13. Januar 2026
Freund und Unterstützer der Bistritzer Gemeinschaft: Zum Tod von Reinhold-Erich Kohlruss
Wir trauern um Reinhold-Erich Kohlruss, der am 15. Dezember 2025 im Alter von 96 Jahren in Erlangen verstarb. Geboren wurde er am 13. Oktober 1929 in Bistritz und verbrachte eine glückliche, sorgenfreie Kindheit in seinem wohlbehüteten Elternhaus. Seine Eltern Ernst Reinhold Kohlruss und Erna Kohlruss (geborene Beutler) entstammten alteingesessenen Bistritzer Familien.

Die 1945 von der Roten Armee erzwungene Rückkehr von Leipzig nach Bistritz war für ihn ein Einbruch der Wirklichkeit: das elterliche Vermögen weg, der Betrieb enteignet, das Haus geplündert, die Zukunftsperspektive verbaut, keine deutsche Schule mehr. Er musste sich verstecken, um nicht zur Zwangsarbeit nach Hunedoara verschleppt zu werden. Zum Abschluss seiner durch die Flucht unterbrochenen Schulausbildung besuchte er ab 1947 das rumänische Gymnasium und machte 1950 das Abitur. Doch als Sohn eines „Ausbeuters“ wurde ihm der Weg zu einem Studium verwehrt. Er machte eine Ausbildung zum Buchhalter. Seine erste Arbeitsstelle war bei dem Bistritzer Kommunalverwaltungsbetrieb „I.C. Frimu“. Später, aufgrund seiner Fähigkeiten, wurde er kaufmännischer Direktor der Kachelofenfabrik. 1953 heiratete er Magdalena Feinweber, die 1949, aus Südsiebenbürgen (Nadesch) stammend, als Junglehrerin nach Passbusch gekommen war und 1951 nach Bistritz wechselte. 1956 kam Sohn Norbert zur Welt. In diese Zeit fallen zahlreiche Ausflüge mit Freunden nach Colibița. Die Berge um Colibița waren ihm alle sehr vertraut und so oft wie möglich wurde auch später dieser vertraute Ort aufgesucht.
Zu Erichs 90. Geburtstag war uns es möglich, ihm einen Flug mit einer Kleinmaschine vom Jaader Flughafen aus zu organisieren. Sein Wunsch war es, einmal über all die Berge zu fliegen und die Orte, die er alle aus seiner Jugendzeit kannte, von oben zu sehen.
1969 erfolgte endlich, nach zehnjährigem Warten, die Auswanderung der Familie Kohlruss in die Bundesrepublik Deutschland, wo Würzburg ihre neue Heimat wurde. In Würzburg war er bis zu seinem Ruhestand als kaufmännisch Angestellter tätig. Das Leben in Freiheit genoss er in vollen Zügen und unternahm mit seiner Ehefrau viele gemeinsame Reisen. Eines seiner Hobbys, das Fotografieren, konnte er dabei voll ausleben. So gelang ihm auch später eine Dokumentation der großen Tore an den alten Patrizierhäusern von Bistritz, deren frühere Besitzer er alle noch kannte.
Als 2005 die Bistritzer Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen zu der bekannten Heimatsortsgemeinschaft Bistritz-Nösen als eingetragener Verein wurde, war er selbstverständlich als einer der ersten dabei, um zunächst als Kassenprüfer und später als Beiratsmitglied aktiv zu werden. Als Kenner der Bistritzer Geschichte war er gerne bereit, seine Kenntnisse an alle Interessierten weiterzugeben. Mehrere seiner schriftlichen Beiträge sind in dem Heimatbuch „Wir Nösner“ veröffentlicht worden.
Nach dem Tod seiner geliebten Magda im Jahr 2011 lebte er zunächst noch mehrere Jahre allein in Würzburg. Nach 2015 war er oft mit seiner guten Freundin Heide Wellmann in Bistritz, Würzburg und in den Bergen Österreichs unterwegs, solange es die Gesundheit zuließ. 2024, als seine Kräfte begannen nachzulassen, zog er um nach Erlangen, um in der Nähe seines Sohnes Norbert, seiner Schwiegertochter Ute und seiner Enkelkinder Jakob und Inka sein zu können.
Er war ein liebenswerter, humorvoller und großzügiger Mensch, der sich voll und ganz für seine Familie und Freunde einsetzte und sich in ungewöhnlich hohem Maß mit seiner Heimatstadt Bistritz identifizierte. Am 8. November 2025 nahm er noch in Nürnberg an der Mitgliederversammlung der HOG Bistritz-Nösen teil. Dort wurde er durch den Vorsitzenden des HOG-Verbandes, Thomas Schneider, für seine verdienstvolle ehrenamtliche Arbeit im Vorstand des Vereines mit der Silbernen Ehrennadel geehrt. Am 15. Dezember 2025 verstarb er in Erlangen ruhig und ohne zu leiden im Schlaf. Am 9. Januar 2026, anlässlich der Trauerfeier und der Urnenbeisetzung in Würzburg, läuteten in seiner geliebten Heimatstadt Bistritz die Kirchenglocken.
Mir war Reinhold-Erich, den ich schon als kleiner Junge kennenlernen durfte, ein guter Freund. In den letzten Jahren hatten wir einen regen Austausch, die Geschichte der Stadt Bistritz betreffend. Dank seines unermüdlichen Einsatzes ist es gelungen, 21 Bilder des Malers Gustav Gross, der sein Klassenkollege war, wieder nach Bistritz zu bringen. Die Begegnungen mit Erich Kohlruss waren von inniger Freude gekennzeichnet. Er fehlt mir, er fehlt uns allen, die wir mit Bistritz, unserer früheren Heimat, verbunden sind. Er möge in Frieden ruhen, wir werden seiner liebevoll und anerkennend gedenken.
Hans Franchy
Tief verwurzelt in Bistritz
Ja, so kannten, so liebten wir ihn. Ein Mensch, tief verwurzelt im Bistritzer Geschehen in unruhigen Zeiten, ein Mensch mit einer geistigen und seelischen Bindung zu seiner Heimatstadt wie wohl kein zweiter. Ein Mensch, der uns deutlich gezeigt hat, was positives Denken und Fühlen auch im hohen Alter ausmachen kann. Ein Mensch, an den wir gerne denken und von dem wir vieles in Erinnerung behalten können und auch wollen. Ein Mensch mit Vorbildcharakter für uns alle. Ich verneige mich vor seiner Leistung und seinem Beispiel.Horst Göbbel
Warmherzig und gütig
Auch ich verneige mich vor Erich Kohlruss, einem warmherzigen und gütigen Menschen. Seine offene und herzliche Art ist vielen von uns Schülern seiner geliebten Frau Magda Vorbild gewesen. Lieber Erich, du bist zwar von uns gegangen, doch deine Lebensgeschichten, dein Humor und dein offenes Herz bleiben in unseren Herzen lebendig. Wir tragen dich in Erinnerungen weiter – in den Gesprächen, in den Geschichten, die du mit uns geteilt hast, und in dem Geist der Heimat, den du uns so eindrucksvoll vor Augen geführt hast. Ruhe in Frieden.Inge Alzner
Schlagwörter: Nachruf, Bistritz
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