1. Dezember 2014

Druckansicht | Empfehlen

Batull gedeiht im Rheinland / Bäumchen auf dem Campus Duisburg gepflanzt

Die Hobbygärtnerin und Baumliebhaberin Brunhilde Böhls aus Kronstadt setzt sich seit Jahren für den Erhalt und die Verbreitung des Batulls, einer alten Apfelbaumsorte aus dem Elsass und Siebenbürgen ein. Am 10. November 2014 wurden auf dem Campus Duisburg der Universität Duisburg-Essen zwei alte Obstbaumsorten gepflanzt: ein Dülmener Herbstrosenapfel und ein Batullapfelbaum, und zwar auf der neu entstandenen Wiese um das neue Hörsaalgebäude. Dies war ein Wunsch von Gotthard Hoffmann, langjähriger Mitarbeiter der Universitätsbibliothek, an seine KollegInnen, der von Brunhilde Böhls, Mitglied der Initiative für Nachhaltigkeit (IFN), aufgegriffen und in die Tat umgesetzt wurde.
Warum kam es zur Pflanzung zweier Bäume? Brunhilde Böhls erläutert die Hintergründe: Alle Apfelsorten sind selbstunfruchtbar und müssen daher durch einen sortenfremden Pollen bestäubt werden. So konnte Brunhilde Böhls den Batullapfelbaum spenden. Schon als Kind kletterte sie im Obstgarten ihrer Oma in Brenndorf bei Kronstadt auf den Bäumen herum. Heute engagiert sie sich für alte, vom Aussterben bedrohte Obstsorten und fand in Gotthard Hoffmann einen eifrigen Befürworter der Pflanzaktion im „Campus Garten Duisburg Projekt“, den sie leitet. Durch die Urban Gardening Bewegung sei es heute wieder möglich, auch Nutzpflan­zen im urbanen Raum anzubauen. Böhls wünscht sich, dass diese Bewegung den heutigen Studierenden und ihren Kindern die Natur näher bringt. Die Streuobstwiesen am Niederrhein seien seit den fünfziger Jahren unter dem Kostendruck in- und ausländischer Obsterzeuger gerodet worden. Die Landwirte erhielten sogar Rodungsprämien, um ihre Obstwiesen abzuholzen. Inzwischen gebe es eine Bewegung zur Wiederbelebung alter Obstsorten, da sie gesünder als manche hochgezüchtete neue Sorte seien und keine Allergien verursachten. Zudem wirkten sich Obstwiesen positiv auf das Kleinklima eines Stadtteils aus, was besonders in Metropolen wie dem Ruhrgebiet wichtig sei, betont Brunhilde Böhls.Brunhilde Böhls gießt den Batullbaum auf dem ...Brunhilde Böhls gießt den Batullbaum auf dem Campus Duisburg an, assistiert von Gotthard Hoffmann (links) und Jürgen Wagenknecht. Foto: Andreas Hoene Der Batull war im 19. Jahrhundert unter dem Namen „pomme des transsylvanie“ im Elsass bekannt und auch in Siebenbürgen sehr beliebt. In den 70er Jahren brachte der Sportlehrer Reinhold Kreisel (1915-2005) einen Edelreiser aus Brenndorf ins Bergische Land mit und pfropfte ihn auf verschiedene Unterlagen. Von dem Hobbypomologen erhielt Brunhilde Böhls einen Batullapfelbaum. Seither setzt sie sich für dessen Verbreitung ein und wird dabei von Dipl.-Ing. Wagenknecht unterstützt, der die kleine Baumschule „Gala Obstbaumparadies“ betreibt. Er hat aufgrund eigener Beobachtungen in Duisburg, Mülheim und am linken Niederrhein festgestellt, „dass der Batullapfel bezüglich Wuchs, Eigenschaften und Fruchtausbildung hervorragend an die Niederrheinische klimatischen Bedingungen angepasst ist“. Der Baum habe darüber hinaus die Eigenart, „schön zu verzweigen“, sagt Wagenknecht.

Brunhilde Böhls bietet ein Faltblatt über den Batull auf ihrer Homepage an (http://www.bboehls.de/images/Batull_Faltblatt_2012.pdf) und freut sich über das große Interesse von Siebenbürger Sachsen aus ganz Deutschland, die sich einen Batullapfelbaum wünschen: „Heute sieht es fast so aus, als würde es mehr junge Bäume in der Diaspora geben als in der alten Heimat.“ 50 veredelte Pflanzen aus der erwähnten Baumschule können zurzeit über Brunhilde Böhls, Max-Reger-Str. 17, 47057 Duisburg, Telefon: (02 03) 93 47 14 56, E-Mail: info[ät]bboehls.de, Internet: www.bboehls.de, bestellt werden. Sie möchte sich weiter für die Verbreitung des Batullapfelbaums einsetzen und freut sich über Rückmeldungen ihrer Landsleute mit Fotos von siebenbürgischen Obstgärten (alt und neu), Literatur über siebenbürgische Bauern- und Obstgärten sowie Geschichten und Erinnerungen zu diesem Thema.

Siegbert Bruss

Schlagwörter: Batull, Obst, Gärtnerin, Duisburg

Nachricht bewerten:

18 Bewertungen: ++

Noch keine Kommmentare zum Artikel.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich.

  • AKTUELL
  • BEWERTET
  • GELESEN
  • KOMMENTIERT
Druckausgabe der aktuellen Zeitung
Die Druckausgabe der SbZ bereits eine Woche vor der Auslieferung online lesen (inkl. Volltextrecherche).

Archiv Schmökern und recherchieren im Archiv der SbZ von 1950-2010.

Terminkalender

« Oktober 17 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
25 26 27 28 29 30 1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 31 1 2 3 4 5

Artikel zum Thema

RSS-Feeds abonnieren

Nächster Redaktionsschluss

8. November 2017
11:00 Uhr

18. Ausgabe vom 20.11.2017
Alle Redaktionsschlüsse
Registrieren! | Passwort vergessen?
Impressum · RSS · Banner · Online werben · Nutzungsbedingungen · Datenschutz