17. Juni 2018

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500 Jahre Bogeschdorfer Flügelaltar

Bogeschdorf – Am 26. Mai traf sich die HOG Bogeschdorf erstmals in der alten Heimat wieder: Hunderte ehemalige Bogeschdorfer waren mit ihren Familien angereist, um das 500-jährige Jubiläum des spätbarocken Flügelaltars in der Bogeschdorfer Kirche zu feiern.
Der auf 1518 datierte, vorreformatorische Marienaltar wird Johannes Stoß aus Schäßburg zugeschrieben, dem Sohn des bekannteren Nürnberger Meisters Veit Stoß. Zu diesem Anlass wurde die Festschrift „500 Jahre Bogeschdorfer Altar“ (40 Seiten, 16 Farbabbildungen, Herausgeber: Martin Rill, erhältlich unter www.siebenbuergen-buch.de) präsentiert, worin Pfarrer Rolf Binder den Altar, seine typischen Stilelemente und Bilderszenen ausführlich beschreibt: Geöffnet zeigt er den Schrein mit der Jungfrau Maria, flankiert von Maria Magdalena und der Heiligen Katharina. Geschlossen sind auf acht Bildern 16 Heilige dargestellt. „Das Zwischenkokelgebiet ist reich an spätgotischen Altären, von denen nur wenige wissen“, erklärt Pfarrer Binder den Besuchern, zu denen auch der deutsche Vizekonsul aus Hermannstadt, Harald Franczak, der Vorsitzende des Siebenbürgenforums Martin Bottesch, die Vorsitzende des Kronstädter Kreisforums und Festrednerin Caroline Fernolend sowie Vertreter des Landes- und der Bezirkskonsistorien von Schäßburg, Mediasch und Mühlbach, die Pfarrer, Kuratoren und Burghüter aus dem Zwischenkokelgebiet gehören. Ebenfalls aus Deutschland mit Familie angereist war der Bogeschdorfer Helmuth Gaber, der in dem ehemaligen Weindorf seit 2006 das Weingut „Terra Regis“ betreibt. Anlässlich der Feier wurde auch der neue Bildband von Martin Rill vorgestellt, „Einblicke ins Zwischenkokelgebiet“, mit Luftaufnahmen von Georg Gerster. Den Festgottesdienst zelebrierte Pfarrer Heinz Pieldner, der von 1975-85 in Bogeschdorf wirkte.

Nina May

Am Gottesdienst in der Marienkirche nahmen auch ...Am Gottesdienst in der Marienkirche nahmen auch zahlreiche Bogeschdorfer in Tracht teil. Foto: Konstantin Gaber

500 Jahre Bogeschdorfer Flügelaltar

Die Anspannung war groß. Man fragte sich, ob es gelingen würde, das 500-jährige Altarjubiläum in eine angemessene und würdige Zeremonie einzubetten, die diesem prächtigen Anlass in Bogeschdorf gerecht werden könnte. In den ersten Maitagen lösten sich dann alle Zweifel in Wohlgefallen auf, denn es zeichnete sich deutlich ab, dass rund 100 Bogeschdorfer die Reise antreten würden, um persönlich dabei zu sein, wenn ihr wertvoller Altar am 26. und 27. Mai gewürdigt, bestaunt und mit allen Ehren bedacht werden sollte zu seinem 500-jährigen Jubiläum. Zwei bekannte Autoren und Herausgeber siebenbürgisch-sächsischer Literatur erklärten sich bereit, eine Festschrift zu verfassen und obendrein zur Erläuterung und Präsentation vor dem Bogeschdorfer Altar in Form eines Kultur- und Kunstvortrags am 26. Mai. Der Kunsthistoriker Martin Rill und Pfarrer i.R. Dr. Rolf Binder überraschten alle Bogeschdorfer mit einer sehr gelungenen Festschrift, die es mit rund 40 Seiten in sich hat. Darin wird die ganze Pracht des Altars ausgiebig dargestellt, zu den Bildern folgen erklärende Texte, die den Leser behutsam heranführen und mit der Bedeutung jeder einzelnen Altarszene vertraut machen.

Nahezu 130 Gäste fanden sich dann am Samstagnachmittag (26. Mai) in der Bogeschdorfer Marienkirche ein, darunter rund 100 Bogeschdorfer von nah und fern, der rumänische Bürgermeister Ion Aldea mit seinem 12-köpfigen Gemeinderat, mehrere Pfarrer und Vikare aus den Kirchenbezirken Mediasch, Hermannstadt, Schäßburg und Mühlbach sowie Kuratoren und Gemeindeglieder zahlreicher siebenbürgisch-sächsischer Gemeinden. Der Organisator und einladende Veranstalter Helmuth Gaber hatte daneben die besondere Ehre, Harald Fratczak, Vizekonsul des Konsulats der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt, zu begrüßen, daneben zahlreiche Pressevertreter, u.a. Nina May von der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien, Krisztina Molnar vom TVR Mureș sowie ein Kamerateam vom deutschsprachigen Fernsehen Bukarest. Der amtierende Schäßburger Bezirksdechant Bruno Fröhlich übersetzte auf besondere Bitte von Martin Rill den deutschen Vortrag von Dr. Binder zur großen Freude aller lokalen Gäste simultan ins Rumänische und trug so zum besseren Verständnis und Gelingen des Gesamtvortrags bei.

Als gute Ergänzung gestaltete sich die Buchpräsentation „Einblicke ins Zwischenkokelgebiet“ von Georg Gerster und Martin Rill. Diese Neuerscheinung reiht sich ein in eine Sammlung bedeutender Bildbände zu den deutschen Siedlungsgebieten im heutigen Rumänien. Die Buchpräsentation wurde mit großer Leidenschaft vorgetragen von Caroline Fernolend, der Vorsitzenden des Mihai Eminescu Trust, die es verstand, allen Teilnehmern Lust auf den gewichtigen Bildband zu machen, mit der Schönheit und Vielfalt aller 36 Ortschaften im Zwischenkokelgebiet.

Am Sonntagvormittag (27. Mai) läuteten die Glocken pünktlich um 10.00 Uhr zum Gottesdienst. Zahlreiche Teilnehmer trugen die sächsische Tracht und fanden sich in der Marienkirche ein, wo sie von Pfarrer Heinz Pieldner und dem deutschen Orgelbauer und Organisten Burkhard Wenzel empfangen wurden. Die Bogeschdorfer Gemeinde hat für Pfarrer Pieldner einen hohen Stellenwert, schließlich war dies seine erste Station ab 1975 bis zur Übersiedlung nach Deutschland im Sommer 1985. Pfarrer Pieldner gelang es, die Gemeinde einzubinden, und so entfaltete sich ein berührender, für viele auch sehr emotionaler Gottesdienst. Als die Glocken das Ende des Gottesdienstes verkündet hatten, blieben alle noch auf dem Kirchhof stehen und machten Erinnerungsfotos.

Das Altarjubiläum und das erste Bogeschdorfer Heimattreffen waren eine rundum gelungene und wohlorganisierte Veranstaltung. Als zentrale Veranstaltungsstätte diente der in Bogeschdorf bestehende Pensionsbetrieb von Herrn Rosso mit bis zu 70 Betten und einer leistungsstarken Gastronomie. Auch das Wetter spielte mit und ermöglichte so allen Landsleuten ausgiebige Besichtigungen der alten Hofstellen, des Friedhofs und des ganzen Dorfes. Eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen, denn viele Teilnehmer wünschten sich bereits für 2020 ein weiteres Bogeschdorfer Treffen in der Heimat.

Helmuth Gaber

Schlagwörter: Bogeschdorf, Kirche, Altar, Jubiläum, Fest, HOG

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