11. November 2019

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"Eine zuversichtliche Gemeinschaft": 50. Gründungsjubiläum der Germanistik in Hermannstadt

"In seinen Anfängen war der Hermannstädter Lehrstuhl für Germanistik somit und zunächst nur ein Potential an Lehre und Forschung, nicht mehr, jedoch eine – nach ihrem Sinn und Seinsauftrag – zuversichtliche Gemeinschaft von Lehrenden, die der germanistischen Tradition in diesem Raum viel zu verdanken hatte. Seine Gründung im Jahre 1969 fiel allerdings in eine Phase der bildungspolitischen Entwicklung, in der mehr Raum entstanden war für die ethnisch geprägte Eigenentfaltung. Und eine seiner vorgegebenen Auftragsaufgaben lag darin, gemeinsam mit den anderen Fachbereichen der neu gegründeten Hermannstädter Fakultät für Philologie und Geschichte unter den grundlegenden Veränderungen der Zeit einen kulturellen und geistigen Mittelpunkt von hoher gesellschaftlicher Relevanz zu bilden." Diese Worte von Prof. Dr. Gerhard Konnerth gelten immer noch: Auch heute bilden die Hermannstädter Germanisten eine zuversichtliche Gemeinschaft, allerdings viel besser und vor allem freier international vernetzt.
Davon zeugte die aus Anlass des 50. Gründungstages des Hermannstädter Lehrstuhls für Germanistik in Hermannstadt veranstaltete internationale Jubiläumstagung, bei der unter dem Titel ,,Literatur und Sprache im südosteuropäischen Raum“ vom 24. bis 26. Oktober an der Fakultät für Philologie und Bühnenkünste der Lucian Blaga-Universität Germanisten und Germanistinnen aus verschiedenen Ländern teilgenommen haben.

Bevor wir auf die Tagung eingehen, blättern wir kurz im Archiv der Hermannstädter Zeitung (HZ) und werden fündig. In der Ausgabe Nr. 79 vom 11. Juli 1969 schreibt Manfred Huber unter dem Titel "Geburtsstunde einer Fakultät/In Klausenburg bei künftigen Hermannstädter Studenten notiert" u. a.: "Universitätsstadt Klausenburg, Dienstag, 7 Uhr. Ein Strom junger Passanten eilt die Napoca- und Horea-Straße hinunter. Die mündlichen Prüfungen beginnen in einer Stunde. Auf den Gängen der Philologie- und Geschichtefakultät drängen sich die Kandidaten. Das Dekanat ist überfordert, die Professoren sind in Senatssitzungen, der Rektor der Universität hat nicht einmal für die Presse Zeit. Der ganze Universitätsbetrieb läuft auf Hochtouren. Und in dieser vibrierenden Atmosphäre wird hier, in der Klausenburger Alma Mater, die Hermannstädter Fakultät geboren." Maria Sass und Gerhard Konnerth bei der ...Maria Sass und Gerhard Konnerth bei der Germanistik-Tagung in Hermannstadt. Fotos: Beatrice Ungar Michael Markel, damals Assistent an dem Klausenburger Germanistiklehrstuhl, zählte für die damaligen HZ-Leserinnen und -Leser einige Vorteile auf, die sich aus der Gründung der neuen Universität ergeben: "Erstens wird Klausenburg notwendigerweise entlastet, zweitens kann der Bedarf der Schulen an Absolventen der Germanistik (beispielsweise in der Agnethler Gegend) in Zukunft besser gedeckt werden und außerdem werden die Studenten in Hermannstadt die Möglichkeit haben, leichter die deutsche Umgangssprache zu lernen."

Im Rückblick stellte Prof. Dr. Konnerth in seinem Vortrag am 25. Oktober d. J. in der Aula der Lucian Blaga-Universität fest: "Als Abteilung der Klausenburger Babeș-Bolyai-Universität im Juni 1969 gegründet, nahm die Hermannstädter Fakultät für Philologie und Geschichte am 15. September 1969 die Ausbildung von Germanistikstudenten, im Gründungsjahr nur in den Studiengängen Deutsch-Englisch und Deutsch-Rumänisch, mit zunächst 20, später dann mit 30 Studienplätzen auf. Im Herbst 1972 erweiterte sie ihre Fächerkombinationen um die Studiengänge Geschichte-Deutsch und Geschichte-Englisch (insgesamt 25 Studienplätze), und ab dem Wintersemester 1973/1974 bot sie mit den Fächerkombinationen Englisch-Deutsch und Englisch-Rumänisch (insgesamt 30 Studienplätze) weitere Ausbildungsmöglichkeiten an. Nachdem durch das Dekret Nr. 147 vom 5. Juni 1974 die Zugehörigkeit zur Babeș-Bolyai-Universität Klausenburg/Cluj-Napoca bestätigt worden war, entließ das Dekret Nr. 203 vom 30. Juni 1976, mit der Gründung des Hochschulinstituts Sibiu/Hermannstadt (Institutul de Învățământ Superior Sibiu), zu dem noch eine Fakultät für Maschinenbau und eine für Wirtschafts- und Verwaltungsrecht gehörte, die Fakultät für Philologie und Geschichte in die damalige akademische Freiheit, die sie nur acht Jahre später die Existenz kosten sollte. Denn die Fakultät für Philologie und Geschichte, mit den nun gut ausgebauten Lehrstühlen für die Fachbereiche Germanistik, Anglistik, Romanistik und Geschichte fiel, bei stetig sinkender Studienplätzezahl – so an der Germanistischen Abteilung, vor deren Auflösung im Jahre 1987, zunächst auf 20 Plätze – den damaligen, in allen Bereichen der Wirtschaft, Bildung und Kultur weitestwirkenden Rationalisierungsstrategien zum Opfer und wurde durch das Dekret Nr. 213 vom 23. Juni 1984 dem territorial nächstgelegenen Polytechnischen Institut administrativ angeschlossen. Dieses war für das Hochschulinstitut Sibiu/Hermannstadt das damalige Polytechnische Institut Klausenburg (Institutul Politehnic Cluj-Napoca), das damit zu seinen Diplom-Abschlüssen auch Absolventen der Fachbereiche Germanistik als Erstfach und Romanistik oder Anglistik als Zweitfächer zählen durfte. Erst das vom 1990 ernannten Ministerpräsidenten Petre Roman gezeichnete Regierungsdekret Nr. 225/1990 erfüllte den alten Traum der Hermannstädter von der eigenen Universität."

Den Rückblick ergänzte Dr. Sunhild Galter mit einem Bericht über den Ist-Zustand der Germanistik, die seit 2013 als Studiengang innerhalb des Departements für anglo-amerikanische und germanistische Studien der Fakultät für Philologie und Bühnenkünste fungiert. Ihr Fazit lautete: "Zurzeit gehören dem Germanistenteam an der Lucian Blaga-Universität zehn fest angestellte Lehrkräfte an, dazu unterrichten hier noch eine DAAD-Lektorin, ein Kollege mit Zeitvertrag, eine externe Lehrkraft und zwei Doktorandinnen. (...) Die in den letzten 20 Jahren dramatisch gesunkenen Schülerzahlen brachten auch unseren Fachbereich zeitweilig in Bedrängnis, aber nun scheint es wieder bergauf zu gehen und wir sind zuversichtlich dass an dieser Stelle im Jahre 2069 auch das 100-jährige Bestehen gefeiert werden kann!" 50 Jahre Germnanistik in Hermannstadt, Lesung mit ...50 Jahre Germnanistik in Hermannstadt, Lesung mit Hellmut Seiler, Joachim Wittstock und dem Literaturhistoriker Stefan Sienerth (von links). Stefan Sienerth präsentierte in seinem Vortrag im Plenum zwei Neuerscheinungen: Zunächst den von ihm und Doris Sava herausgegebenen Band "Literaturgeschichte und Interkulturalität. Festschrift für Maria Sass", in dem aus Anlass des doppelten Geburtstages – 50 Jahre Germanistik in Hermannstadt und 60. Geburtstag von Maria Sass, der langjährigen Leiterin dieses Lehrstuhls, – literaturhistorisch, kulturwissenschaftlich und interdisziplinär ausgerichtete Beiträge aus unterschiedlichen Perspektiven die Geschichte und Dokumentation der rumäniendeutschen und deutschen (Gegenwarts-)Literatur aufgreifen, sowie das Buch „Rumäniendeutsche Seinszusammenhänge und weitläufigere Bezüge. Literarische Kommunikation in der deutschsprachigen Literatur Rumäniens – das Fallbeispiel Joachim Wittstock“, herausgegeben von Maria Sass, Olivia Spiridon und Stefan Sienerth ebenfalls im Peter Lang-Verlag.

Weitere Vorträge im Plenum präsentierten Dr. Eugen Christ, Geschäftsführer der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden Württemberg, der eine provozierende "Versuchung eines Ausblicks" auf die Zukunft der Germanistik in den Raum stellte, Dr. Anneli-Ute Gabanyi zur Zeitspanne 1940-1948, als die Klausenburger Universität in Hermannstadt Zuflucht gefunden hatte, und Dr. Olivia Spiridon zur literarischen Darstellung der unteren Donau. Die bei der Tagung präsentierten Vorträge und Referate werden laut Koordinatorin Prof. Dr. Maria Sass in einem Sammelband der von dem Hermannstädter Germanistik-Studiengang herausgegebenen Reihe "Germanistische Beiträge" veröffentlicht werden, der voraussichtlich im ersten Halbjahr des Jahres 2020 erscheinen wird.

Beatrice Ungar

(Nachdruck aus der Hermannstädter Zeitung)

Schlagwörter: Germanistik, Hermannstadt, Tagung, Universität

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