15. Mai 2013

Handfeste Hilfe für bedrohten Kulturschatz

Über 70 interessierte Hörer füllten am Sonntagnachmittag, den 28. April, den Vortragssaal der Klosterschule in Glonn bis auf den letzten Platz, sie wurden nicht enttäuscht: Hans Gröbmayr und Johannes Thusbas berichteten nicht nur nüchtern-sachlich über ein vorbildhaftes Projekt der Fachschule für Bau in München, sondern fesselten ihre Zuhörer mit vielfältigen Facetten ihres seit 2010 laufenden Europaprojekts.
Nicht weniger als die Rettung der Kirchenburg in Mardisch hatten sich insgesamt über 100 angehende Facharbeiter und Meister des Bauhandwerks vorgenommen.

Nach Jahrzehnten politischer Unterdrückung hatte die Mehrzahl der Siebenbürger Sachsen seit Anfang der 1990er Jahre ihre alte Heimat verlassen. Damit wurden viele Kirchenburgen nicht mehr genutzt, und sind dem Verfall preisgegeben, da die menschlichen und finanziellen Ressourcen fehlen, wie Johannes Thusbas in einem kurzen historischen Abriss erläuterte. Das Eingreifen war dringend erforderlich. Die Herausforderung war groß: ein gewaltiges Projekt in 1500 km Entfernung zu planen und zu leiten, und die Ungewissheit, was sich in der jeweils nur dreiwöchigen Einsatzzeit vor Ort realisieren lässt. Ein solches Vorhaben erfordert persönliche Begeisterung und den Kopf, der das Ganze im Blick hat.
Die Kirche in Mardisch vor der Renovierung. Foto: ...
Die Kirche in Mardisch vor der Renovierung. Foto: Fritz Roth
Die jungen Handwerker, überwiegend angehende Maurer- und Zimmerermeister unter Leitung von Hans Gröbmayr, opferten bei allen vier Einsätzen jeweils einen Teil ihres Urlaubs. Anhand vieler kleiner Begebenheiten, Widrigkeiten, aber auch ermutigenden persönlichen Erlebnissen machte Hans Gröbmayr den Projektverlauf plastisch. So viel kann gesagt werden: Jeder kehrte vielfach bereichert wieder zurück! Da ist zum einen der Projekterfolg: Die Kirchenburg in Mardisch wurde wieder instandgesetzt, und der Bestand für viele Jahre gesichert. Da sind zum anderen die vielfältigen Erfahrungen in der praktischen Restauration, die so in Deutschland nicht möglich gewesen wären, wie Hans Gröbmayr eindringlich schilderte. Und da ist vor allem die persönliche Erfahrung mit zwei völlig anderen Kulturkreisen, der bäuerlichen rumänischen Bevölkerung und den Roma, die beide in das Projekt eingebunden wurden und ihren Beitrag leisteten. Insbesondere mit Blick auf die Beteiligung der einheimischen Bevölkerung wurden im Zuge des Projektes auch die Schule in Martinsdorf renoviert und das Häuschen der Bushaltestelle erneuert; die Ertüchtigung der Einheimischen soll die Nachhaltigkeit des Projekts wesentlich unterstützen.

So wie die Kirchenburg in Mardisch nun wieder ein deutlich sichtbares Zeichen für das Vermächtnis der Siebenbürger Sachsen in Rumänien darstellt, so ist die menschliche Erfahrung aus der Zusammenarbeit ein beständiger Wert im Herzen aller Beteiligten.
Die Kirche in Mardisch nach der Renovierung. ...
Die Kirche in Mardisch nach der Renovierung. Foto: Dr. Renate Glaser
Abschließend sprach der Vorsitzende der Heimatortsgemeinde, Fritz Roth, den Vortragenden und allen Beteiligten den persönlichen Dank für dieses großartige Engagement aus: „Engagement über eine längere Zeit führt zu einer Beziehung.“ Anhaltender Beifall. Viele Zuhörer mit persönlichen Wurzeln in Siebenbürgen zeigten sich erfreut und sehr bewegt, und wünschen diesem Projekt möglichst viele Nachahmer.

Joachim Hellriegel

Schlagwörter: Kirchenburg, Renovierung, Denkmalpflege, Mardisch, München

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Neueste Kommentare

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