg er mit seinen damals stolzen 80 Jahren die Studententreppe empor und suchte in Mediasch so lange, bis wir die besten Mici in ganz Siebenbürgen gefunden hatten.

Und so wie er sich in dieser einen Woche liebevoll um mich gekümmert hat, so standen er und Oma uns auch unser ganzes Leben unterstützend zur Seite. Bei ihnen waren wir jederzeit willkommen. Früher haben Oma und Opa mit uns ganze Wochenenden lang gespielt, uns durch ihren wundervollen Garten getragen, sie haben uns das Schwimmen beigebracht, uns bei den ersten unsicheren Metern auf Skiern begleitet und mit uns südliche Länder im Wohnmobil bereist.

Ich sehe jetzt noch sein liebenswürdiges Lachen, wenn wir zu ihnen zu Besuch gekommen sind. Die gemeinsame Zeit war immer unbeschwert und herzlich, sie war erfüllt von inspirierenden Gesprächen, Geschichten von früher, aufmunternden Worten und natürlich jeder Menge Mici und Baumstriezel.

Opa hat uns stets dazu motiviert, in der Schule fleißig zu sein und uns auch nach dem Abschluss noch weiter zu bilden. „Wissen ist Macht“, hat er immer gesagt. „Und Bildung ist eine Waffe, gegen die selbst die schlimmsten Diktatoren nichts anrichten können.“ Genauso wie ich diese Worte niemals vergessen werde, trage ich etliche andere Erinnerungen von ihm in mir, die mich mein Leben lang begleiten werden.

Als ich meinen Opa einmal fragte, ob er an ein Leben nach dem Tod glaube, sagte er Folgendes zu mir: „Julchen, ich kann dir nicht sagen, was nach dem Tod passiert. Aber eines weiß ich: Wenn ich eines Tages nicht mehr bin, dann lebe ich durch euch weiter. Indem ihr von mir lernen konntet, werde ich euch immer begleiten können. Mein Wissen, meine Erfahrung, unsere Tradition leben in euch fort, und indem ihr euch an mich erinnert, werde ich auch immer bei euch sein. Das ist für mich das ewige Leben.“

Was bleibt uns nun in dieser Zeit des Abschieds? Es bleibt der Trost zu wissen, dass er nicht lange leiden musste. Dass er mit seinen stolzen 88 Jahren in Würde in seinem eigenen Haus von uns gegangen ist. Ich habe meinen Opa nie klagen hören, sich nie beschweren hören. Wenn ich ihn fragte, wie es ihm geht, hat er meist geantwortet: „So, wie es den alten Leuten nun mal geht. Entweder man stirbt jung, oder man stirbt alt. C´est la vie.“

Er hatte bis zum Schluss den genialen Geist eines Mannes, der sich mit einem weiten und selbstreflektierten Blick den täglichen Themen aus Politik und Wirtschaft stellt. Es bleibt uns der Trost, dass er bis auf die letzten wenigen Tage gemeinsam mit unserer Oma sein Leben gelebt, genossen und gemeistert hat. Als ich im vergangenen Herbst meine Großeltern besucht habe, legte meine Oma gerade einen neuen Weg an, während Opa einen alten Tisch zerlegte. Sie hatten immer viele Freunde um sich und ließen es sich nicht nehmen, regelmäßig gemeinsame Feste zu feiern.

Wer sich in diesem Alter noch um Haus und Garten kümmert, so bewundernswert aktiv ist, wöchentlich schwimmen geht, voller Elan im Chor singt und noch den Willen hat, sich weiterzubilden, der ist mir in jeglicher Hinsicht ein ganz großes Vorbild, und genau das seid ihr Oma und Opa uns auch immer gewesen.

Lasst uns meinen Opa nicht in Vergessenheit geraten. Lasst uns die alten Geschichten auspacken, von längst vergangenen Tagen in Siebenbürgen, von Abenteuern auf erlebnisreichen Reisen, von unbeschwerten Stunden in fernen Ländern. Lasst uns an die gemeinsamen Feste denken und an seine zuvorkommende und offene Gastfreundschaft erinnern. Denn wo immer wir zusammenkommen, da wird auch er einen Platz in unserer Mitte haben. Und so können wir gemeinsam den Erinnerungen immer wieder Farbe verleihen.

Lieber Opa, du fehlst uns sehr. Aber neben der Trauer des Abschieds trage ich vor allem eines in mir: tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit für deine bedingungslose Liebe, für dein Vertrauen in uns und deine Zuversicht. Dankbarkeit dafür, dass du so lange bei uns warst und uns noch so viel mit auf den Weg geben konntest. Dass du uns stets ein Vorbild warst, mit deinem Fleiß, deiner Lebensfreude und deiner Weisheit. Das, was du bist, wird bleiben, und auch, wenn wir dich nicht mehr sehen können, wirst du deinen Platz in unseren Herzen für immer behalten.

Julia Pfahl

Schlagwörter: Verbandsleben, Nachruf, Heilbronn, Weidenbach

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