12. Juni 2008

Dr. Hans Georg Franchy: Der Hergang der Brandkatastrophe in Bistritz

„Von tiefer Ergriffenheit und Schmerz um die Ereignisse in Bistritz“ berichtet Dr. Hans Georg Franchy, Vorsitzender der Heimatortgemeinschaft Bistritz-Nösen e.V., über den Hergang des Brandes am Turm und am Kirchdach der evangelischen Stadtpfarrkirche in Bistritz. Das Schreiben richtet sich an alle Mitglieder der Heimatortgemeinschaft und alle Interessierten.
Am 11. Juni 2008 ca. 19.10 Uhr Mitteleuropäischer Zeit bekomme ich einen Anruf von Hauptanwalt Friedrich Gunesch von der Evangelischen Landeskirche in Hermannstadt, dass die Bistritzer Kirche und der Turm brennen. Kurz darauf erhalte ich einen weiterer Anruf aus Rumänien mit dem Hinweis, dass im rumänischen Fernsehen live aus Bistritz übertragen wird.

Versuche, mit Stadtpfarrer Johann-Dieter Krauss oder anderen Personen in Bistritz Kontakt aufzunehmen, scheitern. Die Bilder im Fernsehen treiben mir die Tränen in die Augen. Das Gerüst um den Kirchturm brennt lichterloh, stürzt in sich zusammen, der ganze Turm ist ein Flammenmeer, aus dem Inneren des Turms schlagen die Flammen in den Himmel. Ein Türmchen kippt und fällt brennend herunter, das Turmdach neigt sich, dreht sich in sich und stürzt ab. Zum Glück nicht auf das Kirchendach, sondern in Richtung Kornmark.

Pfarrer Krauss meldet sich telefonisch bei mir und bestätigt Gesehenes und berichtet von derartiger Hitze um den Bradherd, dass er seine Wohnung im Pfarrhaus nicht mehr betreten kann. Die Löscharbeiten der Feuerwehr zeigen wenig Erfolg, da ihre Reichweite auf 20 Meter begrenzt ist. Ein Übergreifen des Feuers auf das Kirchdach lässt sich nicht verhindern. Nach dreieinhalb Stunden kommt die Nachricht, das Feuer sei unter Kontrolle, nachdem weitere Feuerwehreinheiten aus der Umgebung sowie aus Klausenburg und Neumarkt am Mieresch (Târgu Mureş) zur Hilfe gekommen waren.

Während dieser ganzen Zeit steht das Telefon nicht still. Eine Horrornachricht folgt der anderen. Es wird berichtet, die Orgel sei abgebrannt, der Turm gänzlich eingestürzt und der Altar abgebrannt.

Das Ausmaß der Zerstörung

Zum Glück stimmt dies so nicht. Um halb zwei rumänischer Zeit berichtet mir Pfarrer Krauss über das Ausmaß der Zerstörung. Der Turm ist ausgebrannt, über den Zustand der Glocken weiß man nichts. Das Kirchdach ist zu einem Drittel ausgebrannt, bis mehr als zur Hälfte beschädigt.

Ursachenforschung und erste Schätzungen

Im Inneren der Kirche sind bei einer ersten Untersuchung (bei Taschenlampenlicht) keine größeren Schäden außer Löschwasserschäden festgestellt worden. Die Orgel ist nicht Opfer der Flammen geworden. Das Feuer ist unter Kontrolle, die Feuerwehr wird die ganze Nacht über Brandwache halten. In der Früh um sechs Uhr sollen die Brandursachen- und Schadensermittlungen beginnen.

Im Laufe des Tages werden in Bistritz Pressekonferenzen abgehalten, hierbei wird der Schaden an dem Turm und Kirche auf eine Million Euro geschätzt. Der Schaden könnte bis Ende nächsten Jahres behoben werden, falls das Geld zu Verfügung steht, erklärte Architekt Prof. Szabo aus Klausenburg.

Vermutungen, dass Obdachlose die unter dem Gerüst gehaust haben, den Brand entfacht haben und andere Vermutungen wie gezielte Brandstiftung, werden zurzeit noch unter die Kategorie Gerüchte eingereiht.

Ein Vertreter der Firma, die am Turm gearbeitet hat, weist Vorwürfe über unzureichende Sicherung der Baustelle mit der Begründung zurück, dies sei vertraglich nicht vorgesehen gewesen. Ebenso wenig sei eine Vorbehandlung mit Feuerschutzmitteln des rohen Holzes, das zum Gerüstbau verwendet wurde, aus Kostengründen nicht vorgesehen gewesen.

Bestandaufnahme

Bischof D. Dr. Christoph Klein, Landeskirchekurator Prof. Dr. Paul Niedermaier, Hauptanwalt Friedrich Gunesch von der Landeskirche sowie Bezirksdechant Bruno Fröhlich aus Schäßburg wollen sich am Freitag, dem 13. Juni, vor Ort ein Bild von der Sachlage machen und gegebenenfalls Hilfestellung leisten.

Vorstandsmitglieder der HOG Bistritz-Nösen werden am Anfang der nächste Woche auch nach Bistritz reisen.

Dr. Hans Georg Franchy

Schlagwörter: Stadtpfarrkirche Bistritz, Nordsiebenbürgen, Katastrophe

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