1. September 2021

Wo ein Wille ist, dort ist auch ein Weg: Evaluation steht nach dem fünften Gottesdienst in Mühlbach an

Mit der Übertragung in und aus Mühlbach vom 29. August 2021 wird die erste Serie der hybriden, gemeinsamen Gottesdienste der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR) und des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaft beendet. Es schließt sozusagen ein Pilotprojekt, welches evaluiert werden muss, ob es einen Willen zu spirituellen grenzübergreifenden Gemeinschaft gibt, denn der Weg dazu ist gangbar.
Digitaler Gottesdienst in Mühlbach. Foto: Claudiu ...
Digitaler Gottesdienst in Mühlbach. Foto: Claudiu Riemer
Ihre besondere Note haben Pfarrer Alfred Dahinten und der Filmemacher Edi Schneider diesem fünften Gottesdienst der Serie verliehen. Etwas mehr Dramatik als sonst – mit Bildern von sächsischen Trachten und Luftaufnahmen, „slow motion“ und rotierender Kamera – würzte das digitale Treffen der Gemeinden Mühlbach, Donnersmarkt, Seiden, Bulkesch, Taterloch und Schönau. Von letzterer HOG übernahm es der Vorsitzende Hans Gärtner, die digitalen Gäste durch den Gottesdienst zu führen. Die von den Sommerferien etwas ausgedünnte Gemeinschaft folgte der Predigt von Alfred Dahinten zu der Geschichte von Kain und Abel. Sie vernahm auch dessen Aufruf, sich für die Restaurierung der Fresken in der Kirche von Taterloch einzusetzen. Die biblische Lesung des Sonntags übernahm Dechant Dr. Dr. Wolfgang Wünsch aus der Kirche von Petersdorf, der damit die Verbindung zum Kirchenbezirk Mühlbach herstellte. Die Worte der HOG-Vorsitzenden unterstrichen allesamt die Freude über die Möglichkeit zum gemeinsamen Wirken: Gerhard Wagner (Mühlbach), Horst Schuster (Bulkesch), Karin Schuster (Donnersmarkt), Hans Gärtner (Schönau) und Friedrich Wegend (Seiden). Mit Musik des georgischen Musikers Wascha Asaraschwilli, vorgetragen vom Organisten Sergiu Săndulache und Schülern der Musikschule, nahm der Gottesdienst sein Ende.

Damit schloss sich der Bogen, der am 31. Oktober 2020 mit dem Reformationsfest im Bezirk Hermannstadt, in Michelsberg, begann. Er umfasste danach Mediasch (4. Advent), Kronstadt (Laetare), Schäßburg (Pruden am Pfingstmontag) und schloss nun in Mühlbach. So war jeder Kirchenbezirk einmal an der Reihe, und es konnten die entsprechenden HOG-Netzwerke und Partnerschaften aktiviert werden. Der historische Vortrag von Thomas Șindilariu, die Musik des Halboktetts aus Berlin, die Worte der ehemaligen Kronstädter Pfarrer von Sidney bis Augsburg, der Dialog mit Superintendent Harald Pepel aus Zwickau oder das Interview mit Restaurator Kiss Lorand; all diese wären ohne digitale Technik so nicht möglich gewesen. Auf den Übertragungskanälen ZOOM und Facebook kamen mitunter erstaunliche Teilnehmerzahlen zusammen. Motiviert waren aber auch die Gottesdienstteilnehmer vor Ort, wenn sie durch die digitalen Einschübe erfahren durften, wie weit und wie groß das Netz der Teilnehmenden eigentlich ist. Dabei blieben alle – im Respekt den lokalen Kirchengemeinden gegenüber – gemeindegebundene Veranstaltungen, bei denen die Ortsvertreter das letzte Wort hatten. Was das Organisationsteam des Theologischen Instituts leistete, war die Koordination, Bewerbung sowie digitale Durchführung lokaler Ideen. Das Team hatte als konstante und ehrenamtliche Mitarbeiter Jakob Cosoroabă, der von seinem Büro aus Temeswar gekonnt jeweils den technischen Hintergrund sicherte, Claudiu Riemer, der in allen Kirchen die Bild- und Tontechnik zuverlässlich bediente, sowie der Schreiber dieser Zeilen, der sich um die Kontakte zu den HOGs, den Bezirken und Kirchengemeinden sowie den Medien kümmerte.

Dabei waren die Siebenbürgische Zeitung, Kirche und Heimat sowie die Portale siebenbuerger.de und evang.ro von großer Hilfe. Zwar wurde durch „EKR Gottesdienste“ eine eigene Seite in den sozialen Medien geschaffen, die in zehn Monaten über 370 Abonnenten sammeln konnte, aber das waren doch zu wenig, um eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen. Zuverlässige Hilfe bot die HOG-Verbandsvorsitzenden Ilse Welther, indem sie die Informationen zu den Gottesdiensten über den Verteiler der Heimatortsgemeinschaften laufen ließ. Zu dem Kernteam gesellten sich punktuell jeweils die Vertreter der Bezirke und der Kirchengemeinden, aus denen die Gottesdienste übertragen wurden. Sie brachten ihre Kontakte, ihr Gemeindeverständnis und ihre Kompetenzen ein. Wie es nach dieser Jahresrunde mit der Gottesdienstserie weitergeht, wird erst nach einer gemeinsamen Evaluation der Kirchenleitung der EKR, des HOG-Verbandes und des Teams feststehen. Diese Bewertung passt auch gut in die aktuellen Bemühungen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, der die digitale Zusammenarbeit auf seiner Tagesordnung hat. Ein Selbstläufer sind die grenzübergreifenden, hybriden Gottesdienste nicht, da viele Stunden konzentrierter und koordinierter Arbeit dafür notwendig sind. Der Weg ist eröffnet. Um ihn zu gehen, braucht es jedoch tatsächlich den Willen.

Dr. Stefan Cosoroabă

Schlagwörter: Gottesdienst, Mühlbach, Zoom, EKR, HOG

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