24. April 2020

Konzert-Cembalo „Bach“ für Schloss Horneck

Das neue Kultur- und Begegnungszentrum auf Schloss Horneck hat nun ein eigenes Konzert-Cembalo. Zufälle gehen manchmal merkwürdige Wege. Unlängst bot mir eine befreundete Heidelberger Musikerin, Helga Höpfner, etwas wehmütig ihr geliebtes Cembalo an, weil die 87-jährige Frau ins Altenheim muss. Das 2,70 m lange Instrument erwies sich aber als zu groß für unsere Wohnung, wie auch die unserer Söhne. Frau Höpfner zeigte sich erfreut über den Lösungsvorschlag, ihr „gutes Stück“ Schloss Horneck zu spenden, zumal sich herausstellte, dass der Cembalobauer „Wittmayer“ siebenbürgische Wurzeln hat. Wittmayer ist ein in Fachkreisen bekannter Cembalobauer. Das große MGG-Lexikon (Musik in Geschichte und Gegenwart) zählt Wittmayer neben Neupert und Sperrhake zu den drei weltweit größten Cembalobauern der Nachkriegszeit.
Kurt Wittmayer wurde am 22. November 1917 in Hermannstadt geboren und verstarb 1997 in Bad Tölz. Er taucht in der von Prof. Franz Xaver Dresslers Frau Margherita erstellten Schülerliste als dessen Orgelschüler auf. Nach dem Abitur studierte er in Rom, Leipzig und Salzburg Orgel mit künstlerischer Reifeprüfung und begann autodidaktische Versuche im Cembalo- und Clavichordbau. Aus dem anfänglichen Kleinbetrieb entwickelte sich nach und nach ein weltweit agierendes Großunternehmen mit Werkstätten in Königsdorf, Geretsried-Gartenberg und Wolfratshausen. Insgesamt hat die Firma Wittmayer gut 8000 Instrumente produziert, mit einer Produktpalette von 13 verschiedenen Modellen (Cembalo, Querspinett, Reise-Clavichord u.a.m.) in moderner und historischer Bauweise. Die Königsklasse, also der Mercedes unter all diesen Instrumenten, ist das von ihm gebaute zweimanualige Konzertcembalo „Bach“, das in weit geringerer Stückzahl gebaut wurde. Und eben dieses spezielle Bach-Konzertcembalo steht nun auf Schloss Horneck und wartet darauf, restauriert und gestimmt zu werden, um dann im neusanierten Festsaal für Konzerte mit alter Musik zur Verfügung zu stehen. Mit seinen zwei Manualen, fünf Oktaven, drei Registern (8, 8, 4), fünf Pedalen, mit Lautenzug und Manualkoppel verspricht es künftig unter kundiger Hand spezielle Musikgenüsse im neuen Gundelsheimer Ambiente.
Konzert-Cembalo, gespendet von Helga-Maria ...
Konzert-Cembalo, gespendet von Helga-Maria Höpfner. Foto: Werner Kreuz-Gohn
Ein Dank gebührt auch Werner Gohn-Kreuz, dem es gelang, trotz einsetzender Corona-Sperrungen das Instrument rechtzeitig von Heidelberg nach Gundelsheim zu transportieren. Auf das erste Konzert darf man gespannt sein.

Heinz Acker

Schlagwörter: Schloss Horneck, Spende, Musik, Cembalo

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