12. Juni 2021

Kreisverband Nürnberg: Chorproben in Corona-Zeiten – geht das überhaupt?

Jein. All jene, die bis Frühjahr 2020 regelmäßig in einer Chorgemeinschaft gesungen haben oder in anderen Gruppen soziale Kontakte pflegten, erleben seit dem pandemie-bedingten Verbot einen großen Verlust, ein fast unersetzliches Vakuum. Ja, nur fast, denn wir vom „Fürther Chörchen“ lassen uns das Singen nicht verbieten. Der Schlager, gesungen 1974 von Tina York, klingt mir dabei in den Ohren.
Fürther Chörchen. Bildschirmaufnahme von Angelika ...
Fürther Chörchen. Bildschirmaufnahme von Angelika Meltzer
Die letzte reguläre Chorprobe des Fürther Chörchens fand am 9. März 2020 statt und keiner ahnte damals, dass es für sehr viele Monate die letzte sein würde. In den warmen Sommermonaten trafen wir uns noch dreimal in Gärten der Mitglieder, damit wir uns nicht ganz aus den Augen verlieren. Das Singen in geselliger Runde baute auf und schenkte Zuversicht. Inzwischen, Juni 2021, ist es immer noch ungewiss, wann das Chörchen wieder regulär im Gemeindehaus der St.-Pauls-Kirche in Fürth proben wird. Damit unsere Stimmen nicht ganz einrosten, die Lieder nicht vergessen werden und vor allem auch in der Hoffnung, dass es mit den Chorproben bald weitergehen werde, habe ich im Februar begonnen, den Chormitgliedern jeden Montag – das war der Tag unserer Chorproben – ein „Lied der Woche“ aus der Mappe zum Wiederholen zu schicken. Als Tondatei verschicke ich die Sopran-, Alt- und Männerstimmen auf die Mobilgeräte der Mitglieder. Wenn ich eine Choraufnahme des entsprechenden Liedes besitze, hänge ich die auch an.

Nun frage ich mich aber, wie geht es den Mitgliedern des Fürther Chörchens in dieser langen Zwangspause wirklich? Lesen Sie hier, was einige in diesen ungewissen Zeiten bewegt:

„Unser Chörchen bedeutet für mich nicht nur singen – die Gemeinschaft, die hinter diesem Chor steht, ist mir mindestens so wichtig. Durch die Pandemie entfallen unsere Treffen und sie fehlen mir.“ (Gertraud Herberth)

„Die Gemeinschaft unseres Chörchens mit Singen, sich aufeinander und miteinander freuen, feiern und tanzen geht mir sehr ab. Die drei Chorproben Sommer 2020 in Heidemaries und Hertas Garten waren ein voller Genuss. Mit dem Gesang und der Fröhlichkeit erfreuten wir sogar die ganze Nachbarschaft. Nicht nur für Gemütlichkeit, sondern auch für Leib und Seele war gut gesorgt. Nun hoffe ich auf ein baldiges Chörchentreffen im Sommer. Für das frohe Wiedersehen habe ich mein Akkordeon neu stimmen lassen und dieses wartet schon auf seinen Einsatz. Unsere Angelika hat seit Frühlingsbeginn jeden Montag ein passendes Lied zum Lenz geschickt. So bleiben wir mit unseren schönen Liedern durch Gesang mit dem Chörchen verbunden. Diese Zusammengehörigkeit und die Freude am Singen hat uns Siebenbürger Sachsen immer schon geprägt und die Gemeinschaft gestärkt. Das wollen wir, so Gott will, weiter pflegen und hoffen beim Neustart auf noch viele singfreudige Menschen, die im Chörchen sehr willkommen sind. Wir lassen uns das Singen nicht verbieten und auch nicht die Fröhlichkeit, darum: Kuterbä, kutbaulterbä sangt froadich met. Met froadijen Gressen!“ (Hermine Schuller Bögelein).

„Ich vermisse in dieser Corona-Zeit vor allem die musikalische Schwingung aller tollen Stimmen, das Zusammenkommen mit inniger Begrüßung, das tolle Warm-up von Angelika, die uns richtig einstimmen. Vielen Dank für dein unermüdliches Engagement in dieser desolaten Zeit.“ (Roswitha Schmidt)

„Singen in der Gemeinschaft macht mir sehr viel Spaß und ich freute mich jedes Mal auf die Chorproben. Ich mag die Vielfalt der Lieder, die wir singen. Die siebenbürgischen Lieder haben fast alle eine Vorgeschichte. Darum höre ich sehr aufmerksam zu, wenn Angelika oder eine der älteren Teilnehmerinnen über ein Lied und seine Geschichte erzählt. Dank Elektronik sendet uns Angelika die Melodie oder die Texte der Lieder per E-Mail oder WhatsApp. Wenn ich jetzt allein daheim singe, versuche ich die Texte auswendig zu lernen. Ich freue mich schon auf die nächsten Chorproben, egal wo und wann. Wir Menschen brauchen ein soziales Umfeld und Kommunikation.“ (Letitia Streifert)

„Dank der Medienaffinität unserer engagierten Chorleiterin Angelika Meltzer verlieren wir selbst in Zeiten der Pandemie den Bezug zu unserem geliebten Chörchen nicht ganz. Sie erinnert uns durch digitale Tondateien jeden Montag, unsere Stimme und Lieder zu trainieren, sodass wir jederzeit wieder ,losträllern‘ könnten. Ich vermisse den regen Austausch mit den Chorkolleginnen sehr und hoffe, bald wieder in Gemeinschaft singen zu können, denn Singen ist für mich Entspannung und Balsam für die Seele. Auf unsere Chorleiterin wartet viel Arbeit, da sie unserem laienhaften Chorgesang den nötigen Feinschliff verpassen möchte. Danke, liebe Angelika, für dein unermüdliches Tun, deine kreativen Ideen und deine positive Einstellung, das Chörchen auch in dieser Zeit beisammen zu halten. Ich bewundere deine Schaffenskraft und deine Energie.“ (Britta Müller)

„Ich vermisse unsere gesellige Runde sehr und freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen – egal wann und wo. Während ich koche, übe ich meine Chorlieder. Ich wünsche mir, dass die nächste Generation an unseren alten Heimatliedern auch Gefallen findet und diese nicht in Vergessenheit geraten!“ (Kathi Felesan)

„In letzter Zeit konnte ich aus gesundheitlichen Gründen leider nicht im Fürther Chörchen mitsingen. Das Singen in der Gemeinschaft und der rege Austausch untereinander fehlen mir sehr. Ich singe daheim bei jeder Gelegenheit, meist beim Kochen, Bügeln oder bei der Gartenarbeit, und das tut mir sehr gut. Auch Lieder aus der Liedersammlung ,E Liedchen hälft ängden – Alte und neue Lieder aus Siebenbürgen‘ singe ich gerne. Die Hörproben auf der Homepage (www.angelika-meltzer.de) finde ich sehr hilfreich, denn damit erlerne ich auch mir unbekannte Lieder. Ich vermisse euch alle sehr und freue mich auf ein baldiges Wiedersehen. Seid alle herzlich umarmt.“ (Gerti Lienerth)

„Ich vermisse die gesellige Runde und das Zusammengehörigkeitsgefühl, die mich die Alltagssorgen vergessen lassen. Diese Gemeinschaft hat mir Halt, Bodenständigkeit und Wertschätzung gegeben. Das ,Lied der Woche‘ auf Tondatei finde ich sehr gut. Die Lieder sind meine Begleiter beim Spazierengehen. Wenn ich melancholisch bin, summe ich die Lieder ,Kutt ihr Med‘ oder ,Nårr deng Ug°e loss mich sähn‘. Die gelegentlichen Zoom-Meetings sollen bitte weiterhin gehalten werden.“ (Susi Schneider)

„Das Singen mit dem Chörchen fehlt mir sehr. Diese Zwangspause dauert mir schon viel zu lange. In Gedanken singe ich viele Lieder und hoffe, dass ich sie bald wieder in Gemeinschaft singen werde.“ (Edith Tontsch)

„Ich freue mich und bin dankbar, dass ich jeden Montag ein Lied zur Erinnerung und zum Wiederholen auf mein Handy erhalte. Am Mittwoch habe ich Bügeltag und dann singe ich alle erhaltenen Lieder. Mein absolutes Lieblingslied ist ,De Bånk‘ von Georg Meyndt – es begleitet mich als Ohrwurm durch den Alltag.“ (Renate Kloos)

„Frohen Herzens beteiligte ich mich an den Chorproben des Fürther Chörchens, weil mir das Singen in Gemeinschaft schon immer große Freude und Spaß bereitet hat. Beim Singen kann ich entspannen und somit die Geschäftigkeit und Unrast des Tages ablegen. Besonders die siebenbürgisch-sächsischen Lieder wecken in mir persönlich unvergesslich schöne Erinnerungen. Außerdem ist unsere Chorgemeinschaft ein großer Freundes- und Bekanntenkreis, wo viel gelacht und gute Laune verbreitet wird. Ich glaube, dass sowohl die Freude am Singen als auch diese Leichtigkeit des Beisammenseins eine herrliche Medizin zur Verlängerung unseres Lebens ist. Hoffentlich ist dieser Corona-Spuk bald vorbei und wir dürfen in unseren geschätzten Chorproben wieder singen, singen, singen – darauf freue ich mich besonders.“ (Sinni Schneider)

„Das gemeinsame Singen und Lachen vermisse ich sehr. Das Lied ,Et såß e kliewäld Vijjeltchen‘ begleitet mich durch den Frühling.“ (Gerlinde Knopp)

„Es ist immer schön zu singen. Doch noch schöner ist es, wenn man mit Gleichgesinnten in einem Chor singt. Im Fürther Chörchen gibt es bei guter Laune auch immer einen Grund zu feiern. Jedes Mal komme ich mit dem guten Gefühl nach Hause, zwei schöne Stunden genossen zu haben.“ (Erika Baier)

„Unsere schönen Chorproben fehlen mir in dieser Zeit der Pandemie sehr.“ (Maria Schuller)

„Nach einem sehr schweren Jahr war ich froh, dass ich wieder Kontakte zu Landsleuten knüpfen konnte. Ich habe immer schon gerne gesungen und obwohl ich noch nie im Chor gesungen habe, hat es mir Spaß gemacht. Ich vermisse diese Kontakte jetzt sehr und hoffe, dass wir bald wieder zusammen singen werden. Beim Spazierengehen fallen mir beim Erblicken der Veilchen, der Weiden- oder Kirschbäume die beliebte sächsischen Lieder ein, z.B. ,Do derhiem blähn de Våltchen‘, ,Det Frähjohr kitt än de Wegden‘, ,Bäm ålde Kirschbum‘, ,De Kirsche blähn än asem Guërten‘.“ (Michael Orend)

Die Essenz der Beiträge der Sänger*innen ist klar erkennbar: Möge die Pandemie möglichst bald abflauen, damit wir die Chorproben in geselliger und froher Runde wieder fortsetzen können. Die Mitglieder zehren von den vielen heiteren gemeinsam verbrachten Chorproben, die ihnen Lebensqualität und Frohsinn beschert haben. Die Vorfreude auf ein Wiedersehen hält die gute Stimmung aufrecht. Die Chorproben während des Verbots in Corona-Zeiten gehen also für jeden Einzelnen in seiner persönlichen Art und Weise weiter.

Auch wenn wir zahlenmäßig die 30 schon geknackt haben, so sind wir immer noch ein Chörchen, denn für einen 3- bis 4-stimmigen Chorgesang fehlen uns die Männerstimmen. Wir würden uns alle sehr freuen, wenn unsere drei Tenöre Verstärkung erhielten. Allen, die gerne singen und zu uns stoßen möchten, schicke ich gerne die Liederliste und Material zu. Telefon: (0911) 735649. Notenkenntnisse sind nicht nötig – die Freude am Singen genügt.

Angelika Meltzer

Schlagwörter: Kreisverband, Nürnberg, Fürth, Chor, Probe, Corona, digital

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