1. Februar 2021

Fachlich und menschlich ein großer Gewinn: Interview mit Victoria Knight über ihr Praktikum bei der Siebenbürgischen Zeitung

Victoria Knight, 21 Jahre alt, hat im Sommer 2020 ihren Bachelor of Arts im Kreativen Schreiben und Verlagswesen an der Bath Spa Universität in England absolviert. Von Oktober bis Dezember 2020 erweiterte sie ihre Fachkenntnisse in einem zweimonatigen Praktikum bei der Siebenbürgischen Zeitung in München. Zugleich war es für sie eine gute Gelegenheit, ihre siebenbürgisch-sächsischen Wurzeln zu pflegen. Chefredakteur Siegbert Bruss fragte Victoria Knight, welche Eindrücke und Erfahrungen sie in ihrem Praktikum gesammelt hat.
Victoria Knight am ersten Tag ihres Praktikums ...
Victoria Knight am ersten Tag ihres Praktikums bei der Siebenbürgischen Zeitung. Foto: Siegbert Bruss
Welches war deine Motivation, ein Praktikum bei der Siebenbürgischen Zeitung zu machen?
Meine Motivation entstand dadurch, dass ich an der Bath Spa Universität Kreatives Schrieben und Verlagswesen studiert habe und nach dem Abschluss gerne mehr Erfahrung mit verschiedenen Berufen wie Journalismus sammeln wollte. Auch meine Herkunft spielte eine wichtige Rolle. Mein Vater ist Engländer und ich habe ein ganzes Leben in England gewohnt, doch fühle ich mich auch sehr mit meiner siebenbürgischen Vergangenheit mütterlicherseits verbunden. Die Wurzeln meiner Mutter liegen in Heldsdorf, und sie erzählt oft aus ihrer Kindheit in Kronstadt. Diese Orte durfte ich 2012 zum ersten Mal besuchen. Ich hoffe sehr, dass ich bald mehr Zeit in Siebenbürgen verbringen kann. Durch das Praktikum bei der Siebenbürgischen Zeitung habe ich viel mehr über die siebenbürgische Kultur gelernt, die nicht nur Teil meiner eigenen Geschichte ist, sondern auch zu den „Geschichten“ meiner Familie gehört. Wir haben zu Hause in England auch deutsche und siebenbürgische Traditionen gepflegt, wie zum Beispiel den Besuch von Nikolaus am 6. Dezember.

Welche Einblicke konntest du in die Entstehung der Siebenbürgische Zeitung gewinnen?
Es war für mich sehr interessant zu sehen, wie die Zeitung entsteht. Da ich Verlagswesen an der Universität studiert habe, hatte ich schon ein bisschen Erfahrung mit solchen Prozessen, etwa Redaktion und Layout, aber hier war es spannend, dieses Wissen zu erweitern und auch praktisch anzuwenden. Die von den Mitarbeitern eingegangenen Artikel werden redigiert. Ein Redakteur muss ein gutes Auge für Sprache, Stil und inhaltliche Details haben, damit keine Fehler in der Zeitung gedruckt werden. Die Texte werden zusammen mit Fotos auf den Zeitungsseiten gestaltet. Es ist kaum zu fassen, wie viel Arbeit in so einem Prozess steckt, bis man es nicht mit den eigenen Augen gesehen hat. Auch die Kommunikation und Vernetzung zwischen ehrenamtlichen Mitarbeitern, der Redaktion und Druckerei müssen wie ein Uhrwerk aufeinander abgestimmt sein, um tadellos zu funktionieren. Mir hat es auch sehr gefallen, an der Erstellung des Layouts mitzuwirken, wobei QuarkXpress verwendet wurde. Es ist wie ein sehr kompliziertes Tetris-Spiel. Am Anfang fand ich es schwierig, aber nach kurzer Einarbeitung machte es mir viel Spaß, Bilder und Texte zu einer ganzen Zeitungsseite zusammenzufügen. Ich war auch sehr beeindruckt, als ich meinen eigenen Bericht in der gedruckten Zeitung gesehen habe. Ein Papier in der Hand zu halten und den eigenen Name zu lesen, ist eine sehr coole Erfahrung.

Du hast viele Interviews mit Vertretern der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD) geführt. Welches sind die Anliegen und Pläne der jungen Leute?
Es hat mich sehr gefreut, Interviews mit SJD-Jugendleitern zu führen, weil ich selber bei so etwas leider noch nicht mitgemacht habe. Ich finde es unheimlich interessant, wie sich die Jugendleiter für die siebenbürgische Kultur einsetzen. Nach meiner Ansicht sind die SJD-Mitglieder gut organisiert, das haben sie auch in einem komplizierten Jahr gezeigt. Viele traditionelle und geliebte Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Heimattag in Dinkelsbühl und die vielen Bälle, mussten wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Aber die SJD-Vertreter haben ihre Mitglieder nicht im Stich gelassen. Über soziale Medien wie Instagram und Facebook haben sie den Kontakt zu ihnen gut gepflegt. Auch Online-Veranstaltungen wie der Digitale Heimattag haben die Stimmung des vergangenen Jahres ein bisschen gehoben. Sie wollen sich in der Zeit nach Corona wieder treffen und den Spaß und das Abenteuer nachholen.
Die SJD-Jugendleiter setzten sich dafür ein, ihre siebenbürgischen Wurzeln zu stärken, auch wenn sie nicht mehr in Siebenbürgen geboren sind wie ihre Vorfahren. Mit diesem Anliegen habe ich mich besonders identifiziert. Die SJD-Interviews haben mich inspiriert, mich mehr mit der siebenbürgisch-sächsischen Kultur zu befassen.

Was ist das Besondere an einem Praktikum bei der Siebenbürgischen Zeitung?
Das Besondere für mich bestand darin, dass ich mehr Erfahrung mit dem Schreiben und den journalistischen Prozessen sammeln konnte. Dabei konnte ich auch mehr über eine Kultur erfahren, die in der großen Öffentlichkeit leider eher nur am Rande wahrgenommen wird. So fühlte ich mich stark mit dem verbunden, worüber ich schrieb. Ich wurde auch von den Mitarbeitern der Zeitung inspiriert, die alle als Team zusammenarbeiten, um Nachrichten und Kultur in die breite siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft zu bringen. Selbst während meiner kurzen Zeit dort fühlte ich mich als wertvolles Mitglied des Zeitungsteams und der Bundesgeschäftsstelle des Verbandes. Ich würde ein Praktikum bei der Siebenbürgischen Zeitung jedem siebenbürgisch-sächsischen jungen Erwachsenen empfehlen, der verschiedene Bereiche der journalistischen Karriere erkunden will, einschließlich Redaktion, Schreiben, Interviews führen, Design und Layout. Eine solche Erfahrung sieht nicht nur bei zukünftigen Bewerbungen gut aus, sondern es hat mir auch mehr Selbstvertrauen gegeben. Ich bin sehr dankbar, dass mir diese Gelegenheit gegeben wurde, und möchte den Mitarbeitern der Siebenbürgischen Zeitung und des Verbands meinen Dank dafür aussprechen.

Vicky, wir bedanken uns für deine begeisterte Mitarbeit in der Redaktion. Du hast unsere Zeitung sehr bereichert. Viel Erfolg auf deinem weiteren Weg!

Schlagwörter: Jugend, SJD, Praktikum, Siebenbürgische Zeitung

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