21. Juli 2017

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Leben und Schaffen eines Lehrers: Richard Waldemar Mildt starb im Alter von 94 Jahren in Köln

Am 12. Mai dieses Jahres ist Richard Waldemar Mildt im gesegneten Alter von 94 Jahren verstorben. Über sein Wirken als Lehrer und seinen unermüdlichen Einsatz für das Gemeinschaftsleben der Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen und später in Deutschland wurde schon oft geschrieben. So erschien zum Beispiel anlässlich seines 90. Geburtstages in der Siebenbürgischen Zeitung vom 20. Januar 2013 eine umfassende Würdigung seines gesamten Wirkens. Was kann dem noch als Nachruf hinzugefügt werden? Was bleibt uns als Besonderes von diesem erfüllten Leben in Erinnerung?
Da sind zunächst seine Energie und der Ehrgeiz, immer das Beste aus seinen Schülern herauszuholen und diese Leistungsstärke im sportlichen Wettbewerb bestätigt zu sehen. Richard Waldemar Mildt war Lehrer aus Überzeugung und Leidenschaft und hat an verschiedenen Schulen unterrichtet – in Gergeschdorf (1949-1957), Blutroth (1957-1960), Karlsburg (1960-1969) und Urwegen (1969-1983). An jeder Schule hat er neben dem Unterricht auch den Kinderchor aufgebaut und geleitet und in Wettbewerben auf regionaler und Landesebene zu Höchstleistungen geführt, ebenso Turngruppen und Theatergruppen, Erwachsenenchöre usw. Immer wieder ging es um Spitzenleistungen im sportlichen Vergleich mit anderen Schulen und Gruppen. Viele Generationen von Kindern haben unter seiner Anleitung nicht nur schulische Inhalte gelernt, sondern auch die Lebenseinstellung, dass Wissen und Können durch Arbeit und Fleiß ständig ausgebaut werden müssen, um sich dann im Vergleich mit anderen bestätigen zu können. Dabei war es egal, ob es Kinder in einer deutschen oder einer rumänischen Schule waren, Richard Mildt hat sie als Lehrer alle gefördert und gefordert. Besonders sei noch seine Gründung einer Schule für die Kinder von Sinti und Roma am Rande von Gergeschdorf erwähnt. Richard Waldemar Mildt, 2012. Foto: Helmut Mildt ...Richard Waldemar Mildt, 2012. Foto: Helmut Mildt Auch für sich selbst hatte Richard Mildt den Anspruch, in allem immer der Beste zu sein. Dass dieses Streben oft erfolgreich war, beweisen die zahlreichen Anerkennungen, Ernennungen und Diplome, die er im Laufe der Zeit bekommen hat, so zum Beispiel „ehrenamtlicher Schulinspektor für das Zekeschgebiet“, Medaille „Merite Sportive“ der Region Mühlbach für Tätigkeiten als Schultrainer, 1963 Jahrgangsbester in der Prüfung zur zweiten Lehramtsstufe in Temeswar, 1966 Prüfung zur ersten Lehramtsstufe mit Höchstnote – als erster deutscher Lehrer in Rumänien. Er war auch immer Vortragender von Gedichten oder Reden, es gab keine Veranstaltung, wo er dabei war und seine Stimme nicht gehört wurde. Dieses „vorne Stehen“ brachte auch Nachteile – in der NS-Zeit fiel er ebenso als Leistungsträger auf und wurde zu verschiedenen Führungsrollen verpflichtet, danach folgten Krieg und Gefangenschaft, schwere Zeiten. Doch der Wille, Bester zu sein und als solcher Bestätigung zu finden, blieb während seines ganzen Lebens ungebrochen, auch nach der Aussiedlung nach Deutschland 1989. Da ging es mit ehrenamtlichen Tätigkeiten und Anerkennungen weiter – als Vorsitzender der Kreisgruppe Köln der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, Auszeichnung mit Silbernem und Goldenem Ehrenwappen der Landsmannschaft, Leiter des Seniorenkreises mit dem Ruf einer „kleinen Volkshochschule“, Bibelkreis – alles Beweise seiner fortwährenden geistigen und physischen Leistungsstärke.

Beeindruckend bleibt die große Anzahl von Beiträgen, die Richard Mildt zur Dokumentation von Kultur und Geschichte der Siebenbürger Sachsen geleistet hat. In zahlreichen Zeitungsartikeln in Rumänien und Deutschland (Siebenbürgische Zeitung, Urweger Informationsblatt, Hermannstädter Zeitung, Karpatenrundschau, Neuer Weg usw.) hat er Wissen über die Siebenbürger und ihre Traditionen vermittelt, das für alle nachfolgenden Generationen von großem Wert bleiben wird. Auch seine Erfahrungen als Lehrer hat er in Artikeln und Beiträgen in pädagogischen Zeitschriften an spätere Generationen weitergegeben. Schließlich sind insbesondere seine beiden Ortsmonographien über Urwegen und Martinsdorf zu erwähnen („700 Jahre Urwegen“ und „Martinsdorf. Eine siebenbürgisch-sächsische Gemeinde im Wandel der Zeiten“), die zu den besten Büchern dieser Art gehören.

Neben all diesem Einsatz für Schule, Lehramt, Kultur und Sport blieb noch genug Zeit für ein harmonisches Familienleben, für seine leider schon 15 Jahre vor ihm verstorbene Ehefrau, seinen Sohn und Enkel, Bruder und Schwester, für die ganze Familie.

Endlose Energie und Vitalität stechen auch aus den ersten Zeilen der Laudatio zu seinem 90. Geburtstag hervor, die Roland Zillmann 2013 in der Siebenbürgischen Zeitung veröffentlichte: „Der wahre Text steht auch hier nur zwischen den Zeilen der Gratulation: Man fragt Richard Mildt nach dem Geheimnis des Alters, weil man so schwer in Worte fassen kann, was man tatsächlich fragen möchte. Nämlich, wie – in Gottes Namen! – bleibt man neun Jahrzehnte lang als Mensch integer, so wertevoll, so lebensbejahend, geradlinig und doch mild, so schaffensfreudig und produktiv; mit all der Last der vielen historischen und persönlichen Umbrüche auf den Schultern, ja im Nacken.“

Es ist auch nicht überraschend, dass Richard Mildt das Zitat in seiner Todesanzeige selbst ausgesucht hat, und zwar aus Goethes Faust: „Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehn“. Ein begnadeter Lehrer, ein Menschenförderer und -forderer, ein höchst aktiver Erhalter der siebenbürgischen Kultur und Tradition ist aus dieser Welt gegangen. Wir bleiben in Hochachtung und Bewunderung zurück, seine Werke werden noch vielen Generationen als Wissensquelle und Inspiration erhalten bleiben.

Helmut Mildt

Schlagwörter: Lehrer, Mildt, Nachruf

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