18. Juni 2022

Buchpräsentation Order 7161 in München

Am Donnerstag, 23. Juni, 19.00 Uhr, stellt Marc Schroeder (Luxembourg) im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München, sein Buch „Order 7161“ vor. Die Moderation übernimmt Dr. Heinke Fabritius (Berlin). 2019 wurde das Buch für den Luma Rencontres Dummy Book Award (Arles) und den Unseen Dummy Award (Amsterdam) nominiert.
Am 16. Dezember 1944 unterzeichnete Stalin den Befehl 7161ss – den geheimen Beschluss des Staatskomitees für Verteidigung – zur „Mobilisierung und Internierung aller arbeitsfähigen Deutschen, Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren, Frauen von 18 bis 30 Jahren“ aus Rumänien, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien und der Tschechoslowakei. Ihre anschließende Deportation zur Zwangsarbeit diente dem Wiederaufbau der Sowjetunion und galt als Reparationsleistung für die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Insgesamt wurden 112.480 Männer und Frauen deportiert. Die Mehrzahl von ihnen – 69.332 Personen – waren Deutsche aus Rumänien. Viele Deportierte starben aufgrund extremer Kälte, schwersten Arbeitsbedingungen und mangelhafter Ernährung. Jene, die die ersten Hungerjahre überlebt hatten, kehrten Ende 1949 nach Rumänien zurück.

ORDER 7161 ist ein Foto-/Textbuch, das die Geschichte der Deportation von Rumäniendeutschen anhand einer Zusammenführung von Zeugenporträts, Archiv- und Kontextbildern erzählt und das Trauma der Zwangsinternierung anhand einer bedeutenden Auswahl von aufgezeichneten Zeugenaussagen 40 Überlebender enthüllt.

„Mein Vorhaben, die ehemaligen Deportierten aufzusuchen und zu fotografieren, erwies sich als ‚letzte Chance‘, denn viele der Überlebenden, die ich traf, gehörten 1945 zu den Jüngsten; die meisten sind mittlerweile verstorben. Die Begegnungen mit den Verschleppten ermöglichten es mir, nicht nur ihre individuellen Erinnerungen an die Zwangsinternierung in Bildern und Worten festzuhalten, sondern auch einen Einblick in das kollektive Gedächtnis der deutschen Minderheit an dieses Unrecht zu erlangen und gleichzeitig das heikle Konzept der ‚Opferrolle‘ aus der Perspektive der Deutschen in Bezug auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu erforschen.“ (Marc Schroeder).
Marc Schroeder ...
Marc Schroeder
Marc Schroeder (Luxembourg), von Beruf ursprünglich Banker, nahm nach Studium und siebenjähriger Karriere in New York die globale Banken- und Finanzkrise von 2008 zum Anlass, seinem Leben eine neue Richtung zu geben und sich ganz der Fotografie zu widmen. Der erste Schritt führte ihn nach Paris, eine Rückkehr nach Europa. Bald fand das damals gerade in die EU aufgenommene Rumänien sein großes Interesse. So entstanden zwischen 2012 und 2015 einprägsame Bilder und Gesprächsdokumente von 40 ehemaligen deportierten Rumäniendeutschen. Das Fotoprojekt wurde auf mehreren Ausstellungen in Rumänien wie auch in Deutschland gezeigt. Die Präsentation seiner eindrücklichen Zeitzeugenporträts wurde u.a. in Zusammenarbeit mit der Kulturreferentin für Siebenbürgen realisiert. Mittlerweile liegt das Projekt als Fotobuch vor.
Dr. Heinke Fabritius ...
Dr. Heinke Fabritius
Dr. Heinke Fabritius ist Kulturreferentin für die Regionen Siebenbürgen/Bessarabien/Bukowina/Dobrudscha/Maramuresch/Moldau und Walachei am Siebenbürgischen Museum. Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an der TU Berlin; Promotion zur Zeichnung der Goethezeit; langjährige wissenschaftliche Tätigkeit in Forschung und Lehre, insbesondere auch zu Geschichte und Kultur der Regionen Ost- und Mitteleuropas. Aktuell erscheinen in loser Reihe ihre Werkstattgespräche, in denen sie Ateliers, Übungs- und Arbeitszimmer besucht und deren Akteure zu Wort kommen läßt. Nachzulesen sind sie unter: https://www.siebenbuergisches-museum.de/de/kulturreferat/aktuelles/

Schlagwörter: Buchpräsentation, Einladung, HDO, München, Deportation

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