8. Dezember 2011

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Freimaurer in Siebenbürgen

Thomas Şindilariu, Leiter des Archivs der evangelischen Honterusgemeinde Kronstadt, ist als Historiker und vielseitig aktiver Siebenbürger bekannt. Sein unlängst erschienener Band „Freimaurer in Siebenbürgen 1749-1790. Die Loge ‚St. Andreas zu den drei Seeblättern‘ in Hermannstadt (1767-1790). Ihre Rolle in Gesellschaft, Kultur und Politik Siebenbürgens“ ist ein neuer Beleg seines akribischen wissenschaftlichen Arbeitens.
Das Werk ist aus Şindilarius Magisterarbeit, die er vor über zehn Jahren an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität hinterlegt hat, hervorgegangen. Daraus entstand nun ein vollständig überarbeiteter Text, in dem auch die neueste Literatur zum Thema Freimaurer berücksichtigt wurde. Şindilarius Recherchen sind auf die Freimaurer Siebenbürgens in den Jahren 1749 bis 1790 fokussiert. 250 Personen aller Nationalitäten der Provinz sind als Freimaurer jener Zeit nachweisbar. Sie prägten – nicht nur in der behandelten Zeit – den vielfachen kulturellen Austausch in Siebenbürgen, förderten die Kommunikation mit dem abendländischen Ausland und waren damit primäre Initiatoren des Fortschritts auf allen Ebenen des Lebens in Siebenbürgen.
Die Freimaurerei, auch Königliche Kunst genannt, versteht sich gemäß dem Internet-Lexikon Wikipedia als „ein ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlich optimalen Verhalten führt. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Diese Tugenden sollen durch die praktische Einübung im Alltag gelebt werden. Nach ihrem Selbstverständnis vereint die Freimaurerei Menschen aller sozialer Schichten und Glaubensvorstellungen“.
Şindilarius Arbeit präsentiert den aktuellen Forschungsstand in Europa zu diesem Thema. Ausführlich wird der historische Zeitrahmen thematisiert, also auch die Zeit der Eingliederung Siebenbürgens in die Habsburgermonarchie, das ­Sozietäts-(Vereins)-Wesen mit besonderer Berücksichtigung der Freimaurerei in Ungarn und Siebenbürgen.
Dem Titel der Arbeit entsprechend werden die Freimaurerlogen in Hermannstadt und besonders die 1777 gegründete Loge St. Andreas zu den drei Seeblättern behandelt. Kurz ausgeführt werden auch Daten über andere Logen in Siebenbürgen und der ­Bukowina. Zum inhaltlichen Wirken der St.-Andreas-Loge gehörte u.a. die Realisierung eines Mineralienkabinetts und einer botanischen Sammlung in Hermannstadt. Ebenfalls dort funktionierte ein von der Loge initiiertes Lesekabinett. In einem weiteren Kapitel analysiert der Autor die Informationen über die Mitglieder der Loge und zwar ihre konfessionelle, ethnische und berufliche Identität. Die Logenquartiere (zum Teil mit Abbildungen) werden genannt. Besonders wertvoll für die Forschung ist die tabellarische Erfassung aller Logenmitglieder mit Titeln, Herkunft, Karriere, Leistungen etc. Ebenso wertvoll sind die auf nahezu 30 Seiten angegebenen Quellen zum Thema, wie z. B. die Akten des Hermannstädter Staatsarchivs, Protokolle, Diplome und Kassenübersichten, aber auch weitere ungedruckte und gedruckte Primärquellen sowie fast 500 veröffentlichte Darstellungen über die Freimaurer.

HvK

Thomas Şindilariu: „Freimaurer in Siebenbürgen 1749-1790. Die Loge ‚St. Andreas zu den drei Seeblättern‘ in Hermannstadt (1767-1790). Ihre Rolle in Gesellschaft, Kultur und Politik Siebenbürgens“, Aldus Verlag/Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde (Veröffentlichungen von Studium Transylvanicum 7), Kronstadt, Heidelberg 2011, 236 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-929848-88-5.

Schlagwörter: Rezension, Freimaurer

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