28. Mai 2012

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Dieser besondere siebenbürgisch-sächsische Geist verbindet uns

„Unsere ganz besondere, eigene Identität als deutsche Volksgemeinschaft der Siebenbürger Sachsen ist unser Erbe, das unsere Vorväter in Siebenbürgen über Jahrhunderte aufgebaut und gefestigt haben, und das wir bewahren und für die Zukunft am Leben halten müssen.“ Mit dieser gleichermaßen als Credo und Appell formulierten Aussage beschloss der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. und Präsident der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen, Dr. Bernd Fabritius, seine Begrüßungsansprache auf der Festkundgebung des Heimattages der Siebenbürger Sachsen am 27. Mai 2012 in Dinkelsbühl. Der Bundesvorsitzende wies nachdrücklich darauf hin, dass die Zukunftssicherung der zentralen Kultureinrichtungen der Siebenbürger Sachsen in Gundelsheim eine Gesamtaufgabe von Bund und Ländern sei. Die Zusage des rumänischen Staatspräsidenten Traian Băsescu bezüglich der Entschädigungsrechts und der Wiedergutmachung bezeichnete Fabritius als "geschichtlich bedeutsames Ereignis". Die Ansprache des Bundesvorsitzenden wird im Wortlaut wiedergegeben.
Sehr geehrte Damen und Herren, ich begrüße Sie herzlich zum Heimattag der Siebenbürger Sachsen 2012 in Dinkelsbühl! Ganz zu Beginn ein herzliches Dankeschön allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieses wunderschönen Trachtenumzuges, der uns wie jedes Jahr in Dinkelsbühl zu Pfingsten erfreut. Sie tragen unsere wunderschönen Trachten als äußeres Zeichen Ihres Bekenntnisses zu unserer Gemeinschaft, und das macht Freude! ! Danke auch der Moderation, Frau Roth und Herrn Pieldner, für die flotten und interessanten Erläuterungen.

Dinkelsbühl ist unsere Partnerstadt in Deutschland und zu Pfingsten wie immer Welthauptstadt aller Siebenbürger Sachsen. Einen Dank an alle Bürgerinnen und Bürger dieser wunderschönen Stadt für Ihre Gastfreundschaft. Ich begrüße stellvertretend für alle Dinkelsbühler, für die anwesenden Mitglieder des Stadtrates und Vertreter der öffentlichen Einrichtungen unseren Gastgeber, den Oberbürgermeister von Dinkelsbühl Dr. Christoph Hammer mit Gattin, herzlich willkommen, lieber Christoph, in unserer Mitte.

Bundesvorsitzender Dr. Bernd Fabritius während ...Bundesvorsitzender Dr. Bernd Fabritius während seine Ansprache beim Heimattag 2012 in Dinkelsbühl. Foto: Lukas GeddertGanz herzlich begrüße ich den Präsidenten des Hessischen Landtages, Herrn Norbert Kartmann mit Gattin. Sie sind einer von uns und selbstverständlich beim Heimattag dabei. Ich begrüße den Innenminister des Freistaates Bayern, Herrn Staatsminister Joachim Herrmann, ganz herzlich. Der bayerische Innenminister ist uns Siebenbürger Sachsen immer ganz besonders willkommen.

Die Eingliederung der Deutschen aus den ehemaligen Ländern des Ostblocks ist Teil Ihres Verantwortungsbereiches. Hier hat der Freistaat Bayern, aber auch die gesamte Bundesrepublik Deutschland Vorbildliches geleistet. Sie und der bayerische Ministerpräsident, der gestern unseren Heimattag eröffnet hat, haben bei jeder Gelegenheit betont: Sie sind und bleiben unser Partner – im Guten wie im Schlechten, und dafür danken wir!

Unser Verband setzt sich schon immer für tragfähige Brücken zu unserem Herkunftsgebiet Rumänien ein. Die Unterstützung der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Rumänien in den 60er Jahren war nicht der Anfang und die Teilnahme des rumänischen Innenministers Vasile Blaga und des Außenministers Dr. Teodor Baconschi im letzten Jahr waren nicht das Ende dieses selbstverständlichen Weges, den wir beherzt weiter beschreiten. Auch das gilt im Guten wie im Schlechten. Ich begrüße den Chefberater des Staatspräsidenten Rumäniens, Sie Herr Außenminister a. D. Cristian Diaconescu. Sie haben uns gestern eine Botschaft des Staatspräsidenten überbracht, der gerne selbst an unserem Heimattag teilgenommen hätte. Der Staatspräsident hat auf die Petition, die unser Verband an ihn gerichtet hat, in einer bewegenden Botschaft Position bezogen. Dafür herzlichen Dank.

Ich begrüße die weiteren Vertreter unseres ehemaligen Heimatlandes hier in Deutschland, seine Exzellenz den Botschafter Lazăr Comănescu und die Generalkonsulin Brânduşa Predescu und alle weiteren Mitgliedern der Delegation. Ich begrüße auch die Vertreterin der Siebenbürger Sachsen in der rumänischen Regierung, Staatssekretärin Christiane Cosmatu. In Rumänien ist unsere Gemeinschaft sowohl in der Regierung – durch Sie – als auch im Parlament vertreten. Wir wissen um die Bedeutung solcher Mitwirkungsorgane und wir wissen, dass Ihre Arbeit nicht immer leicht ist, unseren Anliegen in schwierigen Zeiten in der Parteienlandschaft Rumäniens nachhaltig Gehör zu verschaffen. Aber wir arbeiten gut zusammen, und auch das ist gut so.

Ich begrüße aus Siebenbürgen den Vertreter unserer Heimatkirche, lieber Herr Dr. Stefan Cosoroabă. Sie und Ihre nun dauerhafte Anwesenheit in unserer Mitte sind der Beweis für die Umsetzung der Pläne zu einer engeren Zusammenarbeit mit unserer Heimatkirche. Die Einrichtung eines Referates zur Aufarbeitung kirchlicher Aspekte innerhalb unserer Gemeinschaft hat eine wichtige und wesentliche Signalwirkung. Es ist ein guter Weg, den wir da eingeschlagen haben, und wir wollen ihn gemeinsam fortsetzen.

Aus dem Bayerischen Landtag begrüße ich den Vizepräsidenten, Herrn Jörg Rohde ganz herzlich. Ebenso grüße ich als Vertreter der CSU-Fraktion Herrn Kulturstaatssekretär a.D. Karl Freller und die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Vertriebenenpolitische Sprecherin der SPD, Frau Christa Naaß – herzlich willkommen.

Aus den befreundeten Verbänden in unserer weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen begrüße ich den Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen, Herrn Prof. Dr. Paul Jürgen Porr. Aus Österreich begrüße ich den Bundesobmann des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Mag. Volker Petri mit Gattin.

Dr. Bernd Fabritius ruft die Siebenbürger Sachsen ...Dr. Bernd Fabritius ruft die Siebenbürger Sachsen auf, ihr Erbe zu pflegen und in die Zukunft zu tragen. Foto: Lukas GeddertEin Gruß geht an alle Vertreter der Verbände und Organisationen innerhalb unserer siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft, an den Ehrenvorsitzenden unseres Verbandes, Dr. Wolfgang Bonfert, und stellvertretend für alle anderen Verantwortungsträger die Vorsitzende der diesen Heimattag mit ausrichtenden Landesgruppe Bayern, Herta Daniel. Ich begrüße den Vorsitzenden der Gemeinschaft evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD, Dekan i.R. Hermann Schuller, die beiden kommissarischen Vorsitzenden des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften, Karl Heinz Brenndörfer und Hans Werner Henning. Ich begrüße stellvertretend für alle Kulturpreisträger die Träger des Kulturpreises 2012, Professor Hans-Peter Türk und Gert Fabritius, ich begrüße die Träger des Jugendpreises 2012, Rainer Lehni, und des Ernst-Habermann-Preises 2012, Mathias Krauss. Ich begrüße die Vorsitzenden der uns unterstützenden Stiftungen Dipl.-Ing. Christian Habermann für die Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung und Dipl.-Ing. Michael Schmidt für die Michael Schmidt Stiftung, ich begrüße den Vorsitzenden der Carl Wolff Gesellschaft, als der Vernetzung der wirtschaftlichen Leistungsträger unserer Gemeinschaft, Helmut Hensel, und ich begrüße alle anderen Ehrengäste, die ich noch nicht namentlich erwähnt habe, deren Anwesenheit uns aber gleichermaßen erfreut.

Ich grüße letztlich Sie alle, liebe Landsleute! Sie machen durch Ihre Anwesenheit hier in Dinkelsbühl das Pfingstwochenende zu unserem Heimattag, um Sie geht es auch an diesem Wochenende ganz besonders. Während der drei Tage des Pfingstwochenendes wollen wir Ihnen Gelegenheit bieten, Gemeinschaft wahrzunehmen, Freunde und Bekannte zu treffen, Erinnerungen lebendig werden zu lassen und die ganze Bandbreite unserer Traditionen und unserer Kultur zu erleben. Ich lade Sie alle ein, aus dem umfangreichen Programmheft für sich genau die Punkte und Veranstaltungen herauszusuchen, die Ihnen Freude machen, und diese zu besuchen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer machen ehrenamtlich und aus Freude am Dabeisein mit – und das für Sie. Nutzen Sie diese Gelegenheit, und vielleicht sind Sie in den nächsten Jahren selbst aktiv dabei. Kreis- und Landesgruppen freuen sich über Zuwachs, ob Jung oder Alt, Hauptsache Sie machen mit und es macht Freude.

Fortbestand der Kultureinrichtungen in Gundelsheim ist auch Gesamtaufgabe von Bund und Ländern

Unsere Kultur ist Teil des gesamtdeutschen Erbes. Dieses zu erhalten ist nicht alleine unsere Aufgabe, sondern auch Verpflichtung des Staates, in dem wir leben, bestens integriert sind und auch unsere staatsbürgerlichen Verpflichtungen gerne erfüllen. Deswegen hat der Verbandstag im Jahre 2011 eine Resolution mit einem dringenden Appell an die Bundesregierung einstimmig verabschiedet, - ich zitiere - „die Aufgaben gemäß § 96 BVFG zur Sicherung der Kultur der Siebenbürger Sachsen als Teil des gesamtdeutschen kulturellen Erbes beherzt anzugehen und die zentralen Kultureinrichtungen der Siebenbürger Sachsen in Gundelsheim, mit Leuchtturmwirkung weit darüber hinaus, in ihrem Fortbestand und ihrer Wirkungsfähigkeit dauerhaft zu sichern“.

Schon vor zehn Jahren wurde die Förderung der Stelle des hauptamtlich tätigen Kulturreferenten des Verbandes der Siebenbürger Sachsen und dann 2005 die institutionelle Förderung des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim durch die damalige Bundesregierung eingestellt. 2003 hat unser Patenland NRW die institutionelle Förderung des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates als grenzüberschreitendes Gremium und als Träger des Siebenbürgen-Institutes vollständig gestrichen, um nur einige der bedauerlichen Maßnahmen aufzuzählen, die uns bis heute zu schaffen machen.

Inzwischen sind wir in großem Maße auf Eigeninitiative angewiesen. Die Zukunftssicherung dieses siebenbürgischen Teils des gesamtdeutschen kulturellen Erbes ist jedoch eine Gesamtaufgabe von Bund und Ländern. Im Zusammenwirken der gesetzlichen Aufgabenträger ist alles zu unternehmen, damit unsere Kulturarbeit erneut die Grundlage erhält, die für ihre nachhaltige Sicherung unerlässlich ist. Lassen Sie mich hier den Begriff Gesamtschuld einbringen, wo man einzelne Aufgabenträger nicht alleine lassen darf. Wir als Betroffene können bei Wegfall der Förderung einzelner Aufgabenträger in dem gesetzlich vorgeschriebenen Zusammenspiel von Bund und Ländern kaum alleine für Ausgleich sorgen.

Durch die Resolution des Verbandstages 2011 wollen wir auf diese bestehenden Defizite hinweisen und den weiteren nachhaltigen Beistand unserer Partner erbitten. Die Frage der Kultursicherung ist für uns wichtig und deshalb haben wir sie zum Thema der Podiumsdiskussion des diesjährigen Heimattages am Pfingstmontag gemacht. Dazu lade ich Sie herzlich ein.

Es gibt weitere Anliegen an die Bundesregierung, die der Bund der Vertriebenen für alle Vertriebenen und Aussiedler in Deutschland durchsetzen möchte, und die wir unterstützen: Unsere Gesellschaft kennt eine lange Liste von Gedenktagen, die den Zweck haben, eines bedeutsamen Ereignisses zu erinnern und es in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Einen Tag jedoch suchen wir in der langen Liste bisher vergebens: den Gedenktag gegen den Entzug von Heimat, einen Gedenktag für Heimatvertriebene, Aussiedler und Spätaussiedler in Deutschland. Wir bitten darum, auch unser Schicksal im öffentlichen Gedenken der Gesellschaft zu verankern, es ist Teil dergemeinsamen Geschichte!

Die Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter ist ein weiterhin offenes Thema. Die allermeisten Opfergruppen des Zweiten Weltkrieges – im In- und Ausland – wurden zwischenzeitlich entschädigt. Auch in Deutschland darf es nicht sein, dass mit unterschiedlichem Maß gemessen wird. Es wäre ein längst überfälliges Zeichen, auch die wenigen heute noch lebenden deutschen Zwangsarbeiter, die ebenfalls Opfer des gleichen Krieges geworden sind, für erlittenes Unrecht zu entschädigen. Durch angemessene Wiedergutmachung können verursachte Lebenswunden geheilt und Mitgefühl und Anerkennung für erbrachtes Sonderopfer gezeigt werden. Dazu ist es nie zu spät.

20 Jahre deutsch-rumänischer Freundschaftsvertrag

In diesem Jahr feiern wir 20 Jahre seit Abschluss des „Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa“. Dieser deutsch-rumänische Freundschaftsvertrag legte 1992, nach den Umbrüchen in Osteuropa und der Wende von 1989/1990, den Grundstein für eine erneuerte politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern sowie den Schutz der deutschen Minderheit in Rumänien. Aus diesem Anlass sind Sie, Herr Diaconescu, am 16. April dieses Jahres zu Festlichkeiten nach Berlin gereist und haben gemeinsam mit dem Außenminister der Bundesrepublik Deutschland besonders das Wirken und die Leistungen der Deutschen in und aus Rumänien unterstrichen.

Offene Fragen der gemeinsamen Geschichte

Die Brückenfunktion, die uns naturgemäß und auf Grund unserer über Jahrhunderte geübten Erfahrung als Mittler zwischen Kulturkreisen und Völkern zufällt, nehmen wir gerne und aus Überzeugung wahr. Die Grundlage dafür haben in neuester Zeit nicht zuletzt hohe Vertreter Ihrer, der rumänischen Regierung, gelegt, als sie hier in Dinkelsbühl offene Fragen unserer gemeinsamen Geschichte in einer für europäische Nachbarn vorbildlichen Weise angesprochen haben. Ich erinnere an die Aussage des rumänischen Innenministers Vasile Blaga im Jahre 2010. Als Innenminister der rumänischen Regierung hat er zu den Siebenbürger Sachsen gesagt, „dass Rumänien Sie vermisst“ und: „Ich hätte mir gewünscht, dass mein Land entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen hätte, damit Sie dort geblieben wären, wo Ihre Vorfahren und Sie selbst über acht Jahrhunderte einen Raum des Wohlstands und der Toleranz geschaffen haben. Wir Rumänen fühlen heute sehr deutlich, dass Ihre Aussiedlung aus den angestammten Gebieten eine empfindliche Leere hinterlassen hat.“

Auch die Feststellung Ihres Vorgängers im Amte, des rumänischen Außenministers Dr. Teodor Baconschi, im letzten Jahr sind durchaus einer Erinnerung wert: Er bezeichnete die Verschleppung aller arbeitsfähigen Frauen und Männer deutscher Volkszugehörigkeit aus Rumänien im Januar 1945 zur Zwangsarbeit nach Russland als eine der dunkelsten Seiten der rumänischen Geschichte und sagte wörtlich: (Zitat) „Ich verneige mein Haupt, zusammen mit Ihnen, im Gedenken an die bekannten und unbekannten Gestalten jener, die unter dieser politischen Verfolgung zu leiden hatten“.

Die Einstufung der Verschleppung von Staatsbürgern deutscher Volkszugehörigkeit aus Ihrem Heimatland als politische Verfolgung und ein solches Bekenntnis eines amtierenden Außenministers haben Beispielwirkung in Europa und sind richtungweisend! Rumänien hat damit das der deutschen Minderheit in der kommunistischen Diktatur zugefügte Unrecht anerkannt und sich bei allen Opfergruppen entschuldigt.

Diese Aussagen der hohen Vertreter der rumänischen Regierung müssen allerdings bei der noch ausstehenden Umsetzung unserer berechtigten Anliegen in Zukunft Wirkung zeigen! Es ist, wie Ministerpräsiden Horst Seehhofer gestern sagte, eine Frage der Glaubwürdigkeit, nicht mehr und nicht weniger.

Zusagen des rumänischen Staatspräsidenten Traian Băsescu bezüglich des Entschädigungsrechts und der Wiedergutmachung

Der Verbandstag 2011 der Siebenbürger Sachsen in Deutschland hat daher durch eine einstimmig verabschiedete Resolution die Regierung Rumäniens aufgefordert, ihre Aufmerksamkeit auf das Schicksal der 1945 aus Rumänien zur Zwangsarbeit in die UdSSR verschleppten Zivilbevölkerung deutscher Volkszugehörigkeit zu richten und diese, unabhängig von ihrer heutigen Staatsangehörigkeit, umgehend in eine unbürokratisch umgesetzte Entschädigungsgesetzgebung einzubeziehen.

Die längst überfällige Entscheidung der rumänischen Abgeordnetenkammer zur Entschädigungsfrage ist trotz positiver Entscheidung des rumänischen Senates und trotz nachdrücklicher Forderungen nicht nur des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland bis heute noch nicht umgesetzt wordenworden.

Die erklärten Absichten zur Schaffung von Gerechtigkeit nach der überwundenen Zeit des Kommunismus in Rumänien sind ein eminent wichtiges Anliegen. Wir bitten um Nachhaltigkeit bei diesem gemeinsamen Anliegen. Betroffenen darf man nicht zumuten, über Jahre hinweg, bis zum Ablauf bestehender Antragsfristen in wenigen Wochen, mit einer unklaren Rechtslage konfrontiert zu sein.

Wir haben daher den rumänischen Staatspräsidenten Traian Băsescu angeschrieben und um Unterstützung bei der Erledigung des Anliegens gebeten. In seiner Botschaft, die Sie gestern übermittelt haben, hat er genau zu dieser Frage Stellung bezogen (diese Zeitung berichtete). Für diese historischen Zusagen nehmen Sie, Herr Minister Diaconescu, unseren Dank mit.

Gleiches gilt für die noch nicht umgesetzte Verbesserung der Rahmenbedingungen für eine Restitution des vor der Wende in Rumänien enteigneten Vermögens unserer Landsleute.

Ich erlaube mir hier den rumänischen Ministerpräsidenten Mihai Răzvan Ungureanu zu zitieren, der selbst noch im letzten Monat öffentlich von einer „historischen Ungerechtigkeit“ und – ich zitiere den Ministerpräsidenten wörtlich – „20 Jahren Schindluder“, „administrativer Untätigkeit“ und „politischem Versteckspiel“ gesprochen und sich bei den Opfern im Namen der rumänischen Regierung dafür entschuldigt hat.

Das sind harte Worte Ihres Ministerpräsidenten, die leider zutreffen. Um so höher ist die Zusage des Staatspräsidenten zu bewerten, die wir gestern als geschichtlich bedeutsames Ereignis in das Tagebuch der Siebenbürger Sachsen eintragen konnten.

So festigt man gute Beziehungen, für die Rumänien im Bezug zu den von dort stammenden Deutschen als Botschafter ihrer Heimat in unserem gemeinsamen Europa bereits sprichwörtlich ist und nach derartigen Botschaftenmit Sicherheit sprichwörtlich bleiben wird! Danke dafür.

Motto "Erbe erhalten - Zukunft gestalten"

Den Heimattag 2012 haben wir unter das Motto „Erbe erhalten – Zukunft gestalten “ gestellt. Was ist unser eigentliches Erbe, welches wir erhalten wollen und welches heute schon so oft erwähnt wurde?

Gemeint sind damit nicht nur die sichtbaren, anfassbaren Zeugnisse unseres kollektiven Ichs, wie die Burgen in Siebenbürgen, die Inhalte unserer Museen oder die heute gezeigten Trachten. Dazu gehören die über 850 Jahre gemeinsamer Geschichte, die unser Leben christlich prägende Heimatkirche und die Gesellschaft, dazu gehören auch alle Facetten unserer Vergangenheit im letzten Jahrhundert, die Kriegs- und Nachkriegszeit, die Zeit der noch nicht beendeten Aufarbeitung dieser Seiten im Tagebuch der Siebenbürger Sachsen, zu denen wir stehen müssen und stehen wollen, in Deutschland und in Rumänien.

Dazu gehört auch dieser ganz besondere siebenbürgisch-sächsische Geist, der uns vor der Zerstreuung in Siebenbürgen und auch jetzt, Jahrzehnte danach, noch verbindet, und uns hier in Dinkelsbühl mit Freude und Optimismus zusammenkommen lässt.

Heute, das konnten Sie am Freitag während des Open-Air-Konzerts von Peter Maffay und während des Trachtenumzugs deutlich erkennen, haben wir eine begeistert mitwirkende junge Generation. Dieser besondere siebenbürgisch-sächsische Geist lebt auch in den vielen aktiven Heimatortsgemeinschaften weiter, die auch nach der Ausreise Verantwortung in und für die Heimatgemeinde übernehmen, gerade weil die Gemeinschaft fortbesteht und geografische Entfernungen im Herzen unwichtig sind.

Unsere ganz besondere, eigene Identität als deutsche Volksgemeinschaft der Siebenbürger Sachsen ist unser Erbe, das unsere Vorväter in Siebenbürgen über Jahrhunderte aufgebaut und gefestigt haben, und das wir bewahren und für die Zukunft am Leben halten müssen.

Wenn wir DIESES als Inhalt in die Zukunft tragen, dann gestalten wir diese in gleicher Weise, wie unsere Vorväter die Zukunft für uns – als unsere Gegenwart – gestaltet haben. Dass wir heute noch Siebenbürger Sachsen sind, verdanken wir genau solcher Zukunftsgestaltung unserer Vorväter, und ich würde mir wünschen, dass unsere Nachfahren über uns irgendwann das Gleiche sagen.

Dieses vorzubereiten, sind wir der Zukunft schuldig!

In diesem Sinne, wünsche ich uns allen ein frohes Pfingstfest und einen schönen Heimattag 2012 in Dinkelsbühl!

Schlagwörter: Heimattag 2012, Fabritius

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