15. August 2009

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Christlicher Widerstand gegen Hitler

In der Siebenbürgischen Zeitung (Folge 20 vom 15. Dezember 2008, Seite 1) wurde über den Schwarze-Kirche-Prozess in Kronstadt berichtet. Damals, 1958, wurde der aufrechte Christen, Stadtpfarrer Konrad Möckel, zu lebenslänglicher Haft verurteilt. In diesem Zusammenhang sei an einen Märtyrer des Hitlerregimes erinnert, der am 15. August 1944, vor 65 Jahren, durch den Strang zu Tode gebracht wurde: Hans-Bernd von Haeften.
1943 war es als „kulturpolischer Legationsrat“, als Kulturattaché in Rumänien. Er wusste sich dem Siebenbürger Volk und seiner Kirche tief verbunden und hatte bald intensiven Kontakt mit Konrad Möckel. Eindrucksvoll und bedenkenswert für unseren deutschen Stamm der Siebenbürger Sachsen ist sein Brief, in dem er sich dem Kronstädter Stadtpfarrer mit großer Offenheit und mit erstaunlichem Weitblick offenbart. Dr. August Schuller machte im Siebenbürgisch-sächsischen Hauskalender 2007 aufmerksam auf diesen Brief.
n Auszügen sei dieser Brief zitiert: „Auf lange Sicht wird sich der unumgängliche Kampf nur auf der Basis der echten geistigen Grundlage führen lassen (…) Wir müssen im Auge behalten, dass eines Tages alle andern Fundamente außer diesem zusammenstürzen werden (…) Geben Sie alle säkularisierten Vorfelder frei, aber widerstehen Sie auf dem eigentlichen, dem geistlichen Kampffeld (…) Die Fassade des 800-jährigen Gebäudes wird zu Bruch gehen. Legen Sie den Grundstein zu dem künftigen Neubau (…) Die bloße Restaurierung ihrer Kirchenburgen mag musealen und geschichtspädagogischen Wert haben (…) aber worauf es ankommt, ist doch der totale Neubau der Kirchenburg.“ Welch eine prophetische Kraft liegt doch in diesen Worten - und wir begreifen, dass hier zwei Männer einander Mut machten, sich ganz auf Jesus Christus zu gründen! Wer war Hans-Bernd von Haeften?

Am 18. Dezember 1905 wurde er als Sohn eines Generalstabsoffiziers in Berlin geboren. Nach Ende des 1. Weltkrieges war sein Vater als Generalmajor Direktor der kriegsgeschichtlichen Abteilung des Reichsarchivs in Potsdam und damit maßgeblich an der Kriegsgeschichtsschreibung über den 1. Weltkrieg beteiligt. Seine Mutter war die Schwester des späteren Generalfeldmarschalls der Wehrmacht, von Brauchitsch. Nach der Schulzeit auf einem humanistischen Gymnasium in Berlin studierte Hans-Bernd Jura unter anderem in Cambridge. Er heiratete 1930 Barbara Curtius, die Tochter des damaligen Außenministers und Stresemann-Nachfolgers Julius Curtius. Da Haeften nicht sofort in den außenpolitischen Dienst aufgenommen wurde, arbeitete er zunächst an verschiedenen Stellen, so auch als Generalsekretär der Stresemannstiftung. 1933 trat er in das Auswärtige Amt ein und war in Kopenhagen, Berlin, Wien, Bukarest und ab Ende 1940 wieder in Berlin, zuletzt als vortragender Legationsrat in der kulturpolitischen Abteilung tätig.

Hans Bernd von Haeften (rechts) vor dem ...Hans Bernd von Haeften (rechts) vor dem Freislergericht. Seine oppositionelle Haltung zum Naziregime entsprang seiner religiösen Lebensauffassung. Er gehörte der Bekennenden Kirche an, hatte persönliche Beziehungen zu Dietrich Bonhoeffer und war mit Martin Niemöller befreundet. Er forderte von der Kirche, gegen die Unmenschlichkeit des Regimes Stellung zu nehmen und schreibt im Mai 1941: „Wenn die christlichen Völker so wie heute vom Wahnsinn politischer Dämonien gepackt werden, dann muss die seelsorgerliche Stimme der Kirche auch öffentlich ertönen und Zeugnis ablegen vor aller Welt… .“

Haeften nahm an verschiedenen Beratungen des Kreisauer Kreises teil und hatte besonders enge Beziehungen zu Adam Trott von und zur Solz und zu Reichwein. Gemeinsam mit Trott trat er für die sofortige Beendigung des Krieges und für die Sicherung eines dauerhaften Friedens ein. Er war es, der 1944 den Oberst Graf Schenk von Stauffenberg mit Trott bekannt machte. Sein Bruder Werner von Haeften, im Zivilberuf Syndikus, wurde nach einer schweren Verwundung im November 1943 dem Allgemeinen Heeresamt in Berlin zugeteilt und war 1944 Ordonnanzoffizier Stauffenbergs. Auch Dietrich Bonhoeffer beriet sich vor seiner Reise nach Stockholm ausführlich mit Hans-Bernd von Haeften. Am 15. August 1944, bei der Gerichtsverhandlung vor Freisler, der ihn zu seiner Meinung über „den Führer“ befragte, sagte von Haeften, er halte diesen für den „Vollstrecker des Bösen in der Geschichte“. Am selben Tag wurde er gehängt. Seinen Bruder Werner ereilte dies Schicksal schon zuvor, am 20. Juli.

Pfarrer i.R. Johannes Kasper

Schlagwörter: Nationalsozialismus

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