15. Juli 2007

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Beatrix Binder über ihren Romanerstling "Die gläserne Falle"

Dem Chefkontroller eines modernen Dienstleistungsunternehmens in Karlsruhe wird ein tödlicher Medikamentencocktail kredenzt. Ein vertrackter Fall für Benita Barth. Der ermittelnden Kripo-Hauptkommissarin machen obendrein Turbulenzen in ihrem Privatleben mächtig zu schaffen. „Die gläserne Falle“, ein Rätselkrimi mit überraschendem Ausgang, ist der erste Roman von Beatrix Binder. Im Hauptberuf ist die gebürtige Hermannstädterin als Managementassistentin bei einer großen Bank in Frankfurt, ihrem Wohnort, tätig. Binders nächster Roman soll in Siebenbürgen spielen. In dem folgenden Gespräch mit Christian Schoger gewährt die Autorin Einblick in ihre schriftstellerische Tätigkeit, die sie an den Ort ihrer Kindheit und Jugend zurück gebracht hat.
Frau Binder, Sie haben Ihren zweiten Roman in Angriff genommen. Kürzlich waren Sie in Zürich. Zu Recherchezwecken?

Nein. Mein Zürich-Aufenthalt hat Tradition. Jedes Jahr verbringe ich dort einige Tage. Hier finde ich Ruhe und Abstand, um Figuren und Charaktere auszuarbeiten.

Schreiben Sie wieder einen Krimi?

Es wird keine professionelle Ermittlerin geben. Es geht um eine Journalistin, die den Tod eines Freundes aufdeckt. Die Handlung wird in Siebenbürgen angelegt sein, in Hermannstadt, Haschagen. Als ich im April in Hermannstadt eine Lesung hatte, habe ich an den Stätten recherchiert.

Kennen Sie Karl-Heinz Brenndörfers Buch „Tatort Burzenland. Von Kriminalfällen und sonstigen Katastrophen“? Eventuell eine Fundgrube für Sie.

Nein, kenne ich nicht. Ich habe aber zu dem Thema „Deutsche in Siebenbürgen“ bereits meine Großeltern viele Stunden interviewt und gutes Material gesammelt. Diese historischen Aspekte werden in meinem zweiten Roman auch eine Rolle spielen, in Form einer Rückblende.

Als Managementassistentin bei einer großen Bank in Frankfurt sind Sie beruflich voll ausgelastet. Da ist es sicher nicht leicht, Zeit für die schriftstellerische Tätigkeit zu finden?

Es kommt nur darauf an, wem oder was ich in meiner Freizeit Priorität eins, zwei etc. einräume. Das Schreiben steht für mich ganz oben und ich diszipliniere mich, indem ich mir zwei bis drei Abende die Woche dafür frei halte und mich an den Schreibtisch setze. Egal ob mich die Muse geküsst hat oder nicht.

Beatrix Binder: Ihr nächster Roman spielt in ...Beatrix Binder: Ihr nächster Roman spielt in Siebenbürgen. Hauptkommissarin Benita Barth ermittelt bei der Kripo Karlsruhe zusammen mit ihrem Kollegen Benesch in einem Mordfall in einem Dienstleistungsunternehmen. Es geht um Wirtschaftskriminalität. Sie haben beruflich eben dieses Business-Milieu von innen kennen gelernt. Wie realistisch haben Sie die Story angelegt?

Realistisch insofern als der Rahmen da ist. Der Plot an sich ist aber fiktiv.

Wurden Sie persönlich in ihrem beruflichen Werdegang schon mit Formen von Wirtschaftskriminalität, wie sie sich in Ihrem Roman ereignen, konfrontiert? Sie können von Ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen.

Und selbst wenn, würde ich jetzt mit Nein antworten. (lacht) Meine Kenntnisse bezog ich aus meiner Medienrecherche. Natürlich habe ich auch Gespräche mit Spezialisten geführt, sei es mit Bankern in Zürich über Geldwäsche, mit Kripobeamten oder Pathologen.

Welcher Kriminalroman fasziniert Sie besonders?

Davon abgesehen, dass ich keine wirkliche Krimi-Leserin bin, fiel mir vor Jahren das Buch „Denn am Sabbat sollst du ruhen“ von der israelischen Schriftstellerin Batya Gur in die Hände, das mich sehr faszinierte.

„Benita hasst diese Welt rücksichtsloser Karrierekämpfe, Machtkämpfe, verlorener Kämpfe.“ (Roman-Zitat) Wie viel Beatrix steckt in Benita?

Auf den ersten Blick kein bisschen in diesem Kontext. Sie müssen bei der Aussage Benitas Familiengeschichte berücksichtigen. Sie kommt aus einer Unternehmerfamilie, in der der Vater ein absoluter Tyrann und Patriarch war. Beatrix hat von Haus aus eine ganz andere Persönlichkeitsstruktur und einen anderen Familienhintergrund. Was ich persönlich zu all diesen Kämpfen zu sagen habe, steht auf einem anderen Blatt.

Aus meiner Sicht sind die Frauen in Ihrem Roman gegenüber den Männern klar die stärkeren, profilierteren Figuren: Benita, Tabea, auch Lea.

Das mag sein. Dass die Frauen so erscheinen, hat die Geschichte mit sich gebracht.

Die Kripobeamtin müsste den Kopf frei haben für den Mordfall, dabei steckt sie persönlich in einem Zwiespalt der Gefühle: Mit einer späteren Verdächtigen (Tabea) macht sie ihre erste lesbische Erfahrung, Ihr Freund Bert hat ihr einen Heiratsantrag gemacht. Sie hat genug mit sich selbst zu tun. Dennoch löst sie den Fall. Eine starke Frau?

Definitiv eine starke Frau, aber eben auch den Irrungen und Wirrungen des Lebens ausgesetzt. Mir war es wichtig, sie nicht als perfekte abgeklärte Kommissarin darzustellen, vielmehr eine Entwicklungsgeschichte dieser berührbaren Frau zu schreiben, die auf der einen Seite mit beiden Beinen im Leben steht, sich aber auf der anderen Seite auch immer wieder verliert, sehr verletzlich und immer noch auf der Suche nach Liebe ist. Lea Faller ist ihr personifizierter Spiegel.

Tatort Büro: Eine Frau ist an den Morden nicht unwesentlich beteiligt. Sind Viagra und Golfschläger gewissermaßen typische Mordwaffen in einer Leistungs- und Spaßgesellschaft?

Na ja, ob es typische Mordwaffen sind, weiß ich nicht. Jedenfalls gehören diese Dinge wohl in die heutige Zeit unserer Gesellschaft. Das Vergiften ist die Mordart der Frauen, die subtilere Art.

War Ihnen beim Schreiben Ihres Rätselkrimis von Anfang an klar, wer der oder die Mörder/in sein würde?

Nein. Erst bei der zweiten Ausarbeitung der Outline, so etwa in der Mitte der Arbeit, habe ich mich festgelegt.

Der Buchtitel lautet „Die gläserne Falle“? Spiegel, Scheiben, hohe Fenstertüren – Glas spielt in dem Buch eine besondere Rolle. Ihre Assoziationen zu Glas?

Reflektierend, durchsichtig, durchschaubar – trotzdem eine Barriere.

War es leicht, einen Verlag zu finden für Ihren Erstlingsroman?

Natürlich nicht. Ich habe einige Manuskripte weggeschickt. Durch ein Arbeitsstipendium des Deutschen Schriftstellerverbandes in Baden-Württemberg lernte ich den Schriftsteller und Lektor Peter Renz kennen. In seinem demand verlag konnte ich den Roman herausbringen.

Haben die gehäuften Druckfehler Ihre Freude über das Erscheinen des Romans getrübt?

Auf jeden Fall. Die Fehler lagen mir schwer im Magen. Zumal die von mir redigierte Endfassung der Fahnen diese Fehler nicht enthielt. Deshalb ist das Buch gerade im Remastering, in der Nachbearbeitung. Die neuen Exemplare werden entsprechend bereinigt sein.

Wie wurde Ihr Roman in der Presse rezipiert?

Es gab ermunternde Rezensionen. Das Buch wurde als sehr spannend beurteilt. Der Roman böte Stoff für eine Verfilmung, war unter anderem zu lesen.

Im April lasen Sie in der Europäischen Kulturhauptstadt, Ihrer Geburtsstadt. Wie fanden Sie das Publikum in der Evangelischen Akademie Siebenbürgen?

(Lachend) Vielmehr stellt sich die Frage, wie mich das Publikum fand bzw. das Buch. Es war ein interessiertes und begeisterungsfähiges Literaturpublikum. Für die rumänischen Zuhörer übersetzte eine Freundin simultan und die Musikerfamilie Braisch spielte gar den „Kriminaltango“. Die Presse war auch vertreten: „Hermannstädter Zeitung“, „Deutsche Welle“.

1982 sind Sie in die Bundesrepublik übersiedelt. Waren Sie seither noch in Siebenbürgen?

Ja, immer wieder mal.

Sind Sie außer des Deutschen und Rumänischen auch der siebenbürgisch-sächsischen Mundart mächtig?

Ich behaupte Ja. Die, die sie beherrschen, sagen Nein.

Welche Verbindung haben Sie noch zu Ihrer Geburtsstadt?

Eine intensivere, als ich sie jemals hatte, nach der Ausreise. Vor allem seit meinem Besuch im April 2007. Ich besuchte meine „Erinnerungsstätten“ alleine und war somit nicht durch andere Personen abgelenkt. Ich staunte über das, was an Emotionen und Erinnerungen hochkam. Und bei dieser Gelegenheit möchte ich Hermannstadt ob seiner Entwicklung ein großes Kompliment aussprechen. Ich war bestimmt nicht das letzte Mal dort!

Wo haben Sie mit Ihrer Familie gewohnt?

Zunächst in der Elisabethgasse. Als ich in der dritten Klasse war, sind wir in die Victor-Hugo-Straße Nr. 9 gezogen.

Erinnern Sie sich gern an die Schulzeit?

Sofern man sich gerne an die Schule erinnert... Aber natürlich, sie hat mich geprägt. Von 1973 bis 1982 bin ich in die 2-er Schule gegangen. Nach der bestandenen Aufnahmeprüfung ins Brukenthal-Lyzeum habe ich dem Land noch geholfen, die Rübenernte einzufahren, um mich dann im Oktober von meinen Freunden zu verabschieden, was mir sehr schwer fiel. Mit der Form des Schulsystems in Rumänien kam ich gut klar. Die Lehrer in Siebenbürgen waren für mich absolute Respektspersonen, Meinungsträger, Vorbilder. Nie vergessen habe ich die Lehrer in den Fächern Englisch, Ricky Dandel, in Deutsch, Dietfried Zink, Geschichte, Gerhard Brenner, oder Kurt Scheiner, bei dem ich auch in Deutschland noch im Chor, bei den „Cantores Cibiniensis“, mitsingen durfte. Die Zeiten in „unserem Schloss“ bei Regensburg werde ich nie vergessen.

Hatten Sie in Deutschland Integrationsprobleme?

Gar nicht. Ich bin in Deutschland sehr schnell aufgefangen worden. Parallel zur schulischen Leistungsebene ist meine Integration gerade auf der persönlichen Ebene glücklich verlaufen.

Ihr nächster Roman führt also nach Siebenbürgen. Und wohin geht Ihre literarische Reise?

Weiter und weiter. Ich hoffe, dass ich noch viele Bücher schreiben werde. Es ist mir mehr als ein Bedürfnis. Demnächst plane ich noch weitere Lesungen aus „Die gläserne Falle“, in Landshut, Buchen, Karlsruhe, Ettlingen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Beatrix Binder: „Die gläserne Falle“, demand verlag, Waldburg 2006, 163 Seiten. ISBN: 3-935093-49-7. Zum Preis von 12,80 Euro zu be­ziehen über jede Buchhandlung oder bei der Autorin unter E-Mail: beatrix.binder [ät] web.de. Weitere Veröffentlichungen: Kurzgeschichten in den Anthologien „Eine unvergessliche Reise“, „Herausforderung Schicksal“, „Angeschliffen“.
Die gläserne Falle
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Schlagwörter: Literatur, Kriminalroman, Beatrix Binder, Hermannstadt

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