12. Dezember 2006

Horst Peter Hann: Ein Überzeugungstäter in Sachen Geologie

Ein wissenschaftliches Festkolloquium zu Ehren des aus Hermannstadt stammenden Dr. Horst Peter Hann fand am 9. Dezember an der Universität Tübingen statt. Anlass der Feier war sein 65. Geburtstag und das offizielle Ausscheiden aus dem Dienst der geologischen Forschung. Wissenschaftliche Weggefährten aus nunmehr 40 Berufsjahren waren auf Einladung des langjährigen Freundes und Arbeitskollegen Prof. Dr. Wolfgang Frisch, Lehrstuhlinhaber für Geodynamik am Institut für Geologie der Universität Tübingen, aus Rumänien, Deutschland, Österreich, Norwegen und China angereist. Aktuelle Forschungsergebnisse wurden im Laufe des Nachmittags vorgetragen, gefolgt von einem Empfang in passendem Ambiente: dem Paläontologischen Museum des Geologischen Instituts.
Geboren wurde Dr. Horst Peter Hann am 10. Dezember 1941 in Bukarest. Seine Eltern lebten berufsbedingt in der rumänischen Hauptstadt. Schon früh jedoch (1944) zog es ihn in die Heimat seiner Eltern, nach Hermannstadt zurück. In seiner Kindheit und Jugend verbrachte er viel Zeit im Geburtsort seines Vaters, Michelsberg, direkt unterhalb der steil aufragenden Karpatenmassive. Diese Berge haben ihn wohl so beeindruckt, dass er sich später entschied, sie wissenschaftlich zu ergründen. Seine Faszination für Gesteine und die Geschichten, die diese offenbaren können, blieb ihm bis heute erhalten. 1959 absolvierte er das Brukenthal-Lyzeum mit Matura, besuchte danach die Technische Schule für Geologie in Bukarest und studierte Geologie an der Bukarester Universität, wo er auch promovierte.

Dr. Horst Peter Hann: eine seiner Lieblingsbeschäftigungen, das Mikroskopieren.
Dr. Horst Peter Hann: eine seiner Lieblingsbeschäftigungen, das Mikroskopieren.
Am Institut für Geologie und Geophysik wirkte er bis zu seiner Aussiedlung nach Deutschland (1993). Es war wohl die wissenschaftlich fruchtbarste Zeit seines Lebens. Selbst die wirtschaftlichen Umstände, aber auch schmerzliche persönliche Verluste konnten seinen Forscherdrang nicht bändigen. Viel Kraft und Unterstützung schöpfte er vor allem von seinen beiden Töchtern, aber sicher auch von Arbeitskollegen und früheren Schulfreunden. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und ein von der Rumänischen Akademie der Wissenschaften preisgekröntes Fachbuch über die Pegmatite der Südkarpaten sind wohl ein Zeichen dafür, dass hier eine Passion – die Geologie – ausgelebt wurde. Hann stellte vor allem die Südkarpaten in den Mittelpunkt seiner Forschungen. An den kristallinen Gesteinen las er förmlich den Bau und die Entstehung dieses Gebirges ab. Das sich tief ins Gebirge einschneidende Alttal, mit seinen zahlreichen Nebentälern, offenbarte ihm den Ablauf der Gebirgsbildung (Orogenese). Dr. Horst Hann kam zu neuen Erkenntnissen bezüglich der Deckenstrukturen und deren geometrischer Raumanordnung. Im Fogarascher und Zibin-Lotru Gebirge kennt er jeden entlegenen Flecken. Aber auch weiter westlich gelegene Gebirgsmassive der Südkarpaten (Muntele Mic-Tarcu) untersuchte er petrogenetisch unter anderem im Rahmen seiner Doktorarbeit. In den Banater Bergen arbeitete er mit dem späteren Staatspräsidenten Rumäniens, Prof. Dr. Emil Constantinescu, zusammen, der damals an der Geologischen Fakultät der Bukarester Universität tätig war.

Sein Wissen konnte Dr. Hann in seinem neuen Forschungsteam in der Bundesrepublik nahtlos verwerten und ausbauen. Nach seiner Ausreise im Jahre 1993 fand er sehr bald eine Anstellung am Geologischen Institut der Universität Tübingen. Neben seinen Lehraufträgen arbeitete er zunächst an einem Forschungsprojekt, das mit modernen Methoden die Kinematik der Entstehung des Karpatenbogens erklären sollte. Das Projekt wurde 1995 erfolgreich abgeschlossen. Trotz hohen wissenschaftlichen Interesses wurde die Arbeit nicht fortgesetzt. Der rumänische Staat mit seinen immer noch aktiven denunziatorischen Untergrundhelfern zeigte, dass auch fünf Jahre nach dem politischen Wechsel vieles beim Alten geblieben war. Diese unerwünschte, aber – im Nachhinein betrachtet – auch glückliche Fügung, zwang Dr. Hann, sich neuen Forschungsgebieten zu widmen. So ließ Dr. Hann vor allem den Schwarzwald mit seinen Gneisen und Graniten in einem neuen – geologischen – Licht erscheinen. Er beschrieb erstmals den tektonischen Deckenbau. Jahrelange petrochemische, geochemische, mikropaläontologische und strukturgeologische Untersuchungen konnten belegen, dass der Schwarzwald vor rund 300 Millionen Jahren durch die Schließung eines Ozeans und den Zusammenprall zweier tektonischer Platten gebildet wurde. Inzwischen ist Horst (Dr.) Hann einer von wenigen Fachleuten für Kristallingeologie in Süddeutschland. Ende dieses Jahres wird er offiziell in Ruhestand gehen. Jedoch wartet jetzt schon neue Arbeit auf ihn. Er wurde mit den Untersuchungen der tieferen Gesteinseinheiten an einer Bohrung zur Erzeugung von Energie aus Erdwärme in Süddeutschland betraut.

Horst Hann lernte ich in den entlegenen Bergen der Insel Korsika kennen. Damals, vor rund zehn Jahren, betreute er Geländearbeiten, an denen ich als Geologie-Student teilnahm. Man muss schon zugeben, dass es nicht alltäglich ist, wenn sich zwei Siebenbürger Sachsen irgendwo in den abgelegensten Bergen einer Mittelmeerinsel treffen. Schon ziemlich schnell war mit klar, dass dieser Mann ein Überzeugungstäter ist: Für ihn ist die Wissenschaft ein Lebenselixier. In den darauf folgenden Jahren war er mir ein Freund, Mentor und wissenschaftlicher Ratgeber. Insbesondere stand er mir mit Rat und Tat zur Seite, als ich mich für Diplom- und Doktorarbeit in dem rumänischen Apuseni-Gebirge entschied. In diesen Jahren stellte ich fest, dass ihn, neben den zahlreichen Kindheits- und Jugendfreunden aus Siebenbürgen, enge Beziehungen zu einem großen Kreis wissenschaftlicher Kollegen verband. Neben den am Festkolloquium in Tübingen Anwesenden sind Nicolae Gherasi (1903-1994), Dr. Hans-Georg Kräutner und der Schweizer Professor Albert Streckeisen (1900-1997) zu erwähnen. Letzterer ist einer der weltweit bekanntesten Geologen, mit dem Dr. Hann bis zu dessen Tod befreundet war.

Sein ausgesprochen gutes Verhältnis zu Studenten, ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass er die Gabe hat, mit viel Ruhe selbst komplizierte Zusammenhänge verständlich zu erklären. Zahlreiche seiner früheren und jetzigen Studenten kamen zum Festkolloquium.

Dr. Horst Hann ist Autor zahlreicher geologischer Karten und weist beinahe 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen über Eklogite, Pegmatite, Augengneise, Lithostratigraphie und Tektonik sowie über die geodynamische Entwicklung kristalliner Massive vor. Zudem sind zahlreiche von ihm betreute Diplom- und Doktorarbeiten zu erwähnen. Das ist sicher nur eine Momentaufnahme. Denn wer ihn kennt, weiß, dass er sobald nicht aufhören wird.

Schlagwörter: Geologie, Wissenschaft, Porträt

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