28. Februar 2026

Urzelnzunft Geretsried feiert 40-jähriges Bestehen

Mit einem eindrucksvollen Jubiläum feierten die Geretsrieder Urzeln ihr 40-jähriges Bestehen. Seit 1986 lebt der aus Agnetheln stammende Brauch in Geretsried weiter und ist aus dem Fasching nicht mehr wegzudenken. 1986 gründete Horst Wagner (Hori) die Urzelnzunft Geretsried, die zur Kreisgruppe Bad Tölz – Wolfratshausen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen gehört. Anfangs traten 13 Urzeln beim Faschingsumzug auf. Mit den Jahren wuchs die Zunft auf über 60 aktive Mitglieder. 2017 übergab Horst Wagner das Amt an seinen Sohn Peter.
Gemeinsam mit ihrem Gründer Horst Wagner (Hori) ...
Gemeinsam mit ihrem Gründer Horst Wagner (Hori) feiern die Geretsrieder Urzeln 40 Jahre gelebte Tradition. Foto: Ines Kieltsch
Historisch reicht der Brauch weit zurück: Bereits 1689 wurde in Agnetheln der „Mummenschanz der Zünfte“ erwähnt, ein Vorläufer des heutigen Urzelnlaufs, der später eng mit den Handwerkerzünften verbunden war. Die Zunftboten wurden von maskierten Gestalten, den Urzeln, begleitet, die im Lauf der Zeit zur Hauptfigur wurden. Der Name „Urzeln“ leitet sich vermutlich vom Agnethler Dialekt „Urzen“ ab, was Stoffreste bedeutet – passend zu den Anzügen aus übrig gebliebenen Stoffstücken. Überliefert ist auch die Sage von Ursula, die in zotteliger Verkleidung mit Schellen und Peitsche die Angreifer der belagerten Kirchenburg in Agnetheln vertrieb.

Erster Auftritt im Jubiläumsjahr

Bereits am 8. Februar hatten die Geretsrieder Urzeln ihren ersten Auftritt im Jubiläumsjahr beim bunten Faschingstreiben in Wolfratshausen. Dort stimmten sie ihre Peitschen und Schellen – ein kleiner Vorgeschmack und zugleich eine Generalprobe für den großen Auftritt am Faschingsdienstag in Geretsried.

Urzelkrautessen und Urzelball am Faschingssamstag

Ein wichtiger Teil des Jubiläumsjahres war das traditionelle Urzelkrautessen mit anschließendem Ball. Bereits im Herbst wurden 270 Kilogramm Kraut eingelegt, am Abend vor dem Festessen mit Fleisch gefüllt und zu insgesamt 714 Krautwickeln verarbeitet. Das Fest ist über die Jahre stetig gewachsen: In diesem Jahr feierten rund 250 Gäste in den Geretsrieder Ratsstuben gemeinsam die lebendige Urzel-Tradition.

Mitglieder, Gäste und Freunde der Zunft trafen sich, um zu feiern und die Bräuche der Urzeln lebendig zu halten. Musikalisch begleitet wurde das Fest von der Band „TraunSound“, die für ausgelassene Stimmung sorgte. Als Ehrengast nahm Dr. Bernd B. Fabritius, aus Agnetheln stammend, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, daran teil und würdigte die kulturelle Bedeutung der Urzeln und das Engagement der Gemeinschaft.

Die Vorsitzende der Kreisgruppe, Uschy Meyndt, betonte die besondere Leistung des Ehepaars Kerstin und Peter Wagner sowie von Hilde und Michael Hann, die mit viel Herzblut die Urzel-Tradition lebendig halten. Michael Hann unterstützt die Zunft dabei als Stellvertreter des Zunftmeisters.

Faschingsdienstag: Parade und Jubiläumsball

Der Höhepunkt des Jubiläums war der Faschingsdienstag. Schon am Morgen starteten die Geretsrieder Urzeln bei ihrem Zunftmeister Peter Wagner. Besonders bewegend war der Halt im Caritas-Seniorenheim, wo Horst Wagner die Gruppe persönlich empfing – für viele ein emotionales Wiedersehen mit dem Mann, der den Brauch vor vier Jahrzehnten nach Geretsried gebracht hatte. Gegen 12.30 Uhr erreichten die Geretsrieder Urzeln das TuS-Vereinsheim (Isar-Loisach-Stadion), wo die befreundeten Gruppen aus Sachsenheim, Traunreut und Nürnberg warteten. Auch Bundesvorsitzender Rainer Lehni nahm am großen Urzelntag teil. Gemeinsam formierte sich eine eindrucksvolle Parade mit insgesamt 120 Urzeln.

Uwe Thamm mit der prächtigen Kürschnerkrone, ...
Uwe Thamm mit der prächtigen Kürschnerkrone, geschmückt mit vier Füchsen – ein Symbol der vier Jahreszeiten. Foto: Sigi Thamm
Begleitet von der Polizei, zog der Zug durch die Stadt. Peitschenknallen, Schellenklang und die Klänge der Bunkerblasmusik sowie der Isartaler Adjuvanten erfüllten die Straßen. Mit einer Quetsche, einer traditionellen Holzzange, verteilten die Urzeln rund 300 Krapfen an die Zuschauer.

Einzelne Elemente erinnerten an die historischen Wurzeln des Brauchs. Uwe Thamm trug die Kürschnerkrone, die mit vier Füchsen geschmückt ist und die vier Jahreszeiten symbolisiert. In diesem Jubiläumsjahr war sie erstmals Teil des Umzugs. Einige Teilnehmer erschienen in der traditionellen Agnethler Tracht. Der fünfjährige Alexander Gross ritt auf einem Holzpferd (Ross), einem Symbol der Seilerzunft.

Alexander Gross auf seinem Ross, das an die ...
Alexander Gross auf seinem Ross, das an die Seilerzunft erinnert. Foto: Sigi Thamm
Sechs Reifenschwinger, Mitglieder der Zunft der Fassbinder, begleiteten die Urzeln. Mit bis zu sechs gefüllten Weingläsern bestückt, schwangen sie ihre Reifen sicher und mit beeindruckender Präzision durch die Luft. Besonders bemerkenswert war die achtjährige Tamina Gross als jüngste Teilnehmerin. Ebenfalls dabei waren Maria Wagner, die Tochter von Peter Wagner, und seine Ehefrau Kerstin Wagner. Unterstützung erhielten sie von der befreundeten Urzelgruppe aus Sachsenheim, Birgit und Jule Andree. Premiere feierte Didi Heneges, die zum ersten Mal als Reifenschwingerin mitwirkte. Gemeinsam zeigten alle sechs Reifenschwinger ihr Können in perfekter Koordination und begeisterten das Publikum.

Als die Parade den hinteren Garten des Geretsrieder Museums erreichte, empfing Bürgermeister Michael Müller die Urzeln. Am Karl-Leder-Platz wurde das Faschingstreiben offiziell eröffnet, und trotz Schneeregens bildeten die Urzeln eine Polonaise und verbreiteten gute Laune.

Gegen 17.00 Uhr endete der Tag für die Urzeln beim Jubiläumsball in den Ratsstuben, wo die Band „Power Soxen“ für Stimmung sorgte. Doch der Abschied fiel schwer. Eigentlich hätten viele noch lange weitergefeiert, denn sie wussten, dass ab Aschermittwoch alles vorbei sein würde. Am Ende wurden die Anzüge sorgfältig verstaut und warten nun auf ihren nächsten großen Auftritt im kommenden Jahr.
Akrobatik und Präzision: Die Reifenschwinger der ...
Akrobatik und Präzision: Die Reifenschwinger der Fassbinder-Zunft begeistern die Zuschauer. Foto: Kerstin Wagner
Mit dem Treffen aller Urzeln am Faschingsdienstag fand das 40-jährige Jubiläum seinen würdigen und emotionalen Abschluss und setzte ein deutliches Zeichen dafür, dass die siebenbürgischen Bräuche in Geretsried weiterhin lebendig bleiben.

Ein besonderer Dank gilt dem Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen für die großzügige Förderung. Dank der bereitgestellten Mittel konnte das Jubiläum der Urzeln in einem festlichen und würdigen Rahmen gefeiert und in vollen Zügen genossen werden.

Anita Bock

Schlagwörter: Urzeln, Geretsried, Brauchtum, Kuilturwerk, Urzelnzunft

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