2. Mai 2021

20 Jahre seit dem Besuch von Prinz Philip im Donaudelta / Erinnerungen aus Anlass seines Todes am 9. April

Es war für das Donau-Karpaten-Programm des WWF-World Wide Fund for Nature ein herausragendes Ereignis, als seine Königliche Hoheit Prinz Philip, der damalige Ehrenpräsident dieser internationalen Naturschutzorganisation, 2001 der Einladung zur Gipfelkonferenz „Grünes Licht für Europa-Green light for Europe“, die vom 29. bis 30. April 2001 im Bukarester Palast der Republik stattfinden sollte, folgte. Dabei ging es um die Umwelt und nachhaltige Entwicklung der Donau-Karpatenregion und die vielfältigen Fragen und Probleme, die zum Thema Umwelt in diesem Raum in Angriff zu nehmen waren (1991, bald nach der Wende, hatte man das Donaudelta zum Biosphärenreservat und zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt – kein Jahr zu früh, im Gegenteil).
Prinz Philip (r.) unterstützte neben dem WWF rund ...
Prinz Philip (r.) unterstützte neben dem WWF rund 800 weitere Organisationen und ist auch Verfasser eines ornithologischen Buches, weshalb ihm die Erhaltung des vogelreichen Donaudeltas sehr viel bedeutete. Links der rumänische Staatssekretär und Gouverneur des Biosphärenreservats Donaudelta Virgil Munteanu, in der Mitte Erika Schneider.
Zum Auftakt trafen sich die Umweltminister der Donau-Karpatenländer, wobei konkrete Fragen des Natur- und Umweltschutzes dieser Länder zur Sprache kamen. Am zweiten Tag fand ein Treffen der Staatspräsidenten der Donau- und der Karpatenländer und ihrer Vertreter statt, bei dem Prinz Philip zusammen mit dem damaligen Staatspräsidenten Ion Iliescu den Vorsitz hatte. Dabei wurde auch eine Deklaration für wichtige Ziele des länderübergreifenden Umweltschutzes unterzeichnet. Bei dem von Prinz Philip eröffneten „NGO Business Forum“ (Geschäftsforum der ,Nicht-Regierungs-Organisationen‘) wurden praktische Möglichkeiten des Erfahrungsaustausches erörtert. Neben den vielen Veranstaltungen blieb auch Zeit für Gespräche am Rande der Konferenz. So wurden auch die Leiter der verschiedenen Projekte des Donau-Karpaten-Programms darum gebeten, sich zur persönlichen Begrüßung durch Prinz Philip einzufinden. Das geschah, indem er jedem von uns mit freundlichen und witzigen Worten die Hand reichte und bereits seine Vorfreude darüber äußerte, dass wir bald gemeinsam das Donaudelta besuchen würden.

Es war eine private Reise, die auf Wunsch von Prinz Philip im Anschluss an den Umweltgipfel organisiert wurde. Dabei wollte er mehr über die Renaturierungsmaßnahmen von Feuchtgebieten erfahren, die Jahrzehnte davor trockengelegt worden waren und deren erste Ergebnisse bereits internationale Aufmerksamkeit erregt hatten. Außerdem wollte er eine der berühmten Vogelkolonien besuchen, in denen auf unterschiedlichen Höhen der Silberweiden verschiedene Wasservogelarten nisten: Kormorane im unteren Bereich, Silber-, Seiden- Nachtreiher und Sichler im mittleren Bereich und Graureiher in Wipfelhöhe. Ein Besuch führte ihn auch ins Donaudelta-Forschungsinstitut in Tulcea, das seit 1993 zusammen mit dem damaligen WWF-Auen-Institut in Rastatt maßgeblich in die Renaturierungsprojekte eingebunden war.
Prinz Philip begrüßt die Projektleiter des WWF ...
Prinz Philip begrüßt die Projektleiter des WWF-Donau-Karpatenprogramms im Bukarester Palast der Republik, hinter ihm, teilweise verdeckt, die Autorin in fliederfarbenem Kleid (2001). Foto: Sammlung der Verfasserin
Als unsere Gruppe nach der Bukarester Konferenz in Tulcea eintraf, liefen dort bereits die Vorbereitungen auf Hochtouren. Vom kleinen Flughafen Kogălniceanu bei Tulcea kam der hohe Gast per PKW direkt ins Institut, um im Anschluss daran gleich per Schiff ins Delta zu starten. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter standen erwartungsvoll vor dem Institut und manche staunten nicht schlecht, als ein freundlich lächelnder älterer Herr in Pulli, Anorak und Geländeschuhen vor ihnen stand.

Nach kurzem Aufenthalt im Institut, wo Prinz Philip von Direktor Ing. Romulus Știucă und dem zweiten Direktor Ing. Mircea Staraș begrüßt wurde, ging es mit einer Gruppe wissenschaftlicher Mitarbeiter ins Delta, wo Prinz Philip, fachlich immer gut betreut, vieles von den Schönheiten des Deltas sehen, sich aber auch über Probleme ein Bild machen konnte. Die erste Station galt den Vogelkolonien, die er mit dem Forschungsboot „Sam“ in Begleitung des polyglotten Wissenschaftlers Dr. Radu Suciu vom Donau-Delta-Institut sowie seinen Begleitern über den Kanal an Flussmeile 35 zum Purcelu-See erreichte. Danach ging es weiter auf dem größeren Schiff, wo wir alle auf Prinz Philip warteten, ins Delta hinein. Hier widmete er sich den Projekten zur ­Wiederherstellung der Feuchtgebietsökosysteme, stellte äußerst kundige Fragen zu unseren gemeinsamen Renaturierungsprojekten mit dem Donau-Delta Institut, die ich ihm auf Englisch und teilweise auch auf Deutsch erläuterte. Er freute sich zu hören, dass Mitarbeiter des WWF-Auen-Instituts aus Rastatt (das seit 2004 zur Universität Karlsruhe gehört und an dem auch ich arbeite), das er am 23. Mai 1985 eröffnet hatte, an den Projekten im Donaudelta maßgeblich beteiligt seien. Er stellte Fragen über die Auswirkungen der Trockenlegungsmaßnahmen und deren Schaden für das Ökosystem und wollte vieles über die Wiederentwicklung, d.h. über die Neubesiedlung von Pflanzen und Tieren in den Flächen wissen. Bei all den Fragen konnte man herauslesen, wie sehr ihm das Thema am Herzen lag (was kaum einer weiß: Prinz Philip ist sogar Autor eines Buches „Die Vögel Britanniens“ von 1962). Je nach Gesprächspartner fand manchmal auch ein Wechsel von Englisch zu Französisch oder Deutsch statt, so wie ich es bereits bei einem unserer Projektgebiete an der Loire und der Allier in Frankreich erleben konnte, wo auch Prinz Philip eingebunden war.
Prinz Philip (l.) und sein Vetter Mihai, damals ...
Prinz Philip (l.) und sein Vetter Mihai, damals formell schon König, beim Ausritt an der Schwarzmeerküste bei Eforie 1928. Foto: Kön.-rumän. Hoffotografinnen Guggenberger-Mairovits
In lockerer Atmosphäre erzählte er uns dann auf dem Deck, bei Bier und wunderbaren Fischgerichten, dass er als achtjähriger Junge mit seinen Eltern bei der königlichen Familie Rumäniens an der Schwarzmeerküste in Mamaia und Eforie die Sommerferien verbracht und mit seinem gleichaltrigen Vetter Michael v. Hohenzollern, dem späteren König Mihai von Rumänien, schöne Sommertage erlebt habe. Er schwärmte vom Meer, von der weiten Landschaft und insbesondere von Streifzügen durch die Steppen der Dobrudscha, die für ihn unvergesslich geblieben waren. Ein blonder, fröhlicher Junge lacht uns an aus den Fotos jener Zeit unbeschwerter Kindheit.
Prinz Philip (l.) mit seinem Vetter König Mihai ...
Prinz Philip (l.) mit seinem Vetter König Mihai auf Sommerfrische in einem königlichen Landhaus an der rumänischen Schwarzmeerküste (1928). Hinten Philips ältere Schwestern, Prinzessin Theodora von Griechenland (später Markgräfin von Baden) und Prinzessin Margarita, später Fürstin zu Hohenlohe (v.l.). Rechts Königinmutter Elena von Griechenland und Dänemark. Foto: Guggenberger-Mairovits
Die unvergesslichen Erlebnisse seiner Kindheit und die im damaligen Rumänien erlebte Natur spielten sicher eine Rolle bei der Annahme der Einladung zum Umweltgipfel, aber sicher auch sein Verantwortungsgefühl für die Veränderungen in der Landschaft, die ihn umtrieben. 20 Jahre sind seit dem Besuch Prinz Philips im Donaudelta vergangen, aber die Erlebnisse jener Tage sind für uns alle, die wir dabei waren, unvergessen.

In seine Fußstapfen tritt aufgrund seiner Treue zur Herkunft eines Teils der Familie aus Süd- und Südosteuropa auch sein Sohn Prinz Charles durch sein Engagement für die Umwelt in Rumänien. Bekanntlich ist dieser besonders an der gewachsenen Kulturlandschaft interessiert und unterstützt über den „Mihai Eminescu Trust“ Projekte in Deutsch-Weißkirch und in anderen Dörfern Siebenbürgens, interessiert sich für alten Siedlungsbau, traditionelle dörfliche Architektur, ökologische Landwirtschaft, beobachtet Tiere und Pflanzen und setzt sich aktiv für die Erhaltung der dortigen Natur und der dörflichen Kultur ein.

Erika Schneider


Dieser Artikel entstand auf Anregung und unter Mitwirkung von SbZ-Mitarbeiter Konrad Klein und Gert Fabritius (Bildbearbeitung). Über die o.g. Tagung berichtete seinerzeit Hansgeorg v. Killyen in der Siebenbürgischen Zeitung vom 20. Juni 2001, Seite 14. – E. Sch.

Schlagwörter: Monarchie, Großbritannien, Nachruf, Donaudelta, Naturschutz, Umweltschutz

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