29. März 2026
Einblicke in das Leben des Wunderkindes Carl Filtsch/Hochkarätiger musikalisch-literarischer Salon in Bamberg
Am 1. März fand der vierte Musikalisch-literarische Salon mit dem Thema „Von Mühlbach nach Wien. Der Weg des siebenbürgischen Wunderkindes Carl Filtsch“ in der Auferstehungskirche Bamberg statt. Die Vorsitzende der Kreisgruppe Bamberg der Siebenbürger Sachsen, Christina Reckert, begrüßte das zahlreich erschienene Publikum und die Künstlerinnen.

Die Pfarrerin des Hauses, Doris Schirmer-Henzler erzählte, dass sie sich schon immer so eine Veranstaltungsform in ihrem Haus gewünscht habe. Dank der Leihgabe eines Blüthner-Flügels (1890) konnte diese Veranstaltung stattfinden und sie freue sich besonders, dass eine so exzellente Pianistin gewonnen werden konnte.
Auch Dagmar Dusil begrüßte die Gäste mit herzlichen Worten und wies auf den speziellen Tag, den 1. März, hin, an dem in der alten Heimat ein schöner Brauch auch heute noch mit einem ganz netten Glücksbringer, dem „Märzchen“, gefeiert wird. Es hat sich als Zeichen des ersten Frühlingsgrußes traditionell durchgesetzt und soll Freude und Gesundheit für das kommende Jahr mit sich bringen. Das weiß-rote Schnürchen, an dem der kleine Glücksbringer befestigt ist, steht für Liebe, Reinheit, Kraft und Zuversicht. Nach der Veranstaltung durften die weiblichen Gäste sich auf so ein Märzchen freuen, welches von geschickter Hand einer siebenbürgischen Künstlerin gefertigt wurde.
Dagmar Dusil hat es sich zur Aufgabe gemacht, das noch vor Jahren ganz unbekannte siebenbürgische Wunderkind aus Mühlbach, einem breiten Publikum nicht nur bekannt zu machen, sondern auch tief in die Zeit dieses viel zu früh verstorbenen Musikgenies einzutauchen. Die Autorin nimmt uns diesmal auf eine Reisen mit, die den kleinen Carl von Mühlbach nach Wien führt. Darum ist es auch nur hilfreich und gut, ausgewählte Persönlichkeiten der Epoche hervorzuheben. Auf diesem Weg tauchen wir in das Zeitgeschehen der kurzen Ära der Hauptperson ein, die große Resonanz, die der begnadete Junge bei seinen ersten Lehrern in Wien erfährt, die Anerkennung großer Klaviervirtuosen der Zeit und die Begeisterung, die er beim Publikum in Wien und Hermannstadt auslöst.
Passend zu der Vorstellung, dass der kleine Carl von dem besonderen Klang seiner heimatlichen Kirchenglocken fasziniert war, welche einer Sage nach nicht aus reinem Gusseisen waren, sondern auch mit Gold durchzogen, lässt Henriette Gärtner eine erste Komposition von Filtsch erklingen. Zart und fein fließen die Töne des Nocturnes op 1 Nr. 2 in den Raum. Mit der Romanze ohne Worte von Carl Filtsch bereitet die Klavierspielerin die Atmosphäre zu der Geschichte eines Kulturphilosophen, Dichters, Schriftstellers und Übersetzers vor. Es ist Lucian Blaga, der sich mit der Beziehung zwischen Kultur und Raumgefühl beschäftigt und in seinen Werken die siebenbürgische Seele zu analysieren versucht. Die aus dem weiten abendländischen stammenden Siedler, Vorfahren von Carl Filtsch, haben sich in gewisser Weise an die besondere Landschaft mit Hügeln und Tälern innerhalb der Karpaten nach ihrer Ansiedlung an Auf- und Abstieg angepasst. Hier schreitet die Zeit wiegend voran. Blagas Werdegang läuft zwar 65 Jahre später als die des kleinen Carl, aber die Wege münden für beide in Wien.
Es folgt der Vortrag von Robert Schumanns Klavierstück Von fremden Menschen und Ländern G-Dur, was nachdenklich stimmt und betroffen macht, da hervorragend emotional von Henriette Gärtner gespielt wird. Der Text führt uns in das Jahr 1837, als Carl zum ersten Mal vor einem anerkennenden Publikum in Hermannstadt spielt, und zu seinem finanziellen Förderer Banffy Denis. Es folgt für den kleinen Carl die Zeit von fremden Menschen und Ländern. Nie sollte er in den folgenden Lehrjahren in Wien die wunderbare Heimat Mühlbach und seine vielen Geschwister aus dem Elternhaus vergessen können. Das kurze Stück Wichtige Begebenheiten in A-Dur aus den Kinderszenen von Robert Schumann leitet die Gedanken wieder zu Lucian Blaga, der nach den Jahren in Wien nach Mühlbach zurückkehrt und Werke von Schiller und Goethe studiert und später den „Faust“ ins Rumänische übersetzt.
Danach zählt Dagmar Dusil eine lange Reihe von wichtigen Kulturschöpfern und Erfindern dieser Epoche auf, deren Werke der Menschheit erhalten geblieben sind, ja sogar auch spätere Generationen beeinflusst und verändert haben. Passend dazu lässt Henriette Gärtner Chopins Walzer in As-Dur op. 69 Nr. 1 erklingen. Der kleine Carl erlebt „ein lebendiges Wien“ und erfährt Anerkennung für sein Spiel. Die Freuden in Wien lassen den kleinen Carl für kurze Zeit die Buntheit und Geborgenheit der siebenbürgischen Heimat vergessen.
Die Gäste des Hauses in Bamberg dürfen, in wunderbarer Abstimmung mit den Textteilen, dem einzigartigen und passionierten Klavierspiel von Henriette Gärtner folgen. Die Töne von Beethovens Sonate Nr. 30 op. 109 1. Satz und dann Schuberts Impromptu op. 90 Nr. 4 in As-Dur erfüllen den Raum und lassen uns Zuhörer in ein Bad von höchsten Tonerlebnissen tauchen. Die Pianistin entlockt dem alten Flügel wundervolle Klänge. Der Geist der Komponisten „ist geweckt, präsent und der Atem ihrer Musik lebendig“.
Beim ersten Konzert in Wien im Februar 1841 im Saal des Musikvereins spielt Carl Filtsch sich in die Herzen des illustren Publikums, erntet großen Beifall und berichtet dem Vater in einem Brief, dass er stolz sei, weil „das Conzert, wo ich zuerst öffentlich aufgetreten bin, gut ausgefallen ist“. Noch im gleichen Jahr folgt eine Konzertreise durch Siebenbürgen und wieder nach Wien und anschließend nach Paris. Henriette Gärtner rundet durch ihr wundervolles und sanft dahin wiegendes Spiel der Stücke von Ignaz Moscheles Diabelli Variationen und die Variationen über „Non Più Mesta“ aus Rossinis Oper La Cenerentola, Op 60, eine Opernbearbeitung von Henri Herz, die gerade gehörten Erzählungen ab.
Zum Schluss gibt uns Dagmar Dusil einen Vers mit auf den Heimweg. Ein Gedicht der US-amerikanischen Dichterin Emily Dickinson (1830-1886), in gewisser Weise auch Zeitgenossin von Carl Filtsch, hat Dagmar Dusil inspiriert, über den Austausch weniger Wörter einen parallelen Vers zu kreieren und so einen übertragenen Bezug zu Carl Filtsch, dem siebenbürgischen Wunderkind, herzustellen: „Ein Ton stirbt / wird er angeschlagen / sagen manche / Ich sag/ er fängt zu leben an / just dann.“
Und mit der Sonate Nr. 10 in C-Dur KV 330 von Mozart, deren Töne noch lange in uns weiterleben, endet ein wunderschöner musikalisch-literarischer Salon.
Ein großer Dank an die Künstlerinnen und Organisatoren des Tages.
Roselinde Markel
Schlagwörter: Bamberg, Filtsch, Musikalisch-literarischer Salon
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