30. April 2021

Hochklassiger Dokumentarfilm über das große Sachsentreffen 2017 in Siebenbürgen

Wenn ein Profi am Werk ist, dann gelingt das Unternehmen. Herwart Konnerth, Siebenbürger Sachse aus Schönau, hat mit seinem Team eine Zusammenschau besonderer Art geschaffen. Sauber recherchiert, überlegt gestaltet, digital hochklassig erstellt, legt Herwart Konnerth ein Kunstwerk vor, das seinesgleichen sucht.
Aufmarsch der Trachtenträger beim Sachsentreffen ...
Aufmarsch der Trachtenträger beim Sachsentreffen 2017 in Hermannstadt (Filmszene)
Es bewahrheitet sich auch hier: Gut Ding will Weile haben. So kann man die siebenbürgische Heimat, die siebenbürgische Seele kennenlernen, wieder finden, intensiv erleben. Ein breites Fenster in eine leuchtende Welt wird geöffnet und darin kann man sich als Siebenbürger Sachse selbst bzw. siebenbürgisch-sächsische Wesensart erkennen. Ausgangspunkt ist das unvergessliche Sachsentreffen 2017 mit seinen rund 17.000 Besuchern (etwa 12.000 aus Deutschland, zahlreiche weitere Gäste aus Österreich, aus den USA, aus Kanada, aus Rumänien), eine unwiederholbare Begegnung, die in unseren Pandemiezeiten irgendwie förmlich im Rückblick noch an Wert zugewinnt. Ihr Motto „In der Welt zu Hause – in Siebenbürgen daheim“ spiegelt die aktuelle Situation der Siebenbürger Sachsen wider und ist ein weiterer neuer Beitrag zur Völkerverständigung. Diesen Schwung, diese Begeisterung, dieses Schöpfen aus dem Vollen – der Film lässt zu, sich alldem hinzugeben. In seiner Synopse hält Herwart Konnerth fest, dass dieser Dokumentarfilm die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen mit der Frage konfrontiere, was für sie Heimat, Gemeinschaft und das Bewahren der siebenbürgisch-sächsischen Tradition bedeute. Dies gelingt vortrefflich. Aber wovon handelt der Dokumentarstreifen?

In seinem ersten Teil wird das große Sachsentreffen 2017 vom 4. bis 6. August in Hermannstadt und im Garten der Brukenthal-Sommerresidenz in Freck umfassend beleuchtet (Aufmarsch der Gruppen, Kundgebung mit prominenten Gästen, auch Präsident Klaus Johannis, buntes Rahmenprogramm, Blaskapellen, Tanzgruppen, Musikbands, Amazonas-Express, Jürgen aus Siebenbürgen …). Das Sachsentreffen ist unvergesslich, sein umfangreiches Programm lässt erahnen, was in Hermannstadt während dieser Tage alles los war, der Große Ring erweist sich als zu klein, friedliches, grenzüberschreitendes Handeln, Gemeinschaft miteinander, verschiedene Ethnien als beispielgebende brückenbauende Werte. Die von Hermann Depner aufgezeichneten Ausschnitte vom Singspiel „Bäm Brännchen“ von Grete Lienert-Zultner unterstreichen die hervorragende Darbietung in Freck (bei bestem Wetter!). Drei Tage lang tobt das sächsische Leben in Hermannstadt und Freck, es war ein unglaublich belebendes Wochenende, an dem siebenbürgische Identität in ihren umfassenden Formen erlebt wurde.

Im zweiten Teil widmen sich die Autoren beispielhaft einiger der in 66 Orten Siebenbürgens abgehaltenen vielfältigen Veranstaltungen rund um das große Hermannstädter Treffen: Aufnahmen vom Kokeltaler Kulturprogramm oder von der Kulturwoche Haferland 2017 von Günther Melzer zeigen hochkarätige Gäste aus Politik – etwa Staatspräsident Klaus Johannis oder Dr. Bernd Fabritius – Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur (Peter Maffay). Die Aufnahmen von Albert Stieger in Großau erinnern an die dortige musikalische Tradition. Im Schlusshöhepunkt widmen sich die Filmemacher den typischen Gottesdiensten in Großau und Schönau sowie dem Schönauer Treffen 2017 mit dem beliebten Rinnenfest. Dieses Schönauer Juwel mit seinen breitgefächerten Facetten und Emotionen vom Holzschlagen im Wald über das Schmücken der Wägen und ihre festliche Ausfahrt durch das Dorf dokumentiert Roland Göbbel mit der Kamera auch direkt aus dem Rinnenwagen. Daniel Theil liest aus der Chronik der Schönauer vor, die bestätigt, wie wichtig Brauchtum und Feste für den kulturellen Zusammenhalt in Siebenbürgen waren. In überaus lockerer Art erklärt Simon Konnerth beim Rinnenfest, was es für ihn bedeutet, ein richtiger Schönauer zu sein. Link zum Video Zahlreiche Interviews durchziehen die Dokumentation, lockern sie auf und verdeutlichen neben Wissenswertem besonders die innere Hochstimmung. Hans Gärtner, Initiator und eigentlicher „Macher“ des Treffens, hoffte, es würde ein ganz besonderes Sachsentreffen und stellte fest, es übertraf die kühnsten Erwartungen. Erna aus den USA, überwältigt von der Gastfreundschaft, vom Geschehen, bekennt freimütig: „Dies ist ein Höhepunkt meines Lebens.“ Lisa Gaertner und Jacqueline Melzer, restlos begeistert auch als Darstellerinnen im Singspiel, halten fest: „Man muss weitermachen!“

Kommentiert wird der Dokumentarfilm von einer computergenerierten Stimme. Die Schönheiten Siebenbürgens werden mit hochklassigen Luftaufnahmen von Prof. Dr. Detleff Clemens Schermer und Csabi Teglas eingefangen. Vorerst steht Hermannstadt im Mittelpunkt (wobei der schaurige Vampirtourismus Draculas in Hermannstadt eigentlich nichts zu suchen hat, auch wenn geschickte Stadtführer damit locken – Siebenbürgen war nie ein finsteres Blutsaugerland!), jedoch, und das ist einer der Vorzüge des Films, er bezieht über Bild und Text ganz Siebenbürgen mit ein. Das Sachsentreffen 2017 dient in diesem vielschichtigen Film auch als exzellenter Aufhänger für breitgefächerte Einblicke in die Geschichte der Siebenbürger Sachsen, ihre großartige Kirchenburgenlandschaft, ihr hochwertiges kulturelles Erbe, ihre Brückenfunktion vor Ort und in unserer Welt. Die Szenen, in denen Rumänen, Ungarn, Roma mit von der Partie sind – wahre Lichtblicke –, beweisen letzteres sehr deutlich.

Übrigens: Über diesen Film sollte man nicht (nur) lesen, diesen Film sollte man auf keinen Fall versäumen. Genießen auch Sie! Hier der Link: https://youtu.be/PpE8xngVcRA.

Ich schlage vor, den Film mit rumänischen Untertiteln zu versehen und ihn so einem breiten Publikum unserer Nachfolger in Siebenbürgen und darüber hinaus nahezubringen.

Horst Göbbel

Schlagwörter: Sachsentreffen, Video, Besprechung, Dokumentarfilm, YouTube, Hermannstadt, Schönau

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Neueste Kommentare

  • 30.04.2021, 23:13 Uhr von Doris Hutter: Herrlich, diese kurzweilige Erinnerung an das Sachsentreffen, an viele schöne Momente auch in ... [weiter]

Artikel wurde 1 mal kommentiert.

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