4. Februar 2026
Premier Bolojan zu Gesprächen in Berlin: Bundeskanzler Merz würdigt Rumäniens Beitrag zur europäischen Sicherheit
Berlin – Der offizielle Besuch des rumänischen Premierministers Ilie Bolojan am 27. und 28. Januar in Deutschland erfolgte in einer Phase wachsender geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Umbrüche und europäischer Selbstermächtigung. Vor diesem Hintergrund nutzten Berlin und Bukarest die Gelegenheit, ihre strategische Partnerschaft zu vertiefen. Bundeskanzler Friedrich Merz empfing Bolojan im Bundeskanzleramt. Im Bewusstsein der engen bilateralen Beziehungen erörterten die Regierungschefs sicherheits-, wirtschafts- und europapolitische Fragen. Am selben Tag unterzeichneten die Verteidigungsminister Deutschlands und Rumäniens, Boris Pistorius und Radu-Dinel Miruță, im Berliner Bendlerblock eine Absichtserklärung zu Rüstungsexporten.

Antrittsbesuch im Bundeskanzleramt
„Wie machen wir Europa gemeinsam in diesen schwierigen Zeiten sicherer? Wie machen wir es wettbewerbsfähiger?“ Dies seien zentrale Fragen seines Gesprächs mit Ilie Bolojan gewesen, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz in der gemeinsamen Pressekonferenz. Beide Regierungschefs betonten die enge europapolitische Abstimmung ihrer Länder. Merz sprach von einer „neuen Phase der Großmachtpolitik“, in der Freiheit, Sicherheit und Wohlstand in Europa nicht mehr selbstverständlich seien. Deutschland und Rumänien übernähmen gemeinsam Verantwortung für die Sicherheit Europas.
Merz und Bolojan betonten ihre Geschlossenheit beim Umgang mit der von Russland ausgehenden hybriden Bedrohung. Die Angriffe reichten von gezielter Desinformation über Cyber-Operationen bis hin zu Lauftraumverletzungen an der NATO-Ostflanke. Deutschland beteiligt sich inzwischen zum vierten Mal mit Eurofightern an der Überwachung des rumänischen Luftraums.
Neben der Sicherheitsagenda nahmen auch die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder breiten Raum ein. Deutschland ist Rumäniens wichtigster Handelspartner, deutsche Direktinvestitionen belaufen sich nach Angaben Bolojans auf mehr als 18,5 Milliarden Euro. Wie Bundeskanzler Merz hervorhob, seien Deutschland und Rumänien wirtschaftlich bereits stark miteinander verwoben, doch gebe es auch noch großes Potenzial. Gerade in den Bereichen Industrie, Digitalisierung, Infrastruktur und Energie gelte es, die „gemeinsame Erfolgsgeschichte jetzt mit Engagement“ fortzusetzen. Beide Regierungschefs vereinbarten, Investitionen in strategischen Bereichen wie Energie, Industrie und Verteidigung auszubauen, auch mithilfe europäischer Instrumente wie des SAFE-Programms. Bolojan zufolge strebt Rumänien an, den Beitritt zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) noch in diesem Jahr abzuschließen. Der Premierminister dankte Deutschland in diesem Zusammenhang für die anhaltende Unterstützung. Zudem würdigte er die Rolle der rumänischen Gemeinschaft in Deutschland sowie der deutschen Minderheiten in Rumänien.


Militärische Kooperation
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat am 28. Januar seinen rumänischen Amtskollegen Radu-Dinel Miruță im Berliner Bendlerblock empfangen. Die beiden Minister erörterten die sicherheitspolitische Lage in der Schwarzmeerregion und den Ausbau der militärischen Zusammenarbeit, heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Verteidigung.Beide Länder haben Patriot-Luftverteidigungssysteme an die Ukraine abgegeben und sehen sich vor ähnlichen Herausforderungen an der NATO-Ostflanke. Ein Schwerpunkt der Gespräche war die deutsche Beteiligung an der Mission „enhanced Air Policing South“, bei der seit August 2025 erneut deutsche Eurofighter auf dem rumänischen Militärflugplatz Mihail Kogălniceanu stationiert sind. Pistorius betonte, die Maschinen würden fast täglich, häufig sogar mehrmals am Tag, alarmiert. Miruță lobte die Professionalität der deutschen Soldatinnen und Soldaten sowie die enge Zusammenarbeit vor Ort. Darüber hinaus ist Rumänien Gastgeber für deutsche Truppen bei NATO-Manövern, zuletzt bei der Großübung „Swift Response“, der größten Luftlandeübung des Bündnisses seit dem Kalten Krieg. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Rüstungskooperation: Bereits im vergangenen Jahr hatten beide Länder einen Aktionsplan unterzeichnet, der unter anderem den Aufbau von Munitionsproduktionskapazitäten in Rumänien vorsieht. Miruță kündigte an, dass die Produktion noch in diesem Jahr anlaufen solle.
Zum Abschluss des Treffens erfolgte die Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung zur weiteren Intensivierung der militärischen Zusammenarbeit. Dabei soll insbesondere geprüft werden, wie die Kooperation im Bereich der Luftverteidigung vertieft werden kann, auch im Rahmen der European Sky Shield Initiative, der sich Rumänien frühzeitig angeschlossen hatte. Pistorius verwies zudem auf neue EU-Finanzierungsinstrumente wie SAFE, mit denen gemeinsame Beschaffungsprojekte unterstützt und Fähigkeitslücken schneller geschlossen werden sollen.



Parlamentarische Begegnungen und Minderheitenpolitik
Im Rahmen seines Berlin-Besuchs wurde Premierminister Bolojan am 28. Januar im Deutschen Bundestag von Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz empfangen. An dem einstündigen Gespräch nahmen auch der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, sowie Ovidiu Ganț, Abgeordneter der deutschen Minderheit im rumänischen Parlament, teil. Thematisiert wurden Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, der inneren Sicherheit, der Digitalisierung, vor allem aber der besonderen Rolle der deutschen Minderheit in und aus Rumänien.

Christian Schoger
Schlagwörter: Bolojan, Merz, Pistorius, Berlin, Bernd Fabritius
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