3. Juli 2013

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Frauenkreis Stuttgart: Künstlerin und Schriftstellerin

Ende Mai referierte im Frauenkreis Stuttgart Wolfgang Binder, Sohn der siebenbürgischen bildenden Künstlerin und Schriftstellerin Frida Binder-Radler, über „Leben und Werk“.
Seine vielseitig begabte Mutter wurde am 13. Mai 1908 in Elisabethstadt geboren, verbrachte ihre Kindheit und Jugendjahre in Pretai und Michelsdorf bei Marktschelken, besuchte in Hermannstadt die Volksschule und die höhere Handelsschule, wechselte nach deren Auflösung ans Schäßburger Lehrerseminar und studierte danach bildende Künste in Neustadt (Baia Mare). Sie entwickelte sich zu einer vielbegabten Persönlichkeit, wurde Bildhauerin, malte, gestaltete Keramik, Kunstwerke und entfaltete im Laufe der Jahre ein reiches literarisches Schaffen, bestehend aus Gedichten, Novellen und Theaterstücken in sächsischer Mundart und Hochsprache.

Aus Zeitgründen beschränkte sich Wolfgang Binder auf ihr lyrisches Werk. Im literarischen Nachlass von Frida Binder-Radler, die auch Mitbegründerin des Siebenbürgisch-sächsischen Dichterkreises in Rumänien war, befinden sich 160 lyrische Gedichte. Mindestens 53 davon wurden vertont, ein Teil von ihr selbst, die meisten aber von bekannten siebenbürgischen Komponisten wie Heinrich Bretz, Hans Mild u. a. m. Einige Lieder werden schon seit eh und je in sächsischen Kreisen als Volkslieder gesungen. Da die Künstlerin eher zurückgezogen lebte, war sie lange Zeit über ihren Freundes- und Kundenkreis hinaus kaum bekannt. Ihren ersten Gedichtband in siebenbürgisch-sächsischer Mundart veröffentlichte sie 1947 beim Zeidner Herausgeber Misch Foith. Im Vorwort schrieb er, „dass die Gedichte der Verfasserin in ihrem schlichten Inhalt und in ihrer ungekünstelten Form und Sprache es verdienen, in weitesten Kreisen bekannt gemacht zu werden“.

Der Referent trug vorwiegend Mundartgedichte vor. Aufmerksamen Zuhörerinnen blieb nicht verborgen, dass die Künstlerin all ihre Sehnsüchte, Ängste und Entbehrungen, die sie durch schwere äußere Umstände auferlegt bekommen hatte, auf ihre Art zu verarbeiten versuchte. Somit entstand eine Lyrik, die der Bukarester Literaturhistoriker Alfred Kittner 1969 als „Höhepunkt der siebenbürgisch-sächsischen Mundartdichtungen unserer Tage“ würdigte.

Höhepunkt unseres Nachmittags war eine sehr gelungene Bildprojektion, die nach Lebensetappen der Künstlerin gegliedert war. Zu sehen waren Portraits, Trachten- und Landschaftsbilder, Kirchenburgen und Blumensträuße, sächsisch ornamentierte Vasen, Skulpturen. Das Ganze, musikalisch untermalt mit ihren eigenen Liedern, war eine „Hommage“ an Frida Binder-Radler und hinterließ bei den Anwesenden eine tiefe Bewunderung für diese Frau, die aus ihrer Verwurzelung mit der siebenbürgischen Heimat, ihrer innigen Naturverbundenheit und ihrem unerschütterlichen Optimismus heraus so kreativ sein konnte.

Gerhild Reip

Schlagwörter: Frauen, Stuttgart, Vortrag, Mundart, Dichterin

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