19. Mai 2017

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Jugendarbeit in der Kirchengemeinde Mediasch

Wie im letzten Jahr fand auch heuer in Mediasch an Karfreitag zur Sterbestunde Jesu, um 15 Uhr, der ökumenische Kreuzweg der Jugend statt. An sieben verschiedenen Stationen konnten sich die rund 46 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter auch eine Jugendgruppe aus Deutschland, meditativ in schwierige, soziale und Glaubensthemen hineindenken. Unterstützend wirkten dabei Bilder, die in Stencil Art erstellt wurden. Diese vergleichsweise neue Kunstform versteht sich als Teil der Straßenkunst, ist meist inhaltlich unbequem und sozialkritisch. Für die Motive werden Schablonen aus Pappe oder Plastik herausgeschnitten und dann mit Farbsprühdosen oder Ölkreide bearbeitet. Die so entstehenden Bilder wirken eckig, reduziert, dadurch auch verstörend und provokant. Die Bilder des diesjährigen Kreuzwegs entstammen ursprünglich einem Projekt mit Jugendlichen. Die Organisation des Mediascher Kreuzwegs hatte in diesem Jahr Pfarrerin Hildegard Servatius-Depner inne, die in der Mediascher Kirchengemeinde maßgeblich für die Jugendarbeit zuständig ist. Das Interview mit Pfarrerin Hildegard Servatius-Depner führte Moni Schneider-Mild.
Den Kreuzweg der Jugend in Mediasch hast du in diesem Jahr maßgeblich organisiert. Wie ist dein Resümee?
Ich bin sehr dankbar für die gute Zusammenarbeit mit den Jugendlichen, den Pfarrkollegen und der deutschen Jugendgruppe aus dem Rheinland. Sie alle haben dazu beigetragen, dass wir den Kreuzweg zusammen gegangen sind. Unsere 16 Jugendlichen aus Mediasch haben die Bibelstellen und die meditativen Texte vorgelesen und auch die Gebete mitgesprochen. Mein Mann Pfarrer Gerhard Servatius-Depner hat uns mit seiner Gitarre musikalisch unterstützt und auch mit uns die Lieder in den zwei vorherigen Jugendstunden einstudiert. Die Jugendlichen aus Deutschland haben spontan die Gestaltung des großen Holzkreuzes übernommen. Meine Aufgabe war die Koordination aller Aktivitäten. Es war also schon im Vorfeld ein gemeinsamer Weg, den wir gegangen sind. Mediascher Kreuzweg: Die Jugendlichen tragen das ...Mediascher Kreuzweg: Die Jugendlichen tragen das Kreuz auf dem Weg von der Margarethenkirche zur Kapelle auf dem evangelischen Friedhof. Foto: Pfarrer Wolfgang Arvay Woher kommen die Ideen für die Gestaltung des Kreuzwegs? Wir übernehmen die Themenvorschläge, die wir von den Herausgebern des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend aus Deutschland erhalten. Bei den Herausgebern handelt es sich um die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Jugendarbeit in Düsseldorf und der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. in Hannover. Seit bereits über 15 Jahren bekommen wir Anfang Januar einen dicken Briefumschlag per Post zugesandt, in dem das Material – Dias, Bilder und ein Vorbereitungsheft mit entsprechenden Texten – enthalten ist. In jedem Jahr sind wir aufs Neue von den Gestaltungsvorschlägen überrascht! Aus diesen Vorschlägen entwickeln wir dann hier vor Ort unseren Kreuzweg, mit den Gegebenheiten hier vor Ort.


Das diesjährige Thema war „JesusArt“ und wirkte von der Aufmachung recht modern. Was war daran besonders?
„JesusArt“ war mir in diesem Jahr beim ersten Anblick sehr fremd – Jesus am Kreuz in schwarz/weiß gesprüht. Doch durch das Lesen der Texte und durch die verschiedenen Aktionen entstand zum Schluss eine wunderbare Einheit. Obwohl ich die Texte und die Bilder schon lange vorher kannte, erschlossen sie sich mir erst richtig, als wir den Weg tatsächlich gegangen sind. An jeder Station ein anderes Bild und jedes Bild stellte einen Menschen dar, der irgendwie auch sein „Kreuz“ zu tragen hat. Darauf folgte jedes Mal der gleiche Liedruf: „Ein Mensch. Kein Wort, kein Wort, kein Wort von mir. Der Ort: hier. Ein Mensch. Ein Wort: Erbarmen.“ Durch diesen Liedruf waren wir plötzlich mehr als nur passive Beobachter, sondern wir waren selbst gefragt und zum Handeln aufgerufen.


Auch heuer waren wieder Teilnehmer aus Deutschland dabei. Wie kam es dazu?
Ja, letztes Jahr schon war eine Gruppe Jugendleiter aus Deutschland zu Besuch im Gemeindehaus und diese hatten eher zufällig beim Kreuzweg mitgemacht. Anschließend hatten zwei dieser Gruppenleiter eine Reise für Jugendliche nach Siebenbürgen angeboten und darauf hatten sich 14 Jugendliche gemeldet. Ihr Wunsch war es, auch Begegnungen mit unseren Jugendlichen in Mediasch zu haben und an unserem Kreuzweg teilzunehmen.


Ihr seid alle gemeinsam mit dem Kreuz von der Margarethenkirche zur Kapelle auf dem evangelischen Friedhof gegangen. Man könnte meinen, so ein Ritual sei inzwischen überholt, oder?
Ja, das könnte man meinen. Tatsächlich war es aber die Entscheidung der Jugendlichen, den Weg vom Kastell durch die Stadt bis hoch zur Kapelle auf dem Friedhof zu gehen. Vorher hatten wir sechs Stationen im Kirchenkastell: Kirche, Sakristei, Sitzungssaal, Keller, Marienturm und Gefängnis. Jeder Ortswechsel brachte immer einen neuen Zugang zu dem Gehörten und Gesungenen. Die Orte, die wir als Stationen gewählt hatten, sollten das Gesagte betonen. Eine ganz besondere Herausforderung war in diesem Jahr auch die Bitte an die Jugendlichen, die Mobiltelefone für die Zeit des Kreuzweges in der Kirche zurückzulassen. Ich war positiv überrascht, dass sie darauf eingegangen sind und wir dadurch den Weg ohne „Handystörungen“ gehen konnten.


Wie waren denn die Rückmeldungen der Jugendlichen?
Durchgehend positiv! Die Jugendlichen aus Deutschland waren sehr angetan von den meditativen Texten. Unsere Jugendlichen empfanden den Gang zum Friedhof als einen passenden Abschluss für den Kreuzweg und den Ostermorgen als einen richtigen Neuanfang – mit einer Andacht und einem gemeinsamen Frühstück in unserem Gemeindehaus. Die ruhige und meditative Stimmung, die beim Kreuzweg selbst herrschte, war für mich schon die beste positive Rückmeldung. Es war eine wunderbare Zeit für beide Gruppen.

Werdet ihr auch im nächsten Jahr einen Kreuzweg der Jugend ausrichten?
So Gott will und wir gesund und munter sind, ja auf jeden Fall. Und ich kann nur Mut machen, sowohl Jugendlichen als auch Erwachsenen, sich darauf einzulassen. Für mich ist die Teilnahme am Kreuzweg die angebrachteste Art, der Todesstunde Jesu zu gedenken.


Herzlichen Dank für das Interview!

Schlagwörter: Interview, Jugend, Jugendarbeit, Mediasch, Kirche, Kirchengemeinde, Ostern, Projekt

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