19. Juni 2014

Rumänien tritt dem Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität bei

Am 28. Mai 2014 ist Rumänien als fünftes Land dem Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität beigetreten. In Bukarest unterzeichneten die für Kultur zuständigen Minister Hunor Kelemen (Rumänien) und Bogdan Zdrojewski (Polen) sowie die Botschafter Ondrej Krajňák (Slowakische Republik), Botond Zakonyi (Ungarn) und Werner Hans Lauk (Deutschland) die Deklaration.
Der Beitritt Rumäniens sei ein großer Erfolg für das Europäische Netzwerk, freut sich Professor Dr. Matthias Weber, Direktor des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) in Oldenburg und Deutscher Koordinator des Europäischen Netzwerks Erinnerung und Solidarität. „Das ist eine gute Nachricht. Damit gewinnt das Netzwerk einen starken Partner. In die Erinnerung der Europäer an das 20. Jahrhundert bringt Rumänien ganz eigene historische Erfahrungen ein.“

Zum Hintergrund: 2014 jährt sich der Fall des Eisernen Vorhangs, der Europa über Jahrzehnte geteilt und bis heute fortwirkende unterschiedliche Erfahrungswelten geschaffen hat, zum 25. Mal. Deutschland und seine östlichen Nachbarn erinnern sich dankbar an die „friedlichen Revolutionen“ von 1989. Sie haben das Ende des Kommunismus herbeigeführt und den Weg in die Freiheit geebnet. In Rumänien musste die „Wende“ in schweren Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht erkämpft werden, bei denen mehr als 1000 Personen zu Tode kamen.

Matthias Weber weist auch auf das Jahr 1944 und die Landung der Alliierten am 6. Juni in der Normandie hin, deren 70. Jahrestag in dieser Woche in Nordfrankreich feierlich begangen wird. Dabei sollte nach Ansicht des deutschen Netzwerk-Koordinators „nicht vergessen werden, dass auch mit dem Frontwechsel Rumäniens am 23. August 1944 und der anschließenden Beteiligung des Landes am Kampf gegen das Dritte Reich der Krieg um mehrere Monate verkürzt wurde. Damit wurde das Leid aller Europäer schneller beendet. Dass mit der damit einhergehenden Besetzung Rumäniens durch die Rote Armee die Herrschaft eines diktatorischen Regimes durch die eines anderen ersetzt wurde, führt uns eine Ambivalenz vor Augen, die nicht nur in Rumänien, sondern auch in anderen Ländern Ostmittel- und Südosteuropas mit diesem 70. Jahrestag verbunden wird.“

Dies sei ein Beispiel dafür, dass die Menschen in den Ländern Europas jeweils eigene zeitgeschichtliche Erfahrungen und Erinnerungen hätten, betont Weber. Er hoffe, dass bald auch weitere Länder dem Netzwerk beitreten werden.

Das Europäische Netzwerk Erinnerung und Solidarität möchte die unterschiedlichen, zum Teil gegensätzlichen Perspektiven der Europäer bewusst machen sowie das Vertrauen und Verständnis füreinander fördern. Die Initiative wird von den Kulturministern der Mitgliedsländer Polen, Slowakei, Ungarn und Deutschland geleitet. Der Beitritt Rumäniens verweist auf den Erfolg der bisherigen Arbeit und zugleich auf das diesem Projekt innewohnende Potential. Aktuelle Projekte wie „Freedom Express“ und das European-Remembrance-Symposium werden zunehmend international wahrgenommen (www.enrs.eu).

Schlagwörter: Europa, Gedenken, Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa

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  • 19.06.2014, 11:44 Uhr von TAFKA"P_C": "Damit wurde das Leid aller Europäer schneller beendet." Und das Leid von wesentlich mehr Menschen ... [weiter]

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