12. Juli 2009

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Ortsmonografie Mediasch: Wort- und bildgewaltiges Panorama

Das moderne Mediasch hat nur noch wenig mit der historischen Stadt an der Kokel gemein. Von deutschen Siedlern auf einem Schwemmlandhügel der Kokel gegründet, entwickelte sich der Ort zu einer siebenbürgischen Stadt mit unverwechselbarer Kulisse. Um die Erinnerung an das alte Mediasch und die Verdienste und Leistungen seiner sächsischen Bewohner zu bewahren, hat die Heimatgemeinschaft Mediasch eine umfangreiche Dokumentation veröffentlicht.
Das Buch „Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel“ ist das Ergebnis eines siebenjährigen Forschungsprojektes. Ziel der Heimatgemeinschaft Mediasch (HGM) war es, ein umfassendes Bild- und Textarchiv über Alt-Mediasch anzulegen. Tausende von Bilddokumenten, privaten Erinnerungen, Akten und Publikationen sind in diesem Rahmen zusammengetragen worden und bilden die Grundlage für das 352-seitige Buch. Explizit wird eine ausschließlich sächsische Sichtweise gewählt, die die Leistungen anderer Volksgruppen nur am Rande erwähnt.

In sechs Abschnitten nähern sich die Autoren der Stadt und ihrer Geschichte von der Gründung bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Zu Beginn des Streifzuges führt Gustav Servatius durch „Die Mediascher Landschaft“. Der Leser wird in das siebenbürgische Weinland mitgenommen, erfährt vom Mediascher Kältepol in den Kalten Kuhlen, dem Grewelnloch als Ausflugsziel und anderen mehr oder weniger bekannten Orten in und um Mediasch. „Das historische Bild der Stadt Mediasch“ zeichnet Hansotto Drotloff, beginnend mit der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes Medies 1267. Detailreiche Schilderungen, Zitate und Illustrationen enthüllen die Phasen der Stadtentwicklung, lassen ehemalige Bewohner zu Wort kommen und zeigen historische Stadtansichten. z ... Die Zeit des Mittelalters wird im Abschnitt „Die Mauern von Medwisch“ von den Herausgebern sowie Sören Pichotta und Anselm Roth genauer vorgestellt. Vier Rundgänge führen durch das historische Zentrum: um das Kastell, rund um die Stadtmauer, zu den vielen Sakralbauten und schließlich durch die Straßen und Plätze der Altstadt. Die Geschichte einzelner bis heute erhaltener und verschwundener Bauwerke wird in angenehm leicht zu lesender Sprache erzählt. An dieses Kapitel schließt „Ein Rundgang durch die Altstadt“ mit Hansotto Drotloff an. Der mit historischen Fotografien und Malereien bebilderte Spaziergang führt durch Gassen und über Plätze und offenbart interessante geschichtliche und architektonische Details des kleinen Städtchens.

Anhand des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirkens der Stadtbewohner wird anschließend „Das Leben im alten Mediasch“ dargestellt. Die ersten Siedler werden ursprünglich Handwerker gewesen sein, wird der Stadthistoriker Paul Niedermaier zitiert. Die Stadt erreichte zwar nie die wirtschaftliche Bedeutung von Hermannstadt oder Kronstadt, doch fand zumindest der Mediascher Jahrmarkt mit dem Märchen „Der Bär, der Wolf, der Fuchs und der Hase auf dem Medwischer Margrethi“ Eingang in das siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe. Einen ungeahnten Aufschwung erfuhr die Stadt mit der Endeckung bedeutender Erdgasvorkommen. In der Folge siedelten sich Unternehmen der Glas-, Metall- und Textilindustrie an. Erwin Schuster berichtet über die Erdgasfunde. Der Entwicklung von Lehre und Bildung in Mediasch widmet sich Hans Gerhard Pauer. Ausführlich berichtet Hansotto Drotloff über das gesellschaftliche Leben. Er schildert das Nachbarschaftswesen und stellt die vielfältige Vereinslandschaft dar. Mit der „Medwischer Chronik“ schließt das Buch. In ihr werden noch einmal wichtige Fakten der Stadtgeschichte herausgestellt. Eine Jahrestafel fasst bedeutende Ereignisse zusammen. Herausragende Bürger der Stadt werden kurz porträtiert. Karikatur von Wolfgang Untch. ...Karikatur von Wolfgang Untch. „Die Stadt Mediasch zieht einen nicht unbedingt auf Anhieb in ihren Bann“, schreibt Günther E. Schuster im Vorwort des Buches. Ganz anders das Buch über die Stadt. Die Herausgeber Günther Schuster, Vorsitzender der HGM, und Hansotto Drotloff, Schriftführer der HGM, haben ein dokumentarisches Ensemble geschaffen, das die Kleinteiligkeit und Stimmungsfülle einer vergangenen Welt einfängt. Nahezu 1 000 Bilder illustrieren diese Dokumentation. Man merkt dem Buch an, dass seine Erstellung eine Herzensangelegenheit war. Mit Akribie und Liebe zum Detail haben die Herausgeber und ihre Helfer, darunter als Lektor und Redakteur Anselm Roth vom Schiller Verlag, eine unglaubliche Fülle an Informationen zusammengetragen und ein wort- und bildgewaltiges Panorama des historischen Mediasch gezeichnet. Gleichzeitig besticht dieses Panorama mit seiner Detailgenauigkeit. Angesichts der Vielzahl an Bildern, Kästen und Texten besteht allerdings die Gefahr, dass der Leser an manchen Stellen die Orientierung verliert.

Holger Wermke

Hansotto Drotloff, Günther E. Schuster (Herausgeber.): Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel, Großformat 24x24, Schiller Verlag, Sibiu/Hermannstadt, Bonn 2009, 352 Seiten, 30 Euro, ISBN: 978-3-941271-15-9.

Buchvorstellung am 29. Juli 2009 in München

Eine Gelegenheit, den Autoren der Ortsmonografie Mediasch Fragen zu stellen und auch ein oder mehrere Exemplare des Buches zu erwerben, bietet sich am Mittwoch, dem 29. Juli 2009 (Achtung: nicht am 20. Juli, wie versehentlich in der gedruckten Ausgabe der Siebenbürgischen Zeitung mitgeteilt), 18.30 Uhr, im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, in München (zu erreichen mit allen Münchner S-Bahnen, Haltestelle "Rosenheimer Platz"). Hansotto Drotloff, Anselm Roth und Günther Schuster laden zur Buchvorstellung ein.
Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel
Hansotto Drotloff, Günther E. Schuster (Hg.)
Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel

Schiller Verlag
fester Einband (Hardcover)
352 Seiten
EUR 30,00 (+ Versandkosten)
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Schlagwörter: Rezension, Mediasch, Heimatbuch

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