16. April 2014

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Neubauten verdrängen unsere Kirchen: Grenzfälle und Verstöße gegen den Denkmalschutz

2004 und 2005 hat Peter Jacobi mit Bildern verlassener Gebäude und verrottender Gerätschaften auf die Gefahr siebenbürgisch-sächsischer Kirchenburgen hingewiesen, die dem Verfall preisgegeben sind. Es war ein Aufschrei, der wie ein „Paukenschlag“ in der siebenbürgisch-sächsischen und rumänischen Öffentlichkeit gewirkt habe, stellte Bundeskulturreferent Hans-Werner Schuster bei der Eröffnung der Fotoausstellung „Siebenbürgischer Pilgerweg“ Ende letzten Jahres in Heidenheim fest (diese Zeitung berichtete).
In derselben Ausstellung zeigte Peter Jacobi 2013 entstandene Fotos, die Grenzfälle und Verstöße gegen den Denkmalschutz verdeutlichen. Rumänische Behörden und orthodoxe Kirchen errichten Neubauten in unmittelbarer Nähe siebenbürgisch-sächsischer Denkmäler. Peter Jacobi kritisiert diesen verantwortungslosen Umgang mit unserem Kulturerbe: „Die für die Baugenehmigungen zuständigen Organe sind mit großer Brutalität vorgegangen.“ Das Gesetz sehe vor, dass Neubauten nur unter Wahrung eines Mindestabstandes gegenüber historischen Denkmälern errichtet werden dürfen. In Schellenberg sei das Rathaus gerade mal zehn Meter von der einstigen Ringmauer der Kirche gebaut worden. „Die gut erhaltene und nicht unwichtige Kirche ist praktisch ganz verdeckt, gerade noch durch einen Spalt sichtbar“, betonte Jacobi. Weitere Grenzfälle des Denkmalschutzes werden in den nächsten Ausgaben dieser Zeitung vorgestellt. Die evangelische Kirche in Schellenberg wird vom ...Die evangelische Kirche in Schellenberg wird vom neuen Rathaus fast ganz verdeckt und ist kaum noch sichtbar. Foto: Peter Jacobi Der Parlamentarier des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien im Parlament in Bukarest, Ovidiu Ganţ, bestätigte in einem Gespräch mit der Siebenbürgischen Zeitung, dass Bausünden, wie sie von Peter Jacobi aufgezeigt wurden, seit Jahren ein generelles Problem in Rumänien seien. Tausende orthodoxe Kirchen würden chaotisch gebaut an zum Teil unmöglichen Standorten. Die Gesetzgebung sei zwar in ausreichendem Rahmen gegeben, aber die Verwaltungen, die Bürgermeister, erteilten die Baugenehmigungen unter fragwürdigen Bedingungen, sagte der Parlamentarier. Dies sei ein allgemeines Phänomen, das nicht speziell gegen die deutsche Minderheit gerichtet sei, unter dem sie aber gleichwohl zu leiden hätte. Der einzige Weg sei, dass Betroffene rechtzeitig gegen die Baugenehmigung klagen.

Siegbert Bruss

Schlagwörter: Denkmalpflege, Jacobi, Rumänien und Siebenbürgen

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