12. September 2017

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Münchner Kulturgruppen besuchen Altenheim Lechbruck

Inzwischen ist es Tradition, dass Münchner Kulturgruppen von Zeit zu Zeit das siebenbürgische Altenheim in Lechbruck besuchen. So auch heuer, am 26. Juli. Als wir ankommen, sitzen die Bewohner schon erwartungsvoll im Hof; viele in ihren Rollstühlen. Unsere Musikanten und Dirigent Wilhelm Spielhaupter, alle in Tracht, eröffnen das Fest mit einem schwungvollen Marsch. Die Zuschauer klatschen begeistert und vertreiben somit auch die letzten Wolken vom nun strahlend blauen Himmel.
Wilhelm Spielhaupter begrüßt die Zuhörer; ebenso Wilhelm Dietrich, der die Fahrt organisiert hat. Gleichzeitig stellt er die neue, noch sehr junge Kreisgruppenvorsitzende Astrid Weber vor. Die Heimleiterin Maria Brandsch heißt uns herzlich willkommen. Ihr Mann Gustav und sie leiten das Heim seit 31 Jahren. Ob ihr Beruf schwer sei? Ja, aber sie bekommen auch viel zurück: ein freundliches Lächeln, einen zaghaften Händedruck, ein Danke, antworten sie bescheiden. Sie empfinden ihre Arbeit als Lebensaufgabe.

Beim Klang der Musik und beim Anblick unserer Tänze fühlen sich die Heimbewohner zurückversetzt in ihre alte Heimat, in ihre Jugend. Dazu trägt besonders auch die Münchner Volkstanzgruppe unter der Leitung von Simon Spielhaupter bei. Acht Paare in unserer malerischen Tracht tanzen zu unser aller Freude – wie immer fehlerfrei, gekonnt begleitet auf ihrer Ziehharmonika von Marianne Mayr. Das Ehepaar Brandsch überreicht der Tanzgruppe eine Fotografie dieser Formation beim Besuch 1984. Die Überraschung ist gelungen!Münchner Kulturgruppen erfreuen die Heimbewohner ...Münchner Kulturgruppen erfreuen die Heimbewohner in Lechbruck mit ihren Darbietungen. Fotos: Dr. Christian Spielhaupter, Collage: Detlef Schuller Im Speisesaal warten gut gewürzte Bratwürste, Grillfleisch und Kartoffelsalat auf uns – und ein kühles Bier; danach noch Kaffee und sehr feine Torte. An dieser Stelle geht ein herzliches Dankeschön an das freundliche und fleißige Personal! Gäste und Bewohner unterhalten sich. Im Gespräch erfahre ich, wie sehr sich die Bewohner auf dieses Fest gefreut haben. Maria Daschner, 94 Jahre alt, hat um gutes Wetter gebetet für die Siebenbürger Blaskapelle: „Wissen Sie, die spielen so wunderbare Egerländer, und ich komme ja von dort, von Karlsbad. Viele Egerländer wollen in dieses Heim, denn es ist das Beste!“ Auch schätzt sie den großen Aufwand und die Mühe, die die Musikanten und Sänger haben mit den vielen Proben, den Anfahrten, den Trachten.

Adelheid Ressler, pensionierte Lehrerin aus Talmesch, besucht seit vielen Jahren mehrere Altenheime („Dieses ist das beste!“), spielt dort mit ihrer Ziehharmonika und singt mit den Heimbewohnern. Sie macht das ehrenamtlich. „Ich bin mit einem Steingadener verheiratet. Er trägt seine bayerische Tracht und ich meine siebenbürgische. So bewahre ich mir ein Stückchen Heimat.“ Sie und Marianne Mayr machen Musik, die Anwesenden singen mit. „Det as det hescht! Mer sen zesummen!“, sagt ein älterer Bewohner. Abwechselnd spielt die Blasmusik.

„Ich bin erst seit März dieses Jahres hier und fühle mich sehr gut“, sagt Katharina Spielhaupter aus Siebenbürgen. „Und ich komme aus der Fränkischen Schweiz. Ich bin 101 Jahre alt und komme noch sehr gut allein zurecht. Meine Enkel und Urenkel besuchen mich regelmäßig“, erzählt Maria Hohe. Auguste Popia ist hier „Mädchen für alles“, und das schon seit 20 Jahren und immer noch gerne. Gretel Theil ist die Chefpflegerin. Sie spricht von den Schwierigkeiten im Beruf: „Das Dokumentieren nimmt zu viel Zeit in Anspruch, die besser direkt in der Pflege investiert wäre. Auch könnten einige bauliche Veränderungen zur Erleichterung der Arbeit beitragen. Der Pflegedienst ist schwer, aber ich bin gerne Pflegerin, immer noch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die an Gott glauben, ihr Schicksal, ihre Pflegebedürftigkeit, leichter annehmen.“

Die Heimfahrt naht. Astrid Weber sagt: „Ich freue mich, so viele großartige Menschen getroffen zu haben.“ Wir sind nachdenklich, denken vielleicht auch an später ... und wir wissen, dass wir wiederkommen werden.

Renate Kaiser

Schlagwörter: München, Altenheim, Lechbruck, Tanzgruppe, Blaskapelle

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