8. September 2006

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Begegnungsfest 2006 in Munster

Unter dem Motto "Zukunft braucht Hoffnung", das schon den Leitsatz zum diesjährigen Pfingsttreffen der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl abgegeben hatte, fand am 27. August das 14. Treffen der Siebenbürger Sachsen aus Norddeutschland statt, das traditionsgemäß alle zwei Jahre in Munster, der gastfreundlichen Stadt im Süden der Lüneburger Heide, von der Landesgruppe Niedersachsen/Bremen der Landsmannschaft veranstaltet wird. Mitgewirkt hat die Landesgruppe Hamburg/Schleswig-Holstein.
Angereist waren rund 430 Landsleute aus den entferntesten Ecken der vier Bundesländer, die diese beiden Landesgruppen umfassen. Es ist erfreulich, dass so viele Besucher gekommen sind, da auf der riesigen Fläche der erwähnten Bundesländer rund 2 000 Landsmannschaftmitglieder leben. Ein besonderer Höhepunkt war die Festrede unseres Bundesvorsitzenden Dipl.-Ing. Arch. Volker E. Dürr, der erfreulicherweise unserer Einladung gefolgt war.

Zur Sicherung unserer gemeinsamen Zukunft erhofft sich der Bundesvorsitzende Volker Dürr "im Sinne eines räumlich übergreifenden Gemeinschaftsbewusstseins ein Zusammenwirken aller Siebenbürger Sachsen mit dem Ziel der Erhaltung der siebenbürgisch-sächsischen Identität über die Erlebnisgeneration hinaus, damit siebenbürgisch-sächsische Kultur weiterhin besteht und unter Wahrung ihrer Identität in die neue Umwelt so integriert wird, dass auch die noch weiter auszubauenden siebenbürgischsächsischen Kulturinstitutionen weder geistig noch finanziell gefährdet sind."

Sachsentreffen in Munster, von links nach rechts: Bundesvorsitzender Volker Dürr, Helga-Anna Olah, Heinrich Olesch und Katharina Roth (alle drei wurden mit dem silbernen Ehrenwappen ausgezeichnet) sowie Landesvorsitzender Volkmar Gerger. Foto: Hans-Detlev Buchner
Sachsentreffen in Munster, von links nach rechts: Bundesvorsitzender Volker Dürr, Helga-Anna Olah, Heinrich Olesch und Katharina Roth (alle drei wurden mit dem silbernen Ehrenwappen ausgezeichnet) sowie Landesvorsitzender Volkmar Gerger. Foto: Hans-Detlev Buchner

Dürr erinnerte in seiner Festrede an die Tiefen des Zweiten Weltkrieges, die Bundespräsident Horst Köhler als einen "von Deutschen begangenen Zivilationsbruch" verurteilt hatte. Köhler hatte in einer Rede zum Gedenken an das Kriegsende vor 60 Jahren zugleich die Trauer um alle Opfer, auch die des eigenen Volkes, zugelassen. Viele Siebenbürger Sachsen seien durch die Schrecken des Krieges tief getroffen worden, führte Dürr aus. Die meisten von ihnen seien "von diesem furchtbaren Sturm der Geschichte aus ihrer 850-jährigen geliebten Heimat vertrieben worden". Die Flüchtlingstrecks der Nordsiebenbürger und die Deportation in die Sowjetunion "markieren das Ende der deutschen Siedlungsgruppen in Südosteuropa als lebendige, eigenständig agierende und sich selbst bestimmende Gemeinschaften", sagte der Bundesvorsitzende. Den meisten Landsleuten sei es gelungen, "aus dem Scherbenhaufen der Geschichte sich eine neue Existenz und Heimat aufzubauen". "Sie, meine lieben Landsleute, sind diejenigen, die ihre Heimat verloren, am Aufbau einer neuen entscheidend mitgewirkt und sich darüber hinaus für Versöhnung eingesetzt haben und noch einsetzen. Ihre Bereitschaft, die Vergangenheit zu ehren, indem man sie versteht und bewahrt, öffnet die Tür zu etwas Neuem, zu einem ‚gemeinsamen Haus', das für künftige Generationen Heimat werden könnte", betonte der Bundesvorsitzende. Die Heimatvertriebenen hätten als "unsichtbares Fluchtgepäck zusätzlich zu ihrer kulturellen Identität auch ihre interkulturelle Kompetenz mitgebracht und eingebracht", die einen Gewinn für Deutschland bedeuten.

Nach Beseitigung des Eisernen Vorhangs entwickele sich "ein neues Weltbild von globaler Dimension, in welchem Brückenschlag und Brückenbau Voraussetzung für ein gedeihliches Miteinander sind. Wir Siebenbürger Sachsen haben in unserem neuen Lebensumfeld, wo auch immer auf der Welt, bewiesen, dass wir im Frieden neue Heimat aufbauen können: Tüchtig und erfolgreich und dabei immer dem Ganzen treu dienend mit Menschlichkeit, Willen zur Versöhnung und Freundschaft", sagte der Bundesvorsitzende.

Ein Beleg unserer bisher erfolgreich ausgeübten Brückenfunktion sei die seit Jahrzehnten betriebene grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf sozialem und kulturellem Gebiet. Die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland sei mit ihrer Jugendorganisation, der SJD, darum bemüht, "das Netzwerk der Partnerschaften, das wir mit unseren Landsleuten in Kanada, den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Österreich und Siebenbürgen geschaffen haben, innerhalb der bereits 1983 gegründeten Föderation der Siebenbürger Sachsen weiter auszubauen. Mit den jährlich stattfindenden Jugendlagern und dem Austausch von Kulturgruppen und der im Internet eingerichteten Jugendaustauschplattfarm haben wir uns bereits eine lebendige und solide Ausgangsposition geschaffen."

In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Heimatsortsgemeinschaften habe sich die Landsmannschaft "für den Ausbau bereits bestehender Städtepartnerschaften, zum Beispiel zwischen Landshut und Hermannstadt und für die Gründung zukünftiger Städtepartnerschaften wie der zwischen Dinkelsbühl und Schäßburg, aktiv eingesetzt. Der Rat unserer langjährigen Partnerstadt Dinkelsbühl werde gemeinsam mit einer Ratsdelegation der Stadt Schäßburg in einem Festakt am 29. September 2006 in Dinkelsbühl die Partnerschaftsurkunden unterzeichnen. Als Initiatorin dieser Partnerschaft werde sich die Landsmannschaft sowohl an dem Festakt als auch an dem anschließenden Treffen der Heimatsortsgemeinschaft Schäßburg in Dinkelsbüh aktiv beteiligen. Des Weiteren bekundete der Bundesvorsitzende die Hoffnung, dass unsere in Siebenbürgen lebenden Landsleute und alle Mitbürger Rumäniens in naher Zukunft in der erweiterten europäischen Völkergemeinschaft Heimat finden werden.

Dem 50-jährigen Jubiläum seit Übernahme der Patenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen für die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland sei 2007 eine Feierstunde im Düssdeldorfer Landtag unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Dr. Jürgen Rüttgers gewidmet. Dies solle auch der Auftakt der Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtage 2007 in Düsseldorf sein. Die hierfür geplanten Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Vorträge sollen thematisch berücksichtigen, dass im selben Jahr Luxemburg und Hermannstadt europäische Kulturhauptstädte sind, kündigte der Bundesvorsitzende an.

Die Andacht hielt Pfarrer Egon Eisenburger über Galater 2, 20: "Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir ..." Daraus einige Gedanken: Wie der Apostel Paulus in seinen neuen Charakter geprägt gewesen sei durch die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus, so sei auch das christliche Leben der Siebenbürger Sachsen durch acht Jahrhunderte in Schule, Nachbarschaftsleben und Kirche geprägt worden im Sinne der vier Worte: "Wir sind Christen!" In dieser Gesinnung habe der Gubernator von Siebenbürgen, Freiherr von Brukenthal, an seinem Wahlspruch festgehalten: "Fides genusque servabo" - deutsch: "Meinem Glauben und Volk bleibe ich treu." In der Gesinnung hilfreichen Glaubens habe sich Stephan Ludwig Roth als Pädagoge, Volkserzieher und Pfarrer für eine bessere Zukunft der Sachsen eingesetzt. Zuletzt bekannte Roth: "Mein gutes Bewusstsein wird mich auf dem letzten Gsnge trösten. Gott sei mir gnädig und führe mich ins Licht." Pfarrer Egon Eisenburger betonte: "Im Christusglauben zu leben ist und bleibt für uns hoffnungsvolle Orientierung in die Zukunft."

Die Festveranstaltung in Munster hatte Volkmar Gerger, der Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen-Bremen der Landsmannschaft eröffnet und dabei mehrere Ehrengäste begrüßen dürfen, unter ihnen den 1. Stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Munster Adolf Köthe, in Vertretung des Bürgermeisters der Stadt Klaus Westerkowski, sowie Reinhold Schwind, Pastor der St. Urbani Kirche in Munster. Der Vizebürgermeister würdigte in seinem Grußwort die gelungene Integration die Siebenbürger Sachsen ins Gesellschaftsleben seiner Stadt und des Bundeslandes und verwies dabei auf ihre althergebrachte Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit. Im Folgenden berichtete er über Fragen und Ereignisse, die Stadt Munster betreffend. Bürgermeister Westerkowski wurde in Anerkennung seines Verständnisses und Engagements für siebenbürgische Anliegen und deren Einbeziehung in das Leben der Stadt Munster sowie in dankbarer Anerkennung seiner tatkräftigen Unterstützung landsmannschaftlicher Arbeit und Brauchtumspflege das Goldene Ehrenwappen verliehen. Das Goldene Ehrenwappen wurde auch Pastor Reinhold Schwind für seine großzügigen Geldspenden an das Sozialwerk für das Altenheim in Schweischer in Siebenbürgen verliehen. Der Geistliche bedankte sich und betonte, dass er die Auszeichnung gerne annehme für all diejenigen, die durch die Organisation von Basaren und anderen Aktionen, diese Spenden möglich gemacht haben. Die Verleihung von zwei Goldenen Ehrenwappen, drei Silbernen Ehrenwappen und zwölf Ehrenurkunden wurden von Volker Dürr und Volkmar Gerger gemeinsam vorgenommen.

Belebt wurde die Festveranstaltung durch die Darbietungen der hervorragend eingestimmten Siebenbürger Blaskapelle Wolfsburg unter Günther Bodendorfer, die mit einem Strauß bunter Melodien in bewährt mitreißender Art das heitere Zusammensein der Landsleute durch den Tag begleitete. Dazu kamen die Auftritte des von Hedi Schumann geleiteten Wolfsburger sächsischen Chors, der vertraute Heimatlieder erklingen ließ, sowie der "Kultur- und Trachtengruppe Kokeltaler" aus Wolfsburg, die, angeleitet von Harald Hermann, schwungvolle Reigen zum Besten gab. In der Festhalle, wo als Blickfang in einer Ecke eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung mit siebenbürgisch-sächsischer Volkskunst, mit Stickereien und Keramik eingerichtet worden war, feierten die Gäste bei Wiedersehensfreude und guten Gesprächen, schwangen auch gehörig das Tanzbein bis in die späten Nachmittagsstunden und fühlten sich im besten Wortsinne "daheim", nicht ohne das gesunde Selbstbewusstsein, mit dem sie an Überliefertem festhalten.

Am Schluss des Tages hatten wir vielen zu danken, die in ehrenamtlichem Einsatz zum eindeutigen Gelingen des Treffens beigetragen hatten. Dazu gehörten aus dem Landesvorstand der Kultur- und Jugendreferent Kurt Freitag sowie Kassenwart Michael Salmen, vor allem aber die Leute aus der landsmannschaftlichten Kreisgruppe Lüneburger Heide mit ihrem Vorsitzenden Wilhelm Olah und dessen Gattin Helga, mit Johann Wotsch und dessen Tochter Agathe, mit Traute und Knut Andersen, Ottmar und Heinrich Olesch sowie Katharina Roth, die allesamt als Gastgeber in Munster den größten und anspruchvollsten Teil der Vorbereitungsarbeiten zu bewältigen hatten. Ihre Aufgabe haben sie hervorragend gemeistert. Besonders erfreulich ist, dass viele Jugendliche in sächsischer Tracht zugegen waren. Ihnen gebührt mein besonderer Dank.

Volkmar Gerger


Link:

Fotoalbum des "Nordlichtertreffens 2006"

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 14 vom 15. September 2006, Seite 3)

Schlagwörter: Treffen, Norddeutschland

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