SISYPHOS in der Antikensammlung: Ioan Tomas inspirierender Theaterabend in München
Der siebenbürgische Theaterregisseur Ioan C. Toma inszenierte im März in den Staatlichen Antikensammlungen in München ICH, SISYPHOS – INTRIGEN, LUST & LEID mit literarischen Bezügen zu Homer über Trevelyan bis Camus.
Ioan C. Toma. Foto: Bonnie Tillemann
Der Ort allein lädt dazu ein, die Zeit zu vergessen und sich in die antiken Geschichten des Sisyphos, König von Korinth, entführen zu lassen. Sein Leben, Lust und Leid stellt der in Kronstadt geborene Regisseur Ioan C. Toma dieses Mal in den Mittelpunkt der Aufführung. Dabei erweckt der wunderbar wandelbare Konstantin Moreth den listigen, klugen Sisyphos zu neuem Leben. Genau damit, beschreibt Homer, kannte Sisyphos sich bestens aus. Soll er doch zweimal den Tod überlistet haben und auf die Erde zurückgekehrt sein. Hat er doch selbst Thanatos, den Tod, ausgetrickst, indem er in betrunken gemacht und dann gefesselt hat. Bei der zweiten List bekommt Moreth alias Sisyphos Assistenz von Bonnie Tillemann, die als seine Frau Merope, anders als von Sisyphos erwartet, zuerst keine Begeisterung von der Rückkehr des totgeglaubten Gatten zeigt.
Bonnie Tillemann und Konstantin Moreth. Foto: Detlef Schuller
Immer wieder taucht im Verlauf des gut einstündigen Stückes die „Strafe“ auf, der Felsblock, der Sisyphos auferlegt wurde, ihn einen Berg hinaufzuwälzen, um ihn kurz vor dem Gipfel wieder und wieder hinabrollen zu sehen. Sinnlose, nie endende Qual oder doch wie Camus‘ Essy sagt: „der absurde, aber glückliche Held der Widerstand leistet?“ In jedem Fall ein glückliches Ende für das Publikum. So wie Sisyphos den Tod bewirtete, so wird am Ende der Zuschauer mit einem guten Glas Wein nach einem heiteren, nachdenklichen Abend aus der Antikensammlung verabschiedet.
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