12. Juli 2006

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Plädoyer für den Erhalt des siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbes

Für den Erhalt des siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbes hat Dr. Dr. h.c. Christoph Machat, Vorsitzender des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates, in einem Vortrag am 3. Juni in Dinkelsbühl plädiert. Der engagierte Denkmalpfleger versuchte Verständnis für die Dokumentation und die Sicherung des Erbes zu wecken, das durch die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste internationale Beachtung gefundet hat.
Der Bundesvorsitzende Volker Dürr dankte Machat einführend für seinen Einsatz im Kulturrat, der 1991-1998 im Rahmen des Projektes "Dokumentation des siebenbürgisch-sächsischen Kulturguts" eine flächendeckende Erfassung des von Deutschen in diesem Raum geschaffenen Kulturgutes durchgeführt hatte.

Das Dokumentationsprojekt hat nach Ansicht Machats einen sehr hohen Stellenwert für die Anstrengungen zur Kulturgutsicherung in Siebenbürgen, legt es doch die wissenschaftliche Grundlage für zukünftige Sicherungsmaßnahmen. Das vom Bundesinnenministerium geförderte Vorhaben hat auch die Grundlagen dafür geschaffen, dass Ende 1999 sieben Kirchenburgen und Städte Siebenbürgens auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurden: die Wehrkirchen und Kirchenburgen samt zugehörigen Dörfern in Kelling, Wurmloch, Keisd, Deutsch-Weißkirch, Tartlau sowie die Szeklerburg Darjiu und die Altstadt von Schäßburg. Birthälm steht schon seit 1993 auf dieser Liste. Mit sieben ehemals deutschen Ortschaften in Siebenbürgen, die auf der UNESCO-Welterbeliste stehen, halten die Siebenbürger Sachsen "einen einmaligen Weltrekord für eine kleine Volksgruppe", sagte Machat.

Nach Ansicht des UNESCO-Experten stehen die Chancen gut, dass die Altstadt von Hermannstadt als Erweiterung der bereits seit 1999 bestehenden Position Schäßburg auf die Liste des UNESCO-Weltkulterbes aufgenommen wird. Allerdings wurde die Stadt am Zibin Anfang dieses Jahres als neuer Fall beim Welterbezentrum der UNESCO in Paris eingereicht, und "Neuaufnahmen von historischen Stadtkernen werden sehr restriktiv gehandhabt", betonte der gebürtige Schäßburger. Der 60-jährige Kunsthistoriker und Denkmalpfleger ist seit 1992 Generalsekretär des Internationalen Komitees für ländliche Architektur von ICOMOS (dem Internationalen Rat für Denkmalpflege der UNESCO) und seit 1995 - als erster Deutscher - Präsident dieses Internationalen Komitees.

Anhand von zahlreichen Dias verdeutlichte Machat den Verlauf des Dokumentationsprojektes in den neunziger Jahren, das in enger Zusammenarbeit mit rumänischen Einrichtungen, Kunsthistorikern und Architekten durchgeführt worden war. Über 30 Fachleute Rumäniens bzw. Siebenbürgens wurden in der Erfassungsmethodik geschult. Sie haben das "gebaute" siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe kennen gelernt und identifizieren sich heute in hohem Maße mit der deutschen Kultur.

Der Vorsitzende des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates bedauerte, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse des Dokumentationsprojektes in Gundelsheim am Neckar lagern und die Herausgabe der Denkmaltopographie mangels Finanzierung nur zögerlich vonstatten gehe.

Des Weiteren stellte Machat einige Initiativen zur Sicherung von Kulturdenkmälern vor, beispielsweise die Modellrestaurierung mit Hilfe der Messerschmitt Stiftung München in Schäßburg und die Anwendung des "Vorspannverfahrens" bei der Sicherung der Bergkirche, die inzwischen auch als Museum für Flügelaltäre und kirchliche Kunst genutzt wird. Das Engagement der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung wurde anhand der Kirchenburg in Tartlau und Honigberg erläutert. Schönberg werde als Studentenzentrum für das Studium der ländlichen Architektur genutzt. Überhaupt sei die Nutzung von Gebäuden von entscheidender Bedeutung für deren Fortbestand. Deshalb regte Machat an, Kirchen an andere Konfessionen zu übergeben, wenn keine evangelische Gemeinde mehr vorhanden sei. Ein Beispiel einer gut erhaltenen, der orthodoxen Gemeinde abgegebenen Kirche sei jene in Petersdorf südlich von Bistritz.

Dr. Machat rief seine Landsleute und die Heimatortsgemeinschaften auf, sich für den Erhalt der Kirchen und anderer Gemeinschaftsbauten in Siebenbürgen zu engagieren. Dass diesbezüglich ein großes Interesse besteht, zeigten die vielen Zuhörer, die auch nach dem Vortrag im Konzertsaal des Spitalshofs das Gespräch mit dem Denkmalpfleger suchten.

Siegbert Bruss

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 11 vom 15. Juli 2006, Seite 10)

Schlagwörter: Vortrag, Heimattag, Dinkelsbühl, Brauchtum

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