24. Juli 2014

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„Die Patenschaft besteht und wird weiterbestehen“

Zu einem Kennenlern- und Arbeitsgespräch hat der seit Ende letzten Jahres im Amt befindliche Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAIS NRW), Thorsten Klute, den Bundesvorsitzenden des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Dr. Bernd Fabritius, MdB, nach Düsseldorf eingeladen. Das Gespräch fand am 11. Juli in einer äußerst freundschaftlichen Atmosphäre statt und bereitet einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen Verband und Land NRW ein gutes Fundament.
Der neue Integrationsstaatssekretär in Nordrhein-Westfalen stellte sich schnell als ein mit Ost- und Mitteleuropa vertrauter Politiker heraus. Bereits vor seinem Aufbaustudiengang zur Osterweiterung der Europäischen Union in Dresden hatte der gebürtige Ostwestfale in Krakau ein Semester lang Polnisch gelernt und ist bis heute viel in osteuropäischen Ländern unterwegs. Gleich zu Beginn des Gesprächs, das zum Schwerpunkt die Patenschaft des Landes NRW über den Verband der Siebenbürger Sachsen haben sollte, bekräftigte Staatssekretär Klute den Fortbestand der Patenschaft und gab – auf Einladung des Bundesvorsitzenden Dr. Fabritius – sogleich seine Zusage zur Teilnahme am Heimattag 2015 in Dinkelsbühl.
Dr. Bernd Fabritius und Thorsten Klute (rechts). ...Dr. Bernd Fabritius und Thorsten Klute (rechts). Foto: Roland Zillmann Im Laufe des Gesprächs bot Dr. Fabritius an, NRW könne seine Rolle als Patenland des Verbandes der Siebenbürger Sachsen jederzeit durch verstärkte Präsenz mit mehr Leben füllen. Vertreter Nordrhein-Westfalens würden immer „eine Überholspur in Dinkelsbühl“ haben, um als Redner ihre Verbundenheit mit dem Patenkind zu zeigen. Der Bundesvorsitzende zeigte in dem Gespräch einige Möglichkeiten auf, wie die Patenschaft besser ausgefüllt werden könnte. Seine Vorschläge beschränkten sich dabei nicht nur auf die Präsenz politischer Vertreter NRWs in Dinkelsbühl, sondern umfassten beispielsweise auch die Überlegung, ob die alle zwei Jahre stattfindenden Kulturtage des Verbandes demnächst wieder in Nordrhein-Westfalen stattfinden sollten. Ebenfalls könne überlegt werden, ob das Land zur Feier der 60-jährigen Patenschaft Mitausrichter des Heimattags 2017 sein möchte. Die Ehrenamtsoffensive des Landes NRW böte einen zusätzlichen politischen Hintergrund, um sowohl das Ehrenamt an sich als auch die Patenschaft zu stärken.

Staatssekretär Thorsten Klute betonte, dass die Armutsbekämpfung in den Herkunftsländern der sogenannten Armutsflüchtlinge ein Hauptanliegen der nordrhein-westfälischen Landesregierung sei. Er schilderte die teilweise nicht mehr hinnehmbaren Zustände in einzelnen Stadtteilen nordrhein-westfälischer Großstädte, die mit den jüngst zugewanderten Menschen aus Südosteuropa sowohl finanziell, als auch sozial-integrativ am Rande der Überforderung stünden. Vor allem in Bulgarien und Rumänien sehe er die Notwendigkeit, durch politische Interventionen Anreize zu generieren, um die Ursachen für die Migration zum Teil ganzer Dorfbevölkerungen nach Westeuropa zu beheben. Der Schlüssel dafür liege eindeutig in den Herkunftsländern, dort müsse die Armut der Roma bekämpft werden.

Als sehr wichtigen Punkt stellte Dr. Fabritius die Notwendigkeit heraus, dass dem Verband der Siebenbürger Sachsen wie in vielen Jahrzehnten seit Bestehen der Patenschaft wieder ein „Patenminister“ als direkter Ansprechpartner für die Belange des Verbands und seiner Mitglieder zur Verfügung stehe. Die administrative Aufteilung der Patenschaft zwischen einzelnen NRW-Ministerien erschwere die Zusammenarbeit zwischen Verband und Land NRW – durchaus auch in Bereichen wie Armutsbekämpfung in Rumänien; ein Thema, welches Staatssekretär Klute für Nordrhein-Westfalen als aktuell und vordringlich bezeichnete. In diesem Zusammenhang bot Fabritius im Namen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen an, das Patenland Nordrhein-Westfalen bei der Projektarbeit vor Ort in Rumänien zu unterstützen. Sein Verweis auf die guten Beziehungen des Verbandes zur rumänischen Politik sowie auf die gute Vernetzung mit dem Demokratischen Forum der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS) wertete Staatssekretär Thorsten Klute als gewichtige Argumente für eine Zusammenarbeit. Der kurze Draht zur kommunalpolitischen Infrastruktur des DFDS ist ein großer Vorteil des Verbandes und bietet noch viel Potenzial, das in Zukunft verstärkt ausgeschöpft werden könnte. Die Vorschläge und Überlegungen des Staatssekretärs gingen von gezielter Entsendung von Fachkräften und Lehrern bis hin zu einer Neubelebung der existierenden Städtepartnerschaften, aber auch in Richtung der Gründung neuer Städtepartnerschaften zwischen siebenbürgischen und nordrhein-westfälischen Kommunen.

Ein wichtiges Hauptanliegen des Bundesvorsitzenden Dr. Fabritius war, im Gespräch mit Staatssekretär Klute daran zu erinnern, dass das Land NRW die Patenschaft über den gesamten Bundesverband der Siebenbürger Sachsen übernommen habe und somit ein vornehmlich auf Nordrhein-Westfalen gerichteter Fokus der Patenschaft nicht gerecht werde. Zur Konkretisierung dieses Gedankens sprach der Bundesvorsitzende Staatssekretär Klute sowie den Leitungsebenen der mit der Patenschaft befassten Ministerien eine Einladung aus, im nächsten Jahr die Bundesgeschäftsstelle des Verbandes in München zu besuchen. Überdies sollte das Land Nordrhein-Westfalen die kulturelle Breitenarbeit des gesamten Verbandes der Siebenbürger Sachsen verstärkt unterstützen, um so die Patenschaft wieder sichtbarer zu machen und auf allen Ebenen mit Leben zu füllen. Konkret angesprochen wurden die Probleme im Bereich der Kulturförderung, die sich aus der aktuellen Haushaltssperre für die Kreisgruppen und den Landesverband der Siebenbürger Sachsen ergeben. Die Unterstützung bei der Pflege der Kultur sowie bei der Konzeption von Projekten und Veranstaltungen dürfe dem Haushaltsdiktat nicht als erste zum Opfer fallen. Da stünde das Land NRW als Patenland der Siebenbürger Sachsen in der Pflicht.

Schlagwörter: NRW, Patenschaft, Düsseldorf

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