23. Juli 2008

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Zeitungskrise in Rumänien vorerst beendet

Mit einem Machtwort hat Klaus Johannis, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien“ (DFDR), die Krise der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien vorerst beendet. In einem Schreiben forderte Johannis den ADZ-Aufsichtsrat auf, die notwendigen Schritte einzuleiten, „damit die ADZ als TAGESZEITUNG weiter erscheint und dem Forum dieses Sprachrohr erhalten bleibt“. Das Gremium beschloss daraufhin in einer Sitzung am 21. Juli in Bukarest, die ADZ als Tageszeitung zu erhalten. Dan Cărămidariu erklärte seinen Rücktritt als Chefredakteur und als Mitglied des Aufsichtsrates.
Diese Absicht hatte der 25-Jährige schon einmal am 4. März dieses Jahres in einer Vorstandssitzung des Landesforums bekannt gegeben. Der Banater Journalist war im September 2006 zum Chefredakteur avanciert, hatte das Blatt zwar modernisiert, aber die finanzielle und personelle Lage nicht in Griff bekommen. Deshalb kündigte das von Cărămidariu geleitete ADZ-Team in einer lapidaren Notiz am 1. Juli an, dass die Zeitung ihr Erscheinen ab 31. Juli vorübergehend einstellen und ab Herbst mit einem neuen, noch unbekannten Konzept erscheinen werde. Das hatte zu heftigen Reaktionen der Leser und Mitglieder des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien geführt, das seit 2006 als Herausgeber der einzigen deutschen Tageszeitung in Südosteuropa fungiert.

Auf die Krisensituation hatte Martin Bottesch, Vorstandsmitglied des Landesforums, in einer Vorstandssitzung am 28. Juni 2008 hingewiesen und ebenfalls die Umwandlung der Tages- in eine Wochenzeitung vorgeschlagen. Mit den fünf Regionalforen konnte allerdings kein Konsens erzielt werden. In einem Interview mit der Siebenbürgischen Zeitung erläuterte Bottesch die Hintergründe der Schwierigkeiten: „Die Preiserhöhungen der letzten Monate (Miete für die Bukarester Redaktionsräumlichkeiten, Druckkosten, Abopreise für die Presseagenturen dpa und Mediafax, Treibstoffpreise, Vertriebskosten) haben dazu geführt, dass die ADZ-GmbH mit ihren verfügbaren Mitteln nicht alle Kosten begleichen konnte. Die Zuwendung seitens Forums aufzustocken, war kurzfristig nicht möglich, da im Monat Mai die Finanzierung, die der Minderheitenrat in Bukarest dem Deutschen Forum zugesagt hatte, ohne Erklärung fast ganz weggefallen ist.“ Zudem sei das Personal der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien veraltet, einige junge Mitarbeiter seien weggegangen und neue konnten nicht eingestellt werden.

Klaus Johannis macht sich die Meinung der Mitglieder zu Eigen

In den letzten Wochen habe es viele Stellungnahmen, Überlegungen und Gespräche zum Thema Zukunft der ADZ gegeben, so Johannis im erwähnten Schreiben. Viele Mitglieder seien mit der Bitte an ihn herangetreten, „die anstehenden Veränderungen genau zu analysieren“. Diese Stimmung hat sich Johannis zu Eigen gemacht und sich dezidiert für den Erhalt der Tageszeitung ausgesprochen. Eine Unterbrechung ab 31. Juli sei nicht erwünscht, aber im Notfall und zu Reorganisationszwecken tragbar. Ob die Hauptredaktion nach Temeswar übersiedeln muss, soll ebenso geklärt werden wie die Situation der Räumlichkeiten, die der ADZ in Bukarest zur Verfügung stehen.

Der ADZ-Aufsichtsrat beschloss, die Redakteure, denen in den letzten Wochen gekündigt worden war, wieder einzustellen. Dazu gehört auch die erfahrene Journalistin Rohtraut Wittstock, die interimistische Chefredakteurin sein wird.

"Unerlässlich für den Erhalt der deutschen Identität"

Im Gespräch mit der Siebenbürgischen Zeitung bezeichnete Martin Bottesch die ADZ als „unerlässlich für den Erhalt der Identität der deutschen Minderheit“. Die ADZ solle auch künftig vorrangig Berichte über und für die Deutschen in Rumänien bringen, aber auch offen sein für das politische Geschehen in Rumänien und der Welt.

Mit der Zeitungskrise, die durch die Ankündigung vom 1. Juli losgetreten wurde, befasste sich auch das Siebenbürgenforum am 19. Juli in Hermannstadt und das Demokratische Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt (DFDKK) am 21. Juli in Kronstadt. Die Einstellung der ADZ als Tageszeitung hätte „implizite auch die Zukunft der im Mantel der ADZ erscheinenden Kronstädter Wochenschrift Karpatenrundschau in Frage stellt“, schreibt Wolfgang Wittstock, Vorsitzender des Kronstädter Kreisforums: „Die Vorstandsmitglieder sowie die dazugeladenen Gäste – Pfarrer Kurt Boltres, Vorsitzender des Deutschen Ortsforums Kronstadt, und Karl Arthur Ehrmann, Geschäftsführer der Saxonia-Stiftung –, stellten fest, dass ADZ und KR wichtige identitätsstiftende und identitätserhaltende Institutionen unserer rumäniendeutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft sind. Sie gaben deshalb ihrer Besorgnis darüber Ausdruck, dass diese traditionsreichen deutschsprachigen Periodika ihr Erscheinen einstellen könnten“, heißt es in einer Presseerklärung des DFDKK. Umso erfreulicher seien die neuesten Bemühungen des Landesforums, die ADZ als Tageszeitung und somit auch die KR als Wochenschrift zu erhalten.

Solidarität der Kronstädter im Ausland

Mit Genugtuung habe der DFDKK-Vorstand die Absichtserklärung der Regionalgruppe Burzenland des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften e.V. in Deutschland sowie der Kronstädter Einrichtungen in Deutschland („Kronstadt-Allianz“, HOG Kronstadt, HOG Bartholomae, Verein „Neue Kronstädter Zeitung e.V.“, Kronstädter Stammtisch in Stuttgart) zur Kenntnis genommen, die die Fortführung der deutschsprachigen publizistischen Tradition in Kronstadt unterstützen wollen. In diesem Sinne beschloss der Vorstand, dass das Deutsche Kreisforum Kronstadt Herausgeber der „Karpatenrundschau“ werden solle, sobald ihr Erscheinen im ADZ-Mantel nicht mehr gewährleistet werden könne.

Siegbert Bruss

Schlagwörter: Medien, Forum, Kronstadt

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