7. Juli 2013

Kulturwoche Haferland bietet attraktives Programm

In der idyllischen, an saftigen Wiesen und dichten Wäldern reichen Hügellandschaft des ­Haferlandes liegen im Kreis Kronstadt die jahrhundertealten siebenbürgisch-sächsischen Ortschaften bzw. Dörfer Deutsch-Weißkirch, Deutsch-Kreuz, Radeln, Meschendorf, Bodendorf und Reps. Das Haferland, das seinen Namen vom klimatisch begünstigten Haferanbau ableitet, ist Schauplatz für die zum ersten Mal stattfindende Kulturwoche Haferland vom 27. Juli bis 4. August 2013. Die Schirmherrschaft hat Dr. h.c. Susanne Kastner, Vorsitzende der Deutsch-Rumänischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages, übernommen.
Initiatoren waren Peter Maffay und Michael Schmidt, die im Juli 2012 beschlossen haben, diese Veranstaltungsreihe ins Leben zu rufen. Ihr Kerngedanke: Ortsansässige Organisationen sollten miteinander vernetzt werden, um altes Kulturgut, Bräuche und Handwerk anschaulich in Erinnerung zu bringen und darüber hinaus innovative Entwicklungen zu unterstützen. So engagieren sich bei diesem einwöchigen Kulturprojekt neben der Peter Maffay Stiftung und der Michael Schmidt Stiftung als Mitveranstalter der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, der Mihai Eminescu Trust, das Evangelische Pfarramt A.B. Reps, die Heimatortsgemeinschaft Meschendorf und die Gemeinde Bodendorf.

Vielfältige kulturelle Angebote – was, wann, wo?

Ein attraktives Programm mit Orgel- und Kircheneinweihung, Orgelkonzert, Straßen- und Burgfest, Wander- und Kulturtag, Dorfbesichtigungen, Tag der offenen Tür u.v.m. lockt in der 31. Kalenderwoche ins Haferland. Der nachfolgende Überblick listet die lokalen Veranstaltungen auf. Eingehende Informationen über Veranstalter, Region, das Programm, über Anreise und Übernachtungsmöglichkeiten bietet die Webseite www.haferland.ro.

Deutsch-Kreuz: 1224 gegründet, gehörte Deutsch-Kreuz im Mittelalter gemeinsam mit neun weiteren siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden zur Grundherrschaft der Abtei von Kerz. Das Wahrzeichen der Gemeinde ist die Kirchenburg mit ihrer Wehranlage, deren Verteidigungsmauern im 15.-17. Jahrhundert errichtet wurden. Von 1807-1811wurde die alte Kirche abgetragen und ein neues großes Gotteshaus errichtet. 1813, also vor 200 Jahren, war der Bau der klassizistischen Kirche mitsamt der Thois-Orgel abgeschlossen. Die fern der Heimat lebenden Deutsch-Kreuzer Sachsen kehren gerne zurück und versuchen ihre aufblühende Gemeinde tatkräftig zu unterstützen. Die Restaurierung der Kirche und der Kirchenorgel erfolgte durch EU-Mittel und die Unterstützung der Evangelischen Landeskirche bzw. finanzielle Mittel der Michael Schmidt Stiftung und Spenden der Gemeindemitglieder.
Die 200 Jahre alte, frisch restaurierte Thois ...
Die 200 Jahre alte, frisch restaurierte Thois-Orgel wird am 28. Juli durch Bischof Reinhart Guib eingeweiht und erklingt dann in einem Konzert. Foto: Wolfgang Köber
Das Veranstaltungsprogramm: Samstag, den 27. Juli, 11.00-15.00 Uhr: Haferlandbrunch in der Kirchenburg – von den Dorfbewohnern mit Zutaten aus eigener Herstellung vorbereitetes Mittagsfrühstück; Sonntag, den 28. Juli, 11.00-12.30 Uhr: Einweihung der Kirche und der Kirchenorgeldurch den Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Reinhart Guib; nach dem von Ortspfarrer Siegmar Schmidt mitgestalteten Gottesdienst folgt ein Festessen (12.30-14.00 Uhr); 14.00-16.00 Uhr: Orgelkonzert „Ein Fest für die Orgel“: Ursula und Kurt Philippi haben zusammen mit Klaus Dieter Untch und Steffen Schlandt ein niveauvolles Orgelkonzert zusammengestellt, in dem ein hochkarätiges Musikensemble mit dem Hermannstädter und dem Kronstädter Bachchor mitwirkt; zudem wird am 28. Juli ein kleines, in der Ringmauer der Kirchenburg eingerichtetes Heimatmuseum eröffnet, in dem Trachten, alte Bauernmöbel und Alltagsutensilien, die aus der Gemeinde stammen, ausgestellt werden; Dienstag, den 30. Juli, ab 10.00 Uhr: Treffen der HOG Deutsch-Kreuz in der Kirchenburg; Samstag, den 3. August, ab 20.00 Uhr: Burgfest in der Kirchenburg auf Einladung der Jugend der HOG Deutsch-Kreuz, bei dem die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland (SJD) vertreten sein wird.

Radeln: von deutschen Siedlern gegründet, erstmals 1356 urkundlich erwähnt, im 15. Jahrhundert zur Wehrkirche mit ovaler Ringmauer, Glockenturm als Bergfried und fünf Wehrtürmen sowie einer Vorburg ausgebaut. Seit 2009 ist die Peter Maffay Stiftung/Fundaţia Tabaluga in Radeln aktiv (Projekt „Kirchenburg Radeln – Schutzraum für Kinder“) und hat im ehemaligen evangelischen Pfarrhof ein therapeutisches Ferienheim für traumatisierte Kinder und Jugendliche eingerichtet und einen modern ausgestatteten Neubau als Unterkunftsgebäude realisiert. Das Ferienhaus dient als internationale Begegnungsstätte. Es werden Gruppen aus Rumänien und dem europäischen Ausland empfangen, die zwischen 10 bis 14 Tagen therapeutische Aktivaufenthalte erleben. Zudem bemüht sich die Peter Maffay Stiftung/Fundaţia Tabaluga auch um die Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung sowie die Revitalisierung des Ortes. Veranstaltung am Samstag, den 3. August, 11.30-18.30 Uhr: Tag der offenen Tür, Tabaluga Stiftung, Peter Maffay Stiftung und BayWa-Stiftung, Auftritt einer Reisetanzgruppe der SJD (Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland) Bayern.

Bodendorf: Das Ortsbild prägt die Wehrkirche, die nach einer umfangreichen Renovierung im Rahmen der Kulturwoche eingeweiht wird. Veranstaltungen: Freitag, den 2. August, ab 9.00 Uhr: regionaler Bauernmarkt; Sonntag, den 4. August, 11.00 Uhr: Einweihung der evangelischen Kirche, 12.00 Uhr: traditionelles Straßenfest. Deutsch-Weißkirch: Montag, den 29. Juli, 10.00-20.00 Uhr: begleitete Dorfbesichtigungen sowie organisierte Ausfahrten mit umgebauten Pferdewagen.
Kulturwoche Haferland in Deutsch-Weißkirch: ...
Kulturwoche Haferland in Deutsch-Weißkirch: Ausfahrten mit dem Pferdewagen. Foto: Wolfgang Köber
Das im 12. Jahrhundert gegründete siebenbürgisch-sächsische Dorf ist seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe. Deutsch-Weißkirch zeigt heute noch ein recht gut erhaltenes Dorfbild mit seinen siebenbürgisch-sächsischen Höfen, Scheunen, Dorfanger und der Kirchenburg. Die rund 420 Dorfbewohner, überwiegend Rumänen und Roma, sind bemüht, den autentischen Charakter des Dorfes und der imposanten Kirchenburg aufrecht zu erhalten. Die Mihai-Eminescu-Stiftung startete 1999 in Deutsch-Weißkirch die handwerkliche Ausbildung der Dorfbewohner und die denkmalgetreue Restaurierung der Häuser, Scheunen und der Kirchenburg. Traditionelle Arbeitstechniken werden wiederbelebt, lokale Baumaterialien, wie Sand, Kalk, Lehm, Steine und Holz, finden wieder Verwendung. Dank dieser Initiativen hat die Dorfgemeinschaft die Chance auf ein geregeltes Einkommen und übernimmt die Verantwortung für das vorhandene sächsische Kulturerbe. Seine Königliche Hoheit Prinz Charles, Schirmherr der Mihai Eminescu Stiftung, besucht die Region regelmäßig.

Meschendorf: Dienstag, den 30. Juli, 7.30-14.00 Uhr: Wandertag mit dem Ziel Meschendorf (Start um 7.30 Uhr in Deutsch-Weißkirch, 9.00 Uhr in Deutsch-Kreuz); Mittwoch, den 31. Juli, 11.00-24.00 Uhr: Kulturtag in Meschendorf. Im Ortskern von Meschendorf können die Besucher eine unverfälschte, typische siebenbürgisch-sächsische Gemeinde erleben, wie sie vor 100 Jahren war. Die evangelische Kirchenburg ist das Prunkstück des Dorfes und thront über der Gemeinde. Die frisch renovierte Wehrkirche wird mit ihren vorreformatorischen Schriften und Malereifragmenten als besonders wertvoll eingestuft. Die rumänisch-orthodoxe Kirche verbirgt ihren Prunk im Innern, mit authentischer Kirchenmalerei. Einen guten Einblick in Kultur, Geschichte und das Leben der Dorfbevölkerung erhält man während einer Wanderung durch die hügelige Landschaft mit ihren Wiesen, Weiden und Wäldern. Eine besondere Attraktion in Meschendorf ist auch die Ausstellung von alten sächsischen Trachten und Truhen aus den letzten Jahrhunderten.
Die auf einem Basaltkegel thronende, weithin ...
Die auf einem Basaltkegel thronende, weithin sichtbare Repser Burg wurde 1324 erstmals erwähnt, war Sitz des Repser Königsrichters und wurde später mehrmals verwüstet. Nach Wiederaufbau und Renovierungsarbeiten ist die Burg seit Mitte Juni wieder für den Touristenverkehr freigegeben und kann im Rahmen der Kulturwoche Haferland am 1. August von 11.00-19.30 Uhr besichtigt werden. Foto: Răzvan Barbul
Reps: Donnerstag, den 1. August, 11.00-19.30 Uhr: Besichtigung der Repser Burg, Baustellenkonzert in der ev. Kirche, Besuch des Heimatmuseums. Im 12. Jahr­hundert gründeten deutsche Siedler den Marktflecken Reps, dessen bedeutendstes Sakralgebäude die evangelische Kirche ist. Die im 15. Jahrhundert errichtete gotische Saalkirche wurde später mit einem danebenstehenden barocken Glockenturm versehen. Zur Zeit bedarf die Kirche besonderer Aufmerksamkeit, da die Restaurierung mangels finanzieller Mittel seitens der evangelischen Kirchengemeinde A.B. nicht fertiggestellt werden kann. Die Repser Kirchengemeinde besitzt eine Sammlung von siebzehn orientalischen bzw. anatolischen Teppichen. Die "Schwalbennest“-Orgel wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gebaut, 2012 restauriert und steht zur Zeit in der Schwarzen Kirche, um später wieder nach Reps zu kommen. Das Wahrzeichen von Reps ist die oberhalb der Stadt thronende Burgruine (siehe Titelfoto), die ehemals Sitz des Repser Königsrichters war, der von hier aus das Repser Ländchen bzw. das Haferland verwaltete. In den Nachkriegsjahren wurde die Burg durch Benutzung als Steinbruch stark beschädigt. Nach der Wende in Rumänien wurde die Bedeutung der Burg als architektonisches Kleinod wahrgenommen. Hauptsächlich durch EU-Fördermittel finanziert, begannen der Wiederaufbau und die Renovierungsarbeiten an der Burg, die Mitte Juni 2013 wieder für den Touristenverkehr freigegeben wurde.

Ganztägig am jeweiligen Veranstaltungsort zu sehen sein wird die von der Kulturreferentin für Südosteuropa, Dr. Swantje Volkmann geförderte Wanderausstellung „Das Fogarascher und das Repser Land“ mit Bildern von Martin Eichler, Georg Gerster und Martin Rill.

Schlagwörter: Kulturwoche, SJD, Deutsch-Kreuz, Radeln, Reps, Deutsch-Weißkirch, Meschendorf, Bodendorf

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Neueste Kommentare

  • 16.07.2013, 09:24 Uhr von gogesch: Es gibt auch andere Meinungen über diese "Übertünchungsveranstaltung mit Gschmäckle". Sicherlich ... [weiter]

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