21. April 2026

Lufthansa streicht Flüge zwischen München und Hermannstadt: Forum, Verband und DWS nehmen Stellung

Angesichts gestiegener Kerosin-Preise und eines defizitären Geschäftsbetriebes hat Lufthansa am 18. April alle 27 Flugzeuge der Lufthansa CityLine mit sofortiger Wirkung und dauerhaft aus dem Flugplan genommen. Damit wurde auch die wichtige und meistgenutzte Flugverbindung zwischen München und Hermannstadt (MUC–SBZ) gestrichen. Gegen diese Streichung nehmen das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien, der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e. V. und der Deutsche Wirtschaftsclub Siebenbürgen (DWS) dezidiert Stellung und fordern, die Sparmaßnahme zu überdenken.
Cityliner der Lufthansa auf dem Flughafen in ...
Cityliner der Lufthansa auf dem Flughafen in Hermannstadt (September 2025). Foto: Konrad Klein
Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa begründete die Sparmaßnahme mit der Preissteigerung für Kerosin und den Verlusten der defizitären Lufthansa CityLine. Die Canadair-CRJ-Flugzeuge nähern sich dem Ende ihrer technischen Lebensdauer und verursachen vergleichsweise hohe Betriebskosten, hieß es auf der Homepage der Lufthansa. „Das Maßnahmenpaket zur beschleunigten Umsetzung von Flotten- und Kapazitätsmaßnahmen ist angesichts der stark gestiegenen Kerosinkosten und der geopolitischen Instabilität unvermeidlich“, wird Till Streichert, Finanzvorstand und CFO der Lufthansa Group, in einer Meldung der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien zitiert.

Deutsches Forum bittet, die Streichung der Lufthansa-Flüge nach Hermannstadt und Klausenburg zu überdenken

An Bundeskanzler Dr. Friedrich Merz und Carsten Winfried Spohr, den Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa AG, sandte Dr. Paul Jürgen Porr, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), je ein Schreiben betreffend die Einstellung des Flugbetriebs von Lufthansa CityLine nach Hermannstadt (Sibiu) und Klausenburg (Cluj). Er führte mehrere für Rumänien und die Bundesrepublik Deutschland bedeutende Aspekte an, die unter der Entscheidung zu leiden haben, heißt es in einer Pressemitteilung des Forums.

Der DFDR-Vorsitzende wies auf die deutschen Wirtschaftsniederlassungen wie Aumovio-Continental, Bosch, Siemens, Mercedes, Kromberg & Schubert hin, die ihre Filialen dank der verlässlichen Flugverbindung von den deutschen Drehkreuzen nach Siebenbürgen in dieser Gegend gegründet haben. Der Forumsvorsitzende befürchtet, dass der Wegfall dieser Flugverbindung „eine reelle Gefahr für den Wirtschaftsstandort in diesen Städten darstellt“.

CityLine sei „der verlässlichste Partner der Tourismusbranche und insbesondere des Kulturtourismus“ gewesen, die schnelle und zuverlässige Flugverbindung wurde von zahlreichen in beiden Staaten lebenden Familienmitgliedern genutzt, um einander zu besuchen. Die Einstellung der CityLine-Flüge werde folglich wirtschaftliche, kulturelle und sich auf die Gemeinschaft der Deutschen in Rumänien negativ auswirkende Folgen haben, unterstrich Dr. Porr. Er stellte klar, dass er die wirtschaftliche Entscheidung nicht kritisieren möchte, aber er bat den Bundeskanzler, im Rahmen der ihm vom Amt her erteilten Möglichkeiten einzuwirken, und den Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden, die Aufrechterhaltung des Flugbetriebes von München nach Hermannstadt und Klausenburg zu prüfen.

Stellungnahme des Verbandes der Siebenbürger Sachsen

Bundesvorsitzender Rainer Lehni verdeutlicht in einem Schreiben an den Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Carsten Winfried Spohr die engen Verbindungen zur Region Siebenbürgen und den „bedeutenden Beitrag zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung dieser Region“, den die über 250.000 in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen sowie die rund 220.000 in Bayern lebenden Bürgerinnen und Bürger mit rumänischer Staatsangehörigkeit leisten. Zudem engagiere sich der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. mit über 25.000 Mitgliedern für den deutsch-rumänischen Brückenschlag. Als Beispiele werden die Großen Sachsentreffen 2017 und 2024 in Hermannstadt (Sibiu) erwähnt, Letzteres mit einem Konzert von Peter Maffay und jeweils über 20.000 Besucherinnen und Besuchern. Für die Teilnehmenden aus Bayern kam der Flugverbindung München–Sibiu eine wesentliche Bedeutung zu.

In der Region Hermannstadt seien namhafte deutsche Unternehmen vertreten, deren Umsätze sich auf über 50 Milliarden Euro belaufen. „Für diese Unternehmen stellt die Flugverbindung einen bedeutenden Standortfaktor dar“, argumentiert Rainer Lehni. Die Unternehmen hätten sich auch aufgrund der direkten Flugverbindung nach München niedergelassen, ebenso „aufgrund der historischen deutschen Prägung der Region und der engen wirtschaftlichen und kulturellen Verbundenheit zu Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner des Landes“. Die Region Hermannstadt (Sibiu) sei zugleich ein bedeutendes Reiseziel mit internationaler Anziehungskraft, wobei viele Besucher und Familienangehörige, die in beiden Staaten leben, das Drehkreuz München nutzten. Vor diesem Hintergrund regte Rainer Lehni an, „die Flugverbindung MUC–SBZ einer vertieften Prüfung zu unterziehen und deren nachhaltige Sicherung zu erwägen, da ihr eine hohe strategische und verkehrspolitische Bedeutung für die regionale und internationale Anbindung zukommt“.

Wirtschaftsstandort Hermannstadt nutzt Lufthansa in erheblichem Maße

In einem eindringlichen Brief hat sich auch Wolfgang Köber, Vorsitzender des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen (DWS), an den Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr gewandt. Die Flugverbindung zwischen Hermannstadt und München sei von großer Bedeutung, denn über 70 Prozent der Reisenden aus Hermannstadt nutzen das Drehkreuz München für Anschlussreisen in alle Welt, insbesondere nach Deutschland und Europa. Laut den dem DWS vorliegenden Auswertungen „sind ca. 50 % der Flüge nach München Geschäftskunden und somit unverzichtbar für die weitere Existenz der deutschen Unternehmen in der Region aufgrund der zahlreichen Businessflüge“, schreibt Wolfgang Köber.

Der Deutsche Wirtschaftsclub Siebenbürgen (DWS) vertrete die Interessen von über 100 zum großen Teil renommierten Unternehmen mit deutschem Kapital in der Region Hermannstadt (Sibiu). Zu den DWS-Mitgliedern gehören Aumovio (ehem. Continental Automotive), Bosch, Harting, Kendrion, Kromberg & Schubert, Kuka, Marquardt, Mercedes Benz, ODU Manufacturing, Thyssenkrupp-Bielstein, Siemens, Visma und viele mehr. Zahlreiche Zulieferer und Partner dieser Konzerne hätten sich in der Zentralregion um Hermannstadt angesiedelt, wobei die direkte Flugverbindung nach München eine wesentliche Rolle gespielt habe. Die Hälfte der Arbeitsplätze aus dem privaten Sektor in dieser Region werde von deutschen Investoren gestellt, deren Umsätze sich auf über 50 Milliarden Euro belaufen. Daher bittet der DWS-Vorsitzende, „die Flugverbindung MUC-SBZ ausführlich zu prüfen und langfristig zu sichern, da sie strategisch relevant und unverzichtbar ist“. Der Wirtschaftsclub sei bereit, auf Wunsch einen strukturierten Dialog mit der regionalen Verwaltung und den wichtigsten Akteuren aus allen Sektoren zu initiieren.

Siegbert Bruss

Schlagwörter: Flug, Verkehr, Hermannstadt, Forum, Verband

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