30. September 2008

Neues Liederbuch von Hans Mild

Am 10. Oktober 2008 jährt sich zum 50. Mal der Todestag von Hans Mild, Rektor und Pfarrer mehrerer siebenbürgischer Gemeinden und Komponist zahlreicher volkstümlicher Heimatlieder (siehe Artikel in dieser Zeitung). Aus diesem Anlass hat Hermann Mild, Enkel des Komponisten, 90 seiner schönsten Weisen aus seiner Originalmappe ausgesucht, nach Themenkreisen geordnet und sie in dem neuen Buch „Lieder“ im Musiknoten-Verlag Latzina herausgegeben.
Sein Erbe umfasst ca. 115, meist drei- oder vierstimmig gesetzte Lieder in siebenbürgisch-sächsischer Mundart. Die Texte fand Hans Mild bei Ernst Thullner, Josef Lehrer, Anna Lang, Lenchen Kraus, vor allem aber bei Frida Binder-Radler und natürlich die meisten bei Grete Lienert-Zultner, um nur einige Autoren zu nennen. Die Mild-Lieder, fünf vierstimmige Lieder in zwei Ausgaben, mit und ohne Klavierbegleitung, wurden 1923 unter dem Titel „Liederfrohe Stunden“ im „Kunstanstalt Jos Drotleff-Verlag“ in Hermannstadt veröffentlicht. Eines seiner bekanntesten Lieder „Hirt des Stromes Sälwerwellen“ wurde 1936 vom Siebenbürgisch-Deutschen Sängerbund auf dem großen Sängerfest in Breslau gesungen.

Seine musikalisch wohl fruchtbarste Zeit hatte Mild während seiner Amtszeit als Pfarrer in Meschendorf (1929-1958). Als Leiter des Meschendorfer gemischten Jugendchors nahm er erfolgreich an verschiedenen nationalen Wettbewerben teil. Bedingung war in den fünfziger Jahren, dass der Chor neben den volkstümlichen Mundartliedern auch aktuelle, linientreue Lieder im Repertoire haben musste. So entstanden nach Texten von Lenchen Kraus und Christine Maly-Theil die Lieder „Atombombenverbot“ und „Lied vom Frieden“. Im Rahmen des Wettbewerbs „Preis dir, Rumänien“ („Cântarea României“) erreichten sie sogar die Endausscheidung in Bukarest.

Alle seine Lieder hat Mild mit Hilfe seiner alten viersaitigen Mandoline komponiert.

Persönliche Erinnerungen aus meiner frühen Kindheit werden wieder lebendig:

Wie oft schlich ich im Abendwerden in sein Arbeitszimmer, legte mich auf die dort stehende große Ottomane und lauschte den in Nuancen unterschiedlichen Tonfolgen, die mein Großvater, an seinem Schreibtisch sitzend, beim spärlichen Licht einer Petroleumlampe, seiner Mandoline abrang. Nach kurzen Pausen, in denen er die dazugehörigen Noten notierte, griff er wieder in die Saiten seiner Mandoline. Und so weiter und so weiter … Nur Großmutter traute sich diese angenehm-heimelige Atmosphäre zu stören, wenn sie zum Abendessen rief.

Der bekannte Musikpädagoge, Organist und Chordirigent Viktor Bickerich war es, der meinem Großvater riet, seine Lieder nicht von professionellen Komponisten durchsehen oder gar verbessern zu lassen, denn dann seien es keine Mild-Lieder mehr.

In seinen schmeichelnden, harmonischen Melodien leben die Menschen und Bräuche unserer alten Heimat weiter, wie es der siebenbürgische Kunsthistoriker Erhard Antoni einmal formulierte.

Auch heute noch, 50 Jahre nach seinem Tode, werden seine Lieder, wie ich immer wieder höre, gerne gesungen. Da bisher aber nur wenige im Druck erschienen sind, will ich dies, als kleines Dankeschön, auch im Namen aller seiner Enkel, für die wunderbaren und sorgenfreien Jahre unserer Kindheit auf dem Pfarrhof in Meschendorf nachholen.

Dieses Liederbuch soll, wie ich meine, ganz im Sinne meines Großvaters, den zahlreichen siebenbürgisch-sächsischen Chorgemeinschaften in Deutschland, Österreich, Übersee und nicht zuletzt den in unserer alten Heimat Siebenbürgen verbliebenen die Gelegenheit geben, dieses heimische Liedgut zu verbreiten, damit der Nachwelt diese gefühlvollen, typisch Mild’ schen Melodien noch lange erhalten bleiben.

Aus Anlass seines 50. Todestages habe ich 90 seiner schönsten Weisen aus seiner Originalmappe ausgesucht, nach Themenkreisen geordnet, sie in dem jetzt vorliegenden Buch mit dem Titel „Lieder“ zusammengefasst und herausgegeben. Das Liederbuch ist im Musiknoten-Verlag Latzina in Karlsruhe erschienen. Auf 96 Seiten sind neben den 90 Liedern ein tabellarischer Lebenslauf mit einem Bild vom Komponisten, ein Inhaltsverzeichnis und zum besseren Auffinden der einzelnen Lieder Verzeichnisse mit der alphabetischen Reihenfolge der Liedtitel und der Namen der Textdichter untergebracht.

Hermann Mild

Das Buch „Lieder“ von Hans Mild ist zum Preis von 19,00 Euro, zuzüglich Versandkosten, ist ab sofort beim Musiknoten-Verlag Latzina, Nikolaus-Lenau-Str. 5, 76199 Karlsruhe, Telefon (07 21) 88 49 72, E-Mail: musiknoten [ät] aol.com, erhältlich.

Schlagwörter: Neuerscheinung, Liederbuch

Bewerten:

33 Bewertungen: +

Neueste Kommentare

  • 26.02.2009, 15:44 Uhr von der Ijel: Riacht hu Sä Härr Freck. Ech erlïwen mir, Sa eos em undern Thema ha ze zitïren: Die zaghaft ... [weiter]
  • 31.10.2008, 18:17 Uhr von guni: Freck liegt tatsächlich jenseits des Altes. Es kann nicht sein, dass hier alle die gleiche Meinung ... [weiter]
  • 01.10.2008, 10:07 Uhr von Avrig: Eigentlich bezeichnend, dass derartige Meinungen hier niemand zu interessieren scheinen. Wenn ein ... [weiter]

Artikel wurde 4 mal kommentiert.

Alle Kommentare anzeigen.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich.