27. April 2026
Schmorre, Schunga und Schuppnurrle
Nicht nur bei den Siebenbürger Sachsen, auch bei den Banater Schwaben wird viel Traditionelles gekocht und gebacken, und so manches Gericht birgt den Geschmack von früher, erinnert an die familiären Wurzeln. Dem Leserwunsch nach solch traditionellen Rezepten kam die Banater Post von 2016 bis 2023 mit ihrer monatlichen Kochkolumne „Banater Lieblingsgerichte“ nach, die von Dr. Hildegard Zappel verantwortet wurde. Aus dieser Kolumne ist das vorliegende Buch „Banater Lieblingsrezepte“ entstanden, das die aus Deutschsanktpeter im rumänischen Banat stammende frühere Kinderärztin Hildegard Zappel in Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft der Banater Schwaben entwickelt und herausgegeben hat.

Fast alle dieser Gerichte gibt es auch in der siebenbürgischen Küche, was nicht verwundert, da die benachbarten Regionen Siebenbürgen und Banat denselben kulinarischen Einflüssen (Österreich-Ungarn, Rumänien, früheres Jugoslawien) ausgesetzt waren. Unter den Banater Lieblingsrezepten finden sich zum Beispiel Tomatensuppe mit Nockerl, Salatsuppe, Salade de boeuf, Vinete und Zacuscă, gefüllte Paprika, Klausenburger Kraut und Sarmale, Hähnchenpaprikasch, Szegediner Gulasch, Zwiebelschnitzel, geriebene Bohnen, französische Kartoffeln, Mititei/Mici, Zwetschgen- und Topfenknödel, Vogelmilch, Grammelpogatschen, Quittenkäse, Salzgurken und hausgemachte Wurst; außerdem Baumstriezel, Cremeschnitten, Dobos- und Grillagetorte. Wenn man das so liest, kommt es einem gar nicht „schwäbisch“ vor, aber mit den Bezeichnungen in Mundart, die (sofern sie existieren und gebräuchlich sind) zusätzlich zum Hochdeutschen über jedem Rezept angegeben werden, sieht das schon anders aus. Dann gibt es unter anderem Hinglsupp (Hühnersuppe), Fleckle mit Schunga (Schinkenfleckerl), gepretschelte Grumbiere (Kürbis mit Kartoffeln und Speck), Fleschekraut (Kürbiszuspeise), Schuppnurrle mit Moosoma un Hollerkoch (Mohnschupfnudeln mit Obst-Röster), Schmorre (Schmarrn) oder Applrundcher (Apfelküchlein). Ein interessantes Extra am Ende des Buches ist, dass es neben dem alphabetischen Verzeichnis der Rezepte in Hochdeutsch auch eines in Mundart gibt – man kann also auch „auf Schwäbisch“ suchen.
Dank seiner klassischen Einteilung und der klaren, schnörkellosen Gestaltung mit vielen Farbfotos findet man sich im Buch gut zurecht und blättert gern darin. Die Fotos der Speisen wirken angenehm appetitanregend, ohne überladen oder gar inszeniert zu sein, was der hier vorgestellten bodenständigen Küche entspricht. „Banater Lieblingsrezepte“ ist ein feines und hochwertig ausgestattetes Buch, das nicht nur einen Blick in die Kulinarik, sondern auch in die Geschichte und die Bräuche des Banats gewährt. Es wird sicher dazu beitragen, tradierte Rezepte weiterzugeben und deren Fortleben zu sichern.
Doris Roth
Hildegard Zappel: „Banater Lieblingsrezepte“. Banater Bibliothek 30. Landsmannschaft der Banater Schwaben, München, 2025, 236 Seiten, 34 Euro, ISBN 978-3-910556-08-9. Das Buch kann bei der Landsmannschaft unter Telefon: (0 89) 23 55 73-0, E-Mail: landsmannschaft[ät]banater-schwaben.de oder direkt über die Homepage www.banater-schwaben.de bestellt werden.Schlagwörter: Kulinarik, Kochbuch, Banater Schwaben
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