14. September 2013

Cristian Ţopescu ist erster „Botschafter der Kirchenburgen“

„Kulturtourismus ist eine Kraft, aber ob diese Kraft uns auch hierzulande nährt? Fakt ist, dass die Kirchenburgen bekannter im Ausland sind als zu Hause. Das wollen wir ändern“, unterstrich Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabă in seinem Vortrag anlässlich der Verleihung des Titels „Kulturbotschafter der Kirchenburgen“ an den rumänischen Sportjournalisten Cristian Ţopescu. Die Feier fand am 30. August in der Kirchenburg Honigberg statt, deren dreischiffige Basilika und Mauergürtel mit einer Fläche von rund 14500 qm zu den imposantesten Bauensembles ihrer Art zählen. Die innere Ringmauer ist zwölf Meter hoch und vier Meter dick, die sieben Türme sind an den Außenecken ebenfalls mit Gemäuern verbunden – und bis heute vorbildlich bewahrt.
Für die heutige Mitwelt halten derart gepflegte Kirchenburgen einmalige Einblicke in die Geschichte Siebenbürgens bereit. Doch spätestens seit der großen Auswanderung der Siebenbürger Sachsen müssen die wertvollen evangelischen Sakralbauten von geschrumpften Gemeinden mit geringen finanziellen Mitteln erhalten werden. Es ist nicht der erste Wendepunkt in der 800-jährigen sächsischen Vergangenheit Siebenbürgens. „Mehrmals im Laufe der Jahrhunderte haben die Kirchenburgen einen maßgeblichen Wandel über sich ergehen lassen“, betonte Pfarrer Cosoroabă. Ursprünglich katholische Sakralbauten, wurden sie später evangelische Kirchen, daraufhin Festungen, die die Dorfbewohner vor fremden Angriffen schützten, und schließlich „Gesellschaftszentren” mit Klassenzimmern, Kindergärten, Räumen der Nachbarschaften, Probesälen für Chöre, Blaskapellen und Konfirmandenunterricht.
Cristian Ţopescu bedankte sich für den ...
Cristian Ţopescu bedankte sich für den Ehrentitel. Foto: Beatrice Ungar
„Die Chöre sind verstummt, die Blaskapellen haben ihre Instrumente zurückgelassen, die Nachbarschaften wurden aufgelöst. Was wird in zehn Jahren sein? Was wird in fünfzig Jahren sein?“, fragte Cosoroabă. Seine Ansprache wurde von Fotografien des Bildhauers Peter Jakobi untermalt, die auf eine Leinwand in der Kirche projiziert wurden und die aktuelle Lage der Kirchenburgen veranschaulichten. Den musikalischen Rahmen gestaltete meisterhaft der Organist Wolfgang Karius aus Aachen mit Musik aus dem 17. und 18 Jahrhundert, gekrönt von Bach’schen Choralbearbeitungen.

Zwar gehören Birthälm, Deutsch-Weißkirch, Kelling, Tartlau, Keisd sowie die Altstadt von Schäßburg zum UNESCO-Weltkulturerbe – doch dies bedeute nicht, dass die Zeit keine Spuren in den alten Mauern hinterlasse, argumentierte der Pfarrer. Die Schwarze Kirche in Kronstadt sei mit beinahe 200000 Touristen im Jahr sehr wohl in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Doch die UNESCO-Kirchenburg Wurmloch werde jährlich von nur etwa eintausend Touristen aufgesucht.

Das Projekt „Entdecke die Seele Siebenbürgens“, das unlängst von der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien ins Leben gerufen wurde, zielt darauf, die Institutionen, die Medien und die breite rumänische Öffentlichkeit auf die Kirchen und Kirchenburgen aufmerksam zu machen und den Kulturtourismus zu fördern. Und damit die Stimme der wertvollen Bauten deutlicher gehört wird, soll sie fortan auch von namhaften Mittlern weitergetragen werden. Der erstmalig verliehene Ehrentitel „Kulturbotschafter der Kirchenburgen“ ist aus der Tradition der UNICEF inspiriert, bei der berühmte Persönlichkeiten für gemeinnützige Zwecke werben. In der siebenbürgischen Variante geht es darum, eine Lücke zu schließen, die zwischen den historischen Bauten und den neuen Dorfgemeinschaften bzw. der rumänischen Gesellschaft großteils besteht. Nur wenn sich auch die örtliche Bevölkerung, unabhängig von Sprache und Religion, mit diesen Bauwerken identifiziere, könnten die Kirchenburgen weitere Jahrhunderte überdauern, so Cosoroabă. „Cristian Ţopescu wird in dieses Ehrenamt berufen, weil er eine Persönlichkeit der Öffentlichkeit ist, die großen Respekt genießt. Diesen hat er sich im Laufe der Jahrzehnte erworben, da er bei der Fernsehberichterstattung stets höhere professionelle und ethische Maßstäbe setzte und lebte“, betonte Bischof Reinhart Guib, der den Festakt in Honigberg vornahm. Die von ihm verliehene Urkunde besagt: „Die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien ernennt Herrn Cristian Ţopescu, geboren am 26. März 1937 in Bukarest, zum Kulturbotschafter der siebenbürgischen Kirchenburgen. Mit dieser Akkreditierung erhält Herr Cristian Ţopescu den Auftrag und das Recht, für unsere 170 Kirchenburgen, Wehrkirchen, Kirchen und Bauernburgen öffentlich zu sprechen und sich für ihre Zukunft einzusetzen.“

Der neue Botschafter ist Absolvent der Bukarester Sporthochschule und insbesondere als Sportmoderator in Rumänien bekannt. Er moderierte sportliche Großereignisse wie die Olympischen Spiele 1976 in Montréal, wo Nadia Comăneci als erste Turnerin der Geschichte die Höchstnote erzielte, sowie das Fußballspiel in Sevilla im Jahr 1986, mit dem der Verein Steaua Bukarest den Europapokal der Landesmeister gewann. Ţopescu ist Mitglied des Journalistenverbands und des Verbands der rumänischen Sportpresse sowie des rumänischen Olympischen Komitees und wurde von Staatspräsident Traian Băsescu mit dem Orden im Grad eines Brigadegenerals gewürdigt. Von 2008 bis 2012 bekleidete er seitens der Nationalliberalen Partei einen Senatorenposten im rumänischen Parlament. Über seine Frau, die Chefredakteurin der deutschen Sendung im rumänischen Fernsehen TVR, Christel-Ungar Ţopescu, trat er in Kontakt zu der siebenbürgisch-sächsischen Kultur, der deutschen Sprache und dem evangelischen Glauben. „Es ist für mich eine große Ehre, eine Botschaft der evangelischen Kirche in die Öffentlichkeit zu tragen“, sagte Cristian Topescu. „Diese Botschaft wurde hierzulande bisher leider kaum wahrgenommen, doch ich möchte meinen Beitrag für die Rettung der Kirchenburgen und die Entwicklung des Kulturtourismus leisten und auch andere Persönlichkeiten der Öffentlichkeit für ein diesbezügliches Engagement begeistern. Denn nirgendwo in Europa gibt es ein vergleichbares Architekturensemble.“ Der Sportjournalist ergänzte seine Dankesrede mit der Erwähnung wichtiger sächsischer Persönlichkeiten aus der Sportwelt und mit dem Zitat „Das Böse kann sich nicht verbreiten, wenn die guten Menschen etwas tun.“

Christine Chiriac

Schlagwörter: Kirchenburgen, Botschafter

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