30. Juli 2017

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Büste des Schuldirektors Georg Fischer in Bistritz enthüllt

Vor dem Gebäude des Gymnasiums in Bistritz ist eine Büste des von 1882 bis 1914 amtierenden bedeutenden Direktors Georg Fischer der seinerzeitigen deutschen Schule aufgestellt worden. Die Enthüllung des auf Initiative der HOG Bistritz-Nösen geschaffenen Kunstwerks erfolgte am 22. Juli im Beisein zahlreicher Ehrengäste und der Ururenkel von Georg Fischer.
Die Geschichte des deutschen Gymnasiums in Bistritz geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Das alte Gymnasialgebäude, das Evangelische Knabengymnasium A.B. auf dem Kirchplatz, wurde 1832 noch einmal renoviert und erweitert, doch schon zur Jahrhundertwende entsprach es nicht mehr den Anforderungen. 1892 beschloss das Bistritzer Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde den Neubau, den Stadtpfarrer Friedrich Kramer und Schulleiter Georg Fischer betrieben. Grundstücke wurden erworben und die Finanzierung gesichert, so dass der Wiener Architekt Paul Brang mit der Planung beauftragt werden konnte. 1908 wurde in Anwesenheit des Bischofs Dr. Friedrich Teutsch der Grundstein gelegt. Im Februar 1910 war der Bau des größten und schönsten Gymnasiums in Siebenbürgen beendet. Im September 1910 fand der feierliche Umzug ins neue Gebäude statt. Stadtpfarrer Friedrich Kramer war schwer erkrankt, so dass auf eine feierliche Einweihung verzichtet wurde. Diese wurde 1911 nachgeholt.

Georg Fischer, der sich maßgeblich um den Bau gekümmert hatte, entstammte einer bäuerlichen Familie. Er wurde am 17. Oktober 1843 in Minarken in der Nähe von Bistritz geboren. Seine auffallenden geistigen Begabungen entdeckte der Dorflehrer, der den Besuch des Gymnasiums in Bistritz empfahl. Fischer beendet mit Auszeichnung das Gymnasium und studiert Philologie und Theologie in Wien und Tübingen. 1967 wird er zum Professor in Bistritz ernannt und, dank seiner hervorragenden organisatorischen Fähigkeiten, 1882 zum 99. Direktor des Gymnasiums, das er bis 1914 mit beachtlichem Erfolg leiten sollte. Bürgermeister Teodor Ovidiu Creţu spricht ...Bürgermeister Teodor Ovidiu Creţu spricht anlässlich der Einweihung der von dem Bistritzer Bildhauer Mircea Mocanu angefertigten Büste von Georg Fischer. Foto: Mihai Rusti Eine Gedenktafel für die Leistung Georg Fischers wurde nach seinem Tod 1923 im Eingangsbereich des Gymnasiums angebracht. 1945 wurde diese Tafel entfernt, sie ist nicht mehr auffindbar gewesen. Der Vorstand der HOG Bistritz-Nösen beschloss 2015, vor dem Gebäude eine Büste des bedeutenden Schulleiters, die auf das Lebenswerk dieses Mannes hinweisen soll, in Bronze anzubringen. Das Gymnasium in Bistritz trägt schon seit längerer Zeit die Bezeichnung „Colegiul National Liviu Rebreanu“ in Würdigung des aus der Region stammenden rumänischen Schriftstellers. Im Vorhof des Gebäudes steht eine Büste dieses Mannes. Ihr gegenüber soll nun die Büste Georg Fischers stehen. Mit Zustimmung des Bürgermeisteramtes und der Schulleitung wurde der Bistritzer Bildhauer Mircea Mocanu mit der Arbeit beauftragt. Den Sockel für die Büste errichtete die Stadt, die Kosten für die Büste übernahm die HOG.

In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste und der Ururenkel des Schuldirektors Georg Fischer wurde die Büste am 22. Juli enthüllt. Dr. Dorel Cosma, Leiter des Kulturamtes Bistritz, sprach sehr dokumentiert über die Geschichte des deutschen Schulwesens bis 1944, Stadtpfarrer Johann Dieter Krauss referierte über das Leben und Wirken des Schulleiters Georg Fischer. Die jetzige Schulleiterin sprach über die Geschichte des Gymnasiums nach 1944. Zurzeit lernen jedes Jahr rund 1750 Schüler in den Einrichtungen dieses Gymnasiums. Martin Bottesch, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen, zeigte sich in seiner Ansprache angetan von der Bedeutung dieser Schule in der Vergangenheit und wies auf die Verpflichtung hin, weiterhin Schulunterricht in deutscher Sprache auch an dieser Schule anzubieten. Bürgermeister Teodor Ovidiu Creţu bekannte sich einmal mehr zur deutschen Geschichte der Stadt Bistritz. Er bezeichnete den Exodus der Deutschen aus Nordsiebenbürgen als herben Verlust für die Stadt und die Region. Er betonte die gute Zusammenarbeit mit der HOG Bistritz –Nösen e.V. beim Wiederaufbau des 2008 abgebrannten Kirchturms. Creţu dankte für die Errichtung des Denkmals zur Erinnerung an die Evakuierung und Flucht der Siebenbürger Sachsen, das 2014 eingeweiht wurde, und nun auch für dieses Kunstwerk, das an die siebenbürgische Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner erinnert.

Dr. Hans Georg Franchy


Schlagwörter: Bistritz, Schule, Denkmal, Büste, Bildhauer, Geschichte, Stadt

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