4. Juni 2017

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Dr. Alfred Schuster zeigt im bayerischen Glonn seine Karpatenfotos

Wenn die Südkarpaten demnächst einen Tourismus-Boom erleben, dann mag der Vortrag von Dr. Alfred Schuster am 13. Mai in der Glonner Klosterschule daran mitschuldig sein. Im Ernst: Der Vortragssaal der Glonner Klosterschule war bis auf den letzten Platz besetzt, als Fred Schuster seinen über 60 Zuhörern die Fogarascher, Bucegi, Cindrel, Retezat und die anderen Gebirgsketten näher brachte.
Passend zu den sehr unterschiedlichen geographischen Vorkenntnisse seiner Zuhörer zeigte Fred Schuster zunächst auf einer großen Schullandkarte aus den 1960er Jahren die europäischen Gebirgszüge von den Alpen bis nach Südosteuropa, um dann Einzelheiten zum Karpatenbogen zu erläutern. Neu für viele: Während die Alpen sich erst vor etwa 35-40 Millionen Jahren durch Faltung aufrichteten, sind die Karpaten mit rund 100 Millionen Jahren deutlich älter. Dr. Schuster berichtete von Begegnungen, erzählte Anekdoten und machte die Landschaft somit fassbar und erlebbar. Brachte dem Publikum die rumänische Bergwelt ...Brachte dem Publikum die rumänische Bergwelt näher: Alfred Schuster mit seinem neuen Karpaten-Bildband. Foto: Konrad Klein Mit seinen Bildern, die den Blick in eine längst vergangene Zeit eröffneten, illustrierte der Referent das Leben eines Geologen, der den Sommer über in den Bergen arbeitete, selten auf Touristen traf, dafür aber viele Feierabende in Sennhütten bei Maisbrei und Käse verbrachte. Wir sahen Hirten in ihren langen Schafpelzen und lernten, dass diese – mit der Wolle nach außen – ihre Träger im Sommer vor Regen schützen, und im Winter – mit der Wolle nach innen – die Kälte draußen halten; bei Nacht dienen sie wiederum auf der Pritsche ausgebreitet als wärmendes Bett. Fred Schuster zog meist sein „Tausend-Sterne-Hotel“ der Sennhütte vor. Dabei erwachte er in einer Nacht plötzlich, weil sich feine Regentropfen auf seinem Gesicht breit machten. Nach wenigen Minuten, als er völlig wach war, erwiesen sich diese als Flöhe. In einer anderen Nacht wurde ihm plötzlich warm und feucht im Gesicht: einer der Hunde hatte dieses als Salzquelle genutzt. Noch spannender, ja gefährlich waren die Begegnungen mit Bären, sieben insgesamt, teils aus unmittelbarer Nähe; alle verliefen zum Glück glimpflich.

Wir lernten auch einiges über die blaue Farbe an rumänischen Bauern- und Hirtenhäusern: je reicher der Mann, umso dunkler ist das Blau seines Hauses. Andererseits hat das Blau auch eine Schutzfunktion: Fliegen meiden diese Farbe. Diese Jahrhunderte alte empirische Kenntnis rumänischer Hirten wurde jüngst von amerikanischen Wissenschaftlern in langwierigen Untersuchungen bestätigt.

Mit einer Reverenz „an die Damen im Publikum“ beendete Alfred Schuster seinen ebenso spannenden wie informativen Vortrag, einem Bilder-Strauß von Edelweiß, Enzian, Knabenkraut, Glockenblumen und natürlich der duftenden Karpaten-Alpenrose. Die Zuhörer dankten mit langem Beifall, und der Bitte nach Wiederholung in einem anderen Kreis.

Joachim Hellriegel

Schlagwörter: Vortrag, Bilder, Fotograf, Karpaten

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