4. Juni 2012

Gespräch mit Christian Macedonschi, Bürgermeisterkandidat des Kronstädter Forums

Er ist gebürtiger Kronstädter und war Schüler der Honterusschule, der Allgemeinschule Nr. 12 und des Şaguna-Lyzeums, bevor er als Elftklässler nach Deutschland auswanderte. Am Dürer-Gymnasium in Nürnberg machte er Abitur, anschließend erwarb er sein Vordiplom in Betriebswirtschaftslehre an der Friedrich-Alexander-Universität. Beruflich machte sich Christian Macedonschi (Jahrgang 1972) schon während des Studiums im Bereich Telekommunikationen selbständig – in wenigen Jahren besaß er gemeinsam mit Geschäftspartnern elf Läden in Bayern. Vor einem Jahrzehnt gründete er auch in Kronstadt eine Firma. Er entdeckte für sich den Bereich Tourismus und wurde in der Politik und im Deutschen Wirtschaftsklub aktiv. Jetzt kandidiert er seitens des Forums für das Bürgermeisteramt in Kronstadt. Kurz vor den Wahlen am 10. Juni beantwortete Christian Macedonschi einige Fragen für die Siebenbürgische Zeitung.
Sie sind 1990 nach Deutschland ausgewandert. Wieso der Entschluss, nach Rumänien zurückzukehren?
2002 oder 2003 hat mich die Firma Franke Kaffeemaschinen – einer meiner Großkunden – angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, beruflich nach Rumänien zu kommen. Ich hatte den Kontakt zu Rumänien nie aufgegeben und war ziemlich oft bei meinen Cousins zu Besuch. So kam es schnell zur Entscheidung, ein Kaffeemaschinengeschäft hier zu starten: das war die Firma Trus Horeca Services S.R.L., die ich auch jetzt habe. Wir haben in Rumänien ganz McDonalds mit Franke Kaffeemaschinen ausgestattet, später mit der deutschen Firma Roka die Imbiss-Stände bei Kaufland eingerichtet, unlängst haben wir eine Partnerschaft mit Lidl angefangen. In der Zwischenzeit importieren wir Kaffee und Tee über eine zweite Firma. Natürlich haben wir uns auch erweitert, wir machen komplette Gastronomie-Einrichtungen für Hotels, Restaurants, Bars und Kaffeehäuser.

Wie kam es zu Ihrem politischen Engagement?
Vor ein paar Jahren, als die Krise begann, war ich mit der politischen Entwicklung recht unzufrieden – genauer gesagt, mit den gegen die Krise nicht getroffenen Maßnahmen. Ich hatte die Möglichkeit, entweder nach Deutschland zurückzukehren und die hiesigen 50 Angestellten zu entlassen, oder mich hier einzusetzen, um etwas an der Situation zu ändern. Das war der Grund, weshalb ich mich politisch aktiviert habe. Es ist kein Zufall, dass es die Nationalliberale Partei war: 1990, bevor ich nach Deutschland ausgewandert bin, habe ich mich in die PNL eingeschrieben. Ich wollte etwas gegen das alte kommunistische Regime tun, meine Unzufriedenheit durch Taten zeigen. Die drei Jahre Erfahrung bei den Liberalen helfen mir jetzt sehr viel bei der Forumskandidatur.

Warum kandidieren Sie im Namen des Forums und nicht der Liberalen?
Ich fühle mich im Forum zu Hause und möchte, dass das Forum hier in Kronstadt stark wird. Dieses Projekt ist für mich nicht kurzfristig: Ich werde nicht zur PNL überlaufen, mein Ziel geht weiter. 2016 muss das Forum den Bürgermeister von Kronstadt stellen, falls wir es jetzt nicht schaffen. Bis dahin haben wir Zeit uns aufzubauen, wobei das wichtigste die Einigkeit ist. Wir sollten alle am selben Strang ziehen und das gemeinsame Ziel vor den Augen haben.

Was braucht Kronstadt als nächstes?
Mit Sicherheit wurde auch bisher viel Positives getan. Aber jetzt haben wir das klassische „ABC“ – auf Rumänisch „asfalt, becuri, curăţenie“ (Asphalt, Straßenbeleuchtung, Sauberkeit) hinter uns. Höchste Zeit, über unseren Tellerrand zu schauen. Das Wichtigste zurzeit sind sichere und vernünftige Arbeitsplätze. Ich glaube, dass wir durch wirtschaftliche Verbindungen zu dem deutschsprachigen Raum und durch Investoren, die aus dieser Gegend kommen, zahlreiche Arbeitsplätze schaffen können. Der Deutsche Wirtschaftsklub Kronstadt hat dieses Vorgehen auch bisher unterstützt und ist in der Zwischenzeit der größte Arbeitgeber im Kreis Kronstadt. Man sollte nicht vergessen, dass der DWK selbst auf Initiative des Forums gegründet worden ist.
Christian Macedonschi (Bildmitte, vorne) und die ...
Christian Macedonschi (Bildmitte, vorne) und die Kandidaten des Kronstädter Forums für den Stadtrat, von links nach rechts: Steffen Schlandt, Wolfgang Wittstock, Paul Cristian, Marius Câmpeanu, Carmen Elisabeth Puchianu, Dieter Ziriakus, Ralf Sudrigian, Dieter Drotleff, Klaus Seitz, Werner Braun, Helmuth Wagner, Albrecht-Gernot Klein, Rolf Truetsch, Jürgen Zach, Manuela Petrescu, Thomas Şindilariu, Tiberiu Kincses, Dagmar Hübner, Cosmin Obogeanu, Emil Marian. Foto: Demokratisches Forum der Deutschen in Kronstadt
Sie sprechen von Investoren aus dem deutschsprachigen Raum: Ist das nicht einschränkend für andere Investoren?
Natürlich öffnen wir uns für alle. Aber die Nähe zu dem deutschsprachigen Raum ist durch die Muttersprache gegeben.

Sie sind auch im Tourismus aktiv, als Leiter des Verbandes für touristische Förderung und Entwicklung im Kreis Kronstadt (APDT). Wie kam es dazu, welches sind Ihre größten Projekte?
Mein BWL-Studium habe ich an der Transilvania-Universität in Kronstadt abgeschlossen und habe zusätzlich auch eine Zulassung im Bereich Tourismus erhalten. 2009 habe ich die Leitung des Verbands übernommen, es folgten die ersten Auflagen des Oktoberfestes und des Christkindlesmarktes. Es ist uns auch wichtig, die Kirchenburgen als touristische Attraktionen mit Leben zu füllen, deshalb haben wir die Ritterfestspiele in Kronstadt, Rosenau, Fogarasch und Törzburg veranstaltet. Denn für die Schwarze Kirche kommt der Tourist ein Mal, für eine Veranstaltung in der Schwarzen Kirche kommt er jedes Mal wieder – selbstverständlich, wenn die Veranstaltung hochwertig ist.
Der Kreis Kronstadt hat es inzwischen geschafft, der touristisch stärkste Landkreis in Rumänien zu werden und Konstanza zu überholen. Wir hatten landesweit im Jahr 2011 die größte Anzahl von Touristen. Das zeigt, was für ein Potenzial wir hier haben! Im Rahmen der wichtigsten Tourismus-Konferenz Rumäniens haben „Siebenbürgen und die sächsischen Kirchenburgen“ als Destination unlängst den ersten Preis erhalten – wobei ich sagen muss, dass es nicht nur „unser“ Preis ist. Dazu kam es in Zusammenarbeit mit Hermannstadt, mit Schäßburg, mit allen Verbänden und Nichtregierungsorganisationen aus der Region. Es sind die einzelnen Projekte, die in Endeffekt ganz Südsiebenbürgen attraktiv machen.

Welches ist Ihr nächstes Projekt im Bereich Tourismus?
Einen Bus für das Burzenland einzuführen, um die Touristen aus Kronstadt, aus der Törzburg und aus Rosenau in die ganze Region zu bringen. Durch diesen Bus erhalten die Besucher Zugang zu Informationen über die Kirchenburgen und zu moderner Infrastruktur. Der Tourist kann sich eine Fahrkarte für einen oder für mehrere Tage kaufen und kann in- und aussteigen, wo er möchte. Die Busse sollten in regelmäßigen Zeitabständen durch das ganze Burzenland fahren, die Haltestellen sollten sich direkt vor den Kirchenburgen befinden. Das wäre nicht nur für die Touristen aus anderen Gegenden willkommen: Auch die Menschen, die im Burzenland wohnen, sollten sehen, was sie eigentlich vor der Tür haben.

Wie schätzten Sie Ihre Chancen bei den Wahlen ein?
Ich weiß, dass meine Gegner sehr stark sind, deswegen werde ich mich besser als sie für diesen Kampf vorbereiten. Es ist wichtig, dass wir mindestens zwei bis fünf Plätze im Stadtrat erzielen. Wenn wir sie bekommen, werden wir uns auf drei wichtige Bereiche konzentrieren: internationale Beziehungen, Tourismus und Kultur.

Wer sind die ersten Kandidaten auf der Liste des Forums für den Stadtrat?
Laut Beschluss des Forums bin ich der erste, es folgen Werner Braun, Vorsitzender des DWK, Helmuth Wagner, sehr bekannt als Leiter des Johannes-Honterus-Lyzeums, Rolf Truetsch von der Julius-Römer-Hütte, Dagmar Hübner und Emil Marian, beide Manager von DWK-Mitgliedsfirmen. Auf Platz sieben ist der Musiker Steffen Schlandt, auf Platz acht Cosmin Obogeanu, Vertriebsspezialist der Romtelecom/Deutschen Telekom in Kronstadt, der auch „June“ ist – wir hoffen auch auf Stimmen aus der Oberen Vorstadt.

Nennen Sie uns einen Plus- und einen Minuspunkt Ihrer Persönlichkeit?
Ein Minuspunkt ist, dass ich manchmal durch überdurchschnittlichen Optimismus und Tatendrang stur bin. Pluspunkt: ich kann in jeder Lage ein „Katalysator“ sein und Menschen motivieren.

Schlagwörter: Interview, Kronstadt, Forum

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Neueste Kommentare

  • 04.06.2012, 18:30 Uhr von scumpa: Wünsch ihnen auch alles erdenklich Gute dass sie es schaffen....und hoffe, dass die Kronstädter ... [weiter]
  • 04.06.2012, 12:22 Uhr von haraldgitschner: Frohes Schaffen und viel viel Erfolg !!! Harald Gitschner [weiter]

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