18. Mai 2007

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Neue Ausstellungsräume auf Schloss Horneck eröffnet

Am 12. Mai fand im Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim auf Schloss Horneck vor zahlreichem Publikum eine Vernissage in doppeltem Sinne statt: 106 Quadratmeter der Wohnfläche des Altenwohnheims des „Johannes-Honterus“-Vereins auf Schloss Horneck sind dem Siebenbürgischen Museum großzügig zur Verfügung gestellt, umgebaut und zu Ausstellungsräumen hoher Qualität umgewidmet worden.
Die Maßnahme war vom Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen e.V., Dipl.-Ing. Arch. Volker Dürr, initiiert worden, der die finanzielle Unterstützung des Projektes mit 200 000 Euro durch die Bundesregierung bei der damaligen Beauftragten für Kultur und Medien erreicht hatte. Der Förderverein des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim, das Land Baden-Württemberg, das Denkmalamt und weitere Helfer und Förderer haben mit dazu beigetragen, dass die Öffentlichkeitsarbeit und -wirksamkeit des Museums, des Kulturzentrums der Siebenbürger Sachsen in Gundelsheim, auf sehr hohem Niveau für die Zukunft abgesichert sind. Die Vernissage der Ausstellung „Gemälde und Graphiken“ von Friedrich von Bömches fiel mit der Eröffnung der Räumlichkeiten zusammen. „Eine würdigere Eröffnung der Ausstellungsräume hätte es nicht geben können“, sagte Dr. Irmgard Sedler in ihrer Ansprache.

Die neuen Ausstellungsräume auf Schloss Horneck wurden mit einer Werkschau Friedrich von Bömches’ eröffnet, von links: Marius Tataru, Dr. Bernhard Lasotta und Dr. Irmgard Sedler. Foto: Ralf Seidel
Die neuen Ausstellungsräume auf Schloss Horneck wurden mit einer Werkschau Friedrich von Bömches’ eröffnet, von links: Marius Tataru, Dr. Bernhard Lasotta und Dr. Irmgard Sedler. Foto: Ralf Seidel

Der Künstler Friedrich von Bömches wurde am 27. Dezember 1916 in Kronstadt geboren. Seine Kunstausbildung absolvierte er bei den Kronstädter Malern Hans Eder, Hans Mattis-Teutsch und Fritz Kimm. An den ersten Gruppenausstellungen beteiligte er sich bereits im Alter von 22 Jahren in Berlin und Stuttgart sowie zwei Jahre später in seiner Heimatstadt Kronstadt. Der Zweite Weltkrieg ging auch an von Bömches nicht spurlos vorbei: Er leistete bis 1945 Militärdienst ab und wurde im Anschluss in die Zwangsarbeitslager der Sowjetunion verschleppt. Diese dramatischen Zeiten der menschlichen Niederungen hinterließen ihre Abdrücke auch in den Arbeiten Bömches. Der naive Naturalismus seiner ersten Werke wich einer Zeichnung und Malerei, in der sich die Tragik des Zeitgeschehens nicht nur in der Thematik, sondern auch im künstlerischen Ausdruck widerspiegelt und der er bis in seinen letzten Arbeiten treu geblieben ist. Und doch, der Schrecken, den er darstellt, die Dunkelheiten, die uns immer wieder umgeben, bannt der Künstler im Bild auf eine Art und Weise, die stets auf eine Kraft der Schönheit aufmerksam macht, die es uns ermöglicht, all dies zu ertragen.

1978 wanderte von Bömches nach Deutschland aus, wo er unter anderem über zweihundert Porträts bedeutender Persönlichkeiten wie des Philosophen Martin Heidegger, des Politikers Hans-Dietrich Genscher, des Raketenerfinders Hermann Oberth sowie des Großindustriellen Berthold Beitz erstellte. Die Porträts zeichnen sich besonders dadurch aus, dass von Bömches das Innere der Charaktere im Äußeren darstellt, ihr Wesen und ihre Lebenserfahrung einfängt und im Porträt sichtbar werden lässt. Dies gilt ebenso für seine beeindruckende Reihe der Selbstporträts, die durch ihre schonungslose Selbsterkenntnis, durch das Auslassen jeglicher Schönfärberei oder Verbergung an Rembrandts Altersporträts erinnern.

Im Zentrum der Graphik und Malerei Friedrich von Bömches steht der Mensch, schreibt der Kunsthistoriker Jacques Busse. Der Kulturphilosoph Walter Biemel betrachtet von Bömches als jemanden, der nie aufgehört hat, ans Limit seiner Ausdrucksmöglichkeiten zu gehen, nie irgendwo die Ruhe der Ankunft erfahren hat, sondern stets im Grenzgelände unterwegs gewesen ist. Bömches ist wiederholt als Expressionist bezeichnet worden, Walter Biemel nennt ihn einen Künstler des „visionären Expressionismus“, das „Allgemeine Künstlerlexikon“ erkennt in seinen Arbeiten einen „dunkelfarbigen Expressionismus“. Bömches selbst sieht sich eher als Zeichner denn als Maler und sagt, dass er sein Leben lang „von hysterischer Zeichensucht“ besessen gewesen sei.

Friedrich von Bömches, Hinter Stacheldraht, lavierte Kohlezeichnung, 100 x 150 cm.
Friedrich von Bömches, Hinter Stacheldraht, lavierte Kohlezeichnung, 100 x 150 cm.

Ob in Kohle, Kreide oder Bleistift, ob flächig laviert oder filigran liniert, haftet den Zeichnungen des Friedrich von Bömches eine innere Bewegung an, ein ständiges Ertasten der Form, ein Suchen und Finden von Sinn, in dem gleichzeitig auch immer die Gefahr eines neuen Verlustes steckt. Den Künstler beschäftigen nachdrücklich auch die Fragen von heute, die sozialen Probleme, Ängste und Gefahren. Nicht selten fördert er dabei einen Hang zu derber Ironie zu Tage, mit dem er entblößend und gesellschaftskritisch die unterschiedlichsten Themenkomplexe berührt. Hier wird ein Sarkasmus deutlich, der die andere Seite seines künstlerischen Willens zur Wahrheit darstellt: Das Gegengewicht zur großen, umfassenden Geste der tragischen Komponente, der eher saloppe und nüchterne Ausdruck im Beobachten und Erkennen der gesellschaftlichen Verfehlungen.

Die Ausstellung auf Schloss Horneck vereint eine Auswahl aus dem späteren Schaffen des Künstlers. 30 Ölbilder und Graphiken, vorwiegend zu existentialistischen Themen, fügen sich zu der von Dr. Irmgard Sedler und Marius Tataru konzipierten, beeindruckenden Schau. Diese ist bis zum 12. August 2007 täglich, außer montags, von 11.00 bis 17.00 Uhr im Siebenbürgischen Museum Gundelsheim, Schloss Horneck, zu sehen. Infos unter Telefon: (0 62 69) 4?22 30 oder 9 06 21.

Sorana Scholtes

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 8 vom 25. Mai 2007, Seite 5)

Schlagwörter: Kulturspiegel, Siebenbürgisches Museum, Künstler, Schloss Horneck

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