7. Juni 2018

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Von Wuppertal nach Dinkelsbürgen

Wenn man Freunden oder Arbeitskollegen erzählt, dass man am Wochenende einen Weg von 450 Kilometern auf sich nimmt, um in eine Stadt in Mittelfranken zu fahren, begegnet man des Öfteren einer gewissen Verwirrung, vor allem, wenn diese keine Siebenbürger Sachsen sind. Für die meisten Kreisgruppenmitglieder in Wuppertal steht es jedoch außer Frage, dass das Pfingsttreffen in Dinkelsbühl eines der wichtigsten Ereignisse überhaupt ist.
Aus diesem Anlass organisiert der Vorstand einen Bus und ein Hotel, damit jeder, der möchte, teilhaben kann und alle Tänzerinnen und Tänzer der Siebenbürgischen Tanzgruppe Wuppertal heil in Bayern ankommen und untergebracht werden können. Denn auch dieses Jahr präsentierten sie sich sowohl mit dem Einzeltanz „Rühler Springer“ als auch bei den Gemeinschaftstänzen vor der Schranne, was immer ein sehr emotionales, bewegendes Erlebnis ist. Daraus ergibt sich bereits die Frage, was gerade das Pfingstwochenende derart viele Siebenbürger Sachsen dazu treibt, es gemeinsam zu verbringen. Es ist das Gefühl der Vertrautheit und der Heimat, das sich breit macht, wenn sich alle Trachtenträger zum Umzug aufstellen und zur Blasmusik marschieren, wenn die Tanzgruppen sich zusammenstellen um gemeinsam zu tanzen, wenn vor allem zu sehen ist, wie viele Kinder und Jugendliche diese Traditionen weiter erhalten wollen. „Gemeinsam“ ist dabei das essentielle Stichwort, denn davon lebt der Heimattag, wenn beispielsweise gesungen oder getanzt wird. Wenn man beobachten kann, wie Menschen sich schon einhaken, nur weil die ersten Noten von „Wahre Freundschaft“ erklingen, dann spielt es keine Rolle mehr, woher jemand kommt, sondern es geht nur noch um die Gemeinschaft und das Gefühl, ein Teil von etwas wahrlich Besonderem zu sein.Die Trachtenträger der Kreisgruppe Wuppertal nach ...Die Trachtenträger der Kreisgruppe Wuppertal nach dem Trachtenaufmarsch beim Heimattag. Was zieht einen nach Dinkelsbühl? Eine einheitliche Antwort zu finden ist nicht einfach, denn das Programm ist derart breit gefächert, dass jeder einzelne im Heimattag etwas anderes sieht. Wenn schon im Reisebus zum Akkordeon die Heimatlieder erklingen und alle mitsingen, wenn man gemeinsam ins Festzelt oder in die Schranne zum Feiern geht, wenn man zusammen vor dem Aufmarschieren eine Vişinată trinkt oder wenn man vor dem Tanzgruppenauftritt nervös auf und ab läuft, dann ist Dinkelsbühl mehr als nur eine Stadt und die Personen, die man dort trifft, sind mehr als nur Leute, die den gleichen Ursprung teilen. Dinkelsbühl erzählt jedes Jahr auf eine ganz eigene Weise eine knapp 1000 Jahre alte Geschichte, die jeder anders wahrnimmt und deren Kultur jeder anders zum Ausdruck bringt, sei es durch das Singen im Chor oder das Tanzen in der Tanzgruppe.

Am Ende teilen wir alle die gleiche Absicht, nämlich dafür zu sorgen, dass diese alte Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist und hoffentlich auch nie zu Ende erzählt sein wird.

Manuel Krafft

Schlagwörter: Kreisgruppe, Wuppertal, Heimattag 2018, Reise

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