11. Februar 2026

Kreisgruppe Mannheim – Heidelberg: Nachruf auf den Ehrenvorsitzenden Johann Wester

Ein verdienstvoller Siebenbürger Sachse, Träger der Pro Meritis-Medaille des Verbands der Siebenbürger Sachsen, ist am 12. Januar von uns gegangen. Johann (Hans) Wester hat als Vorsitzender unsere Kreisgruppe von 1984-1990 und von 1993-2005 geleitet. Neben seiner Ehefrau Anna und den Söhnen Karl-Heinz und Harald Wester trauern Verwandte, Freunde und die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft um diesen vorbildlichen Siebenbürger.
Hans Wester wurde am 1. August 1939 in Stein geboren und erlebte dort eine Kindheit und Jugend, die von der Nachkriegszeit geprägt war. Armut und politische Einengung waren jedoch für eine Dorfgemeinschaft kein Hindernis, Tradition zu pflegen. Mit Brauchtum und emotionalem Gepäck kam Wester im März 1974 mit Ehefrau Anna und den beiden Söhnen nach Mannheim, wo die Familie schnell Fuß fassen konnte. Schon im April 1974 trat er in die Landsmannschaft ein. 1975 wurden die Eheleute Wester aktive und permanente Mitarbeiter der Kreisgruppe. Von 1979-1984 war Wester stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe, im September 1984 wurde er zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Zusätzlich hatte er von 1994 bis 1997 das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen (BdV), Kreisverband Mannheim, inne.

Johann Wester (1939-2026). Foto: privat ...
Johann Wester (1939-2026). Foto: privat
Mit hervorragendem Organisations- und Kommunikationstalent hat Hans Wester das kulturelle Veranstaltungsangebot der Kreisgruppe erweitert und stellte sie der breiten deutschen Öffentlichkeit als eine gewachsene Kulturgemeinschaft vor. Alle Veranstaltungen dienten nicht nur dazu, das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Mitgliedern zu stärken und altes Brauchtum lebendig zu erhalten, sondern auch zur Integration unserer Volksgruppe in der neuen Heimat, indem er die siebenbürgische Kultur der Bevölkerung Mannheims und des Rhein-Neckar-Kreises vorstellte.

Vortragsnachmittage, Autorenlesungen, Ausstellungen, Muttertagsfahrten, Wanderungen (sein Hobby), Busausflüge, Erntedank- und Weihnachtsfeiern, Frauennachmittage, Kathrei- nen- und Faschingsbälle, Jubiläen unserer Kreisgruppe, die Aufführung des Mundartstückes „Äm Ihr uch Gläck“ und die Einrichtung unseres Heimatmuseums beweisen Westers tief verwurzelte Liebe zur siebenbürgisch-sächsischen Kultur. Dabei passte er das Veranstaltungsangebot an die jeweiligen Bedürfnisse der Mitglieder an, die es sehr gern annahmen. Dank dieser vielfältigen Aktivitäten erstarkte die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft im Rhein-Neckar-Raum und wurde ein leuchtendes Beispiel von Gemeinschaftspflege auch für siebenbürgische Gruppen aus anderen Regionen der Bundesrepublik.

Die mit besonderem Glanz organisierten Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtage vom 6.-28. März 1987 in Mannheim beeindruckten die Gäste mit vielseitigen Brauchtumsveranstaltungen und erhöhten den Bekanntheitsgrad sowie das Ansehen der Siebenbürger Sachsen in der Öffentlichkeit.

In verschiedenen Städten, Banken, Rathäusern, im Heimatmuseum Ilvesheim organisierte er siebenbürgisch-sächsische Ausstellungen. Oberbürgermeister und Kulturbürgermeister wohnten den Eröffnungen bei, bewunderten die Ausstellungen und waren beeindruckt von Westers Engagement.

Für die mit viel Heimatliebe zusammengetragenen Kulturschätze suchte Wester jahrelang nach einem dauerhaften Ausstellungsraum: Diesen fand er nach vielen Gesprächen, Anträgen und Telefonaten mit städtischen Mitarbeitern im alten Rathaus von Neckar­au, wo nach aufwendiger Renovierungsarbeit das Heimatmuseum der Kreisgruppe untergebracht und maßgeblich von Anni Wester eingerichtet wurde.

Die „Siebenbürger Straße“ in Mannheim erhielt ihren Namen nach mehreren Schreiben Westers an den Oberbürgermeister und den Gemeinderat der Stadt Mannheim.

Die Veranstaltungen der Kreisgruppe wie Muttertagsfeiern, Weihnachtsfeiern, Erntedankfeste, Vorträge wurden jahrzehntelang in den Räumen der Mannheimer Friedenskirche veranstaltet. Viele davon wurden zusammen mit den in Mannheim lebenden siebenbürgischen Pfarrern, Dekan i.R. Hermann Schuller, Michael Batzoni und Hans Ehrlich, mit musikalischer Begleitung von Prof. Heinz Acker durchgeführt. Um unsere Kultur und unser Brauchtum auch den Mitgliedern der Friedenskirche bekannt zu machen, wurden zusammen mit Pfarrer Michael Batzoni die Tage der Begegnung mit kulturellem Programm und siebenbürgischen Spezialitäten organisiert. Westers Sinn für soziale Gerechtigkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Benachteiligten bestimmten seine Paketaktionen nach Siebenbürgen in den achtziger Jahren genauso wie nach der Wende. Die substanzielle Hilfe und Unterstützung bei der Eingliederung der Landsleute wurde auch von den Behörden der jeweiligen Städte begrüßt.

Sein Engagement und sein Wirken wurde von bedeutenden Persönlichkeiten aus unserem Verband (Bundes-, Landes- und BdV-Vorsitzenden) sowie von Oberbürgermeistern und Bürgermeistern der Städte Mannheim, Schwetzingen und Ilvesheim geehrt. Hans Bergel, Hermann Oberth sowie Persönlichkeiten vom Verein Geschichte Alt-Neckarau und den Banater Schwaben folgten Westers Einladung und bereicherten durch Lesungen, Vorträge und Ausstellungen das kulturelle Angebot.

Der Verband würdigte Johann Wester für seine Verdienste um die Kreisgruppe und unsere siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaf mit dem Silbernen und dem Goldenen Ehrenwappen (1987) sowie der Pro Meritis-Medaille (2011). Sein Erfolg war auch deshalb möglich, weil seine Frau Anni ihm stets zur Seite stand und alle Belastungen und Herausforderungen mittrug.

Die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft trauert um Johann Wester. Wir verneigen uns vor ihm und werden sein Andenken in Ehren halten. Anni, Karl-Heinz und Harald Wester mit Familien wünschen wir viel Kraft und Trost in dieser schweren Zeit des Abschiednehmens.

Hans-Holger Rampelt

Schlagwörter: Mannheim, Wester, Nachruf

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