29. November 2021

Kultur- und Begegnungsabend in Drabenderhöhe

Mit „Grüße aus dem Egerland“ bewies das Blasorchester Siebenbürgen-Drabenderhöhe unter Leitung von Michael Schumachers beim Kultur- und Begegnungsabend, wie schön Blasmusik klingen kann. Unter den rund 300 Gästen, die wegen der Pandemie nach langer Zeit mal wieder ins Kulturhaus Drabenderhöhe kamen, um den „Neustart miteinander“ zu feiern, war die Freude groß.
Es war ein gelungener Abend, den Blasorchester, Honterus-Chor, Männergesangverein und die siebenbürgischen Tanzgruppen Wiehl-Bielstein servierten. Sie nahmen damit an einem Programm teil, mit dem das Land NRW eingetragene Vereine finanziell unterstützt, damit sie nach Corona und Lockdown den gesellschaftlichen Zusammenhalt weiter festigen und mit neuem Leben erfüllen. Uli Frommold, der als Moderator fungierte, dankte den Organisatoren unter Leitung von Dr. Hans Franchy, Vorsitzender des Deutsch-Siebenbürgisch-Rumänischen Freundeskreises Wiehl-Bistritz, für die große Mühe, die sie sich gegeben hatten, um nach eineinhalb Jahren endlich wieder einmal miteinander auftreten zu können. Besondere Grüße gingen an Wiehls Bürgermeister Ulrich Stücker und Altbürgermeister Ovidiu Creţu, der aus Bistritz angereist war. Er hatte 2016 federführend für die Städtepartnerschaft gezeichnet.

„Wir sehnten uns danach, wieder miteinander den Neustart zu beginnen“, sagte Stücker und dankte den ehrenamtlichen Mitarbeitern, auf die man sich immer verlassen könne, für ihr Engagement. Bei Creţu bedankte er sich für das Gastgeschenk in Form von hochgeistigen Getränken und versicherte, dass er mit seiner Mannschaft immer wieder gerne nach Bistritz komme. „Achten Sie weiter auf sich und Corona. Wir sind da noch nicht durch“, mahnte Stücker abschließend die Gäste, die nach der 3G-Regel ins Haus durften.
Mit zackigen Märschen heizte das Blasorchester ...
Mit zackigen Märschen heizte das Blasorchester Siebenbürgen-Drabenderhöhe unter Leitung von Michael Schumachers den Gästen ein. Foto: Günther Melzer
Ovidiu Creţu betonte in seinem Grußwort „Respekt und Wertschätzung“ gegenüber den Siebenbürger Sachsen. Er bedauerte, dass der amtierende Bistritzer Bürgermeister der Einladung nach Wiehl nicht gefolgt sei, um Zeichen zu setzen, die ausgezeichneten Beziehungen fortzuführen. Gemeinsam habe man in seiner zwölfjährigen Amtszeit viel erreicht. Er habe es als ehrenvolle Aufgabe angesehen, die große Vergangenheit von Bistritz – definitiv eine sächsische Vergangenheit – nicht zu vergessen. Gemeinsam habe die Stadtverwaltung mit der HOG Bistritz-Nösen Maßnahmen ergriffen, die gezeigt haben, „dass wir stolz auf die Geschichte unserer Stadt sind und wir diejenigen ehren, die sie erbaut haben“. Er habe verschiedenen Bistritzer Ortsteilen und Straßen ihre sächsischen Namen wiedergegeben, historische Gebäude und Landschaften renoviert und wiederbelebt. Traditionen wie Ostermarkt, Pfingstfest und Jahrmarkt seien wieder aufgenommen worden. 2010 und 2019 fanden Sachsentreffen in Bistritz statt.

Drabenderhöhe sei einer der Punkte auf der Europakarte, an denen die Sachsen ihr soziales, kulturelles und konfessionelles Leben wieder aufgebaut haben. In fast jedem Haus finden sich Erinnerungsstücke aus Siebenbürgen und die Menschen sprechen mit Nostalgie, Liebe und Pathos über ihre Herkunftsorte, „weil sie die Heimat ihrer Vorfahren im Herzen tragen“. Creţu erinnerte abschließend an zwei Gedenkstätten: eine auf dem Bistritzer Dominikanerplatz, die die herzzerreißende Trennung von der Heimat symbolisiert, und eine am Kreisverkehr in Drabenderhöhe, die den Neuanfang, die Verwurzelung in der neuen Heimat zeigt.

„Es ist so schön, endlich wieder kulturtreibende Vereine auf der Bühne zu sehen“, meinten Mitglieder der Heimatortsgemeinschaft Bistritz-Nösen, die auch längere Anfahrten in Kauf genommen haben, um sich mit ihren Landsleuten zu treffen. Aufmerksam lauschten alle dem Honterus-Chor mit Dirigentin Regine Melzer, der mit Liedern wie „Herr deine Güte“, Träume im Wind“ und „Zauber der Nacht“ erfreute. Begeisterung löste der Männergesangverein unter Leitung von Hubertus Schönauer unter anderem mit dem heiteren Lied „An der Bar“ aus: „Ach wie sehn‘ ich mich nach dir, heißgeliebte Flasche Bier.“ Und als nach dem lauten Ruf: „Wer gibt jetzt ein Kölsch aus?“ die Finger der Sänger auf Bürgermeister Stücker zeigten, schmunzelte das Publikum.

Als Augenschmaus und Rarität, deren Tradition man unbedingt erhalten sollte, bezeichnete Frommold die Jugend- und Erwachsenentanzgruppe Wiehl-Bielstein, die unter Leitung von Jana, Birgit und Horst Kessmann unterschiedliche Tänze zeigten. Eingeleitet wurde das Fest mit einer Andacht von Agnes Franchy-Kruppa und dem Blasorchester, das „Großer Gott wir loben dich“ dazu spielte. Die Pfarrerin lobte Dr. Hans Franchy als Motor der Veranstaltung für die Arbeit und den Mut, „dass wir uns an diesem Abend begegnen dürfen“. Aber auch Gott verlasse die Menschen nicht, deshalb galt ihm großes Lob.

Eingeladen zu dieser Veranstaltung hatten die Stadt Wiehl, der Partnerschaftsverein Wiehl-Bistritz, die Kreisgruppen Drabenderhöhe und Wiehl-Bielstein im Verband der Siebenbürger Sachsen sowie die HOG Bistritz-Nösen. Für den gelungenen Abend bedankte sich Hauptorganisator Hans Franchy bei allen Mitwirkenden: „Wir sind das Risiko eingegangen, haben oft zusammen gesessen und den Abend geplant. Es hat sich gelohnt.“

Ursula Schenker

Schlagwörter: Drabenderhöhe, Kulturabend, Musik, Blasorchester, Wiehl, Partnerschaft, Wiehl-Bistritz

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